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In der Diskussion : Verdienen Politiker genug?

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Hat Angela Merkel mehr verdient? "Die wichtigsten Verantwortungsträger unserer Republik müssen anständig bezahlt werden", fordert Hans Heinrich Driftmann, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

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erstellt am 24.Mär.2012 | 07:09 Uhr

Berlin | Hat Angela Merkel mehr verdient? "Die wichtigsten Verantwortungsträger unserer Republik müssen anständig bezahlt werden", fordert Hans Heinrich Driftmann, Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). "500 000 bis 600 000 Euro für die Kanzlerin wären eine solche Größenordnung", bringt Driftmann eine Verdoppelung von Angela Merkels Bezügen ins Gespräch. Sie verdient pro Monat knapp 23 000 Euro, inklusive der Hälfte ihrer Abgeordnetendiäten, die ihr im Amt zustehen.

Gehaltsaufschlag für Merkel & Co, Lohnkürzung für Top-Manager? Die Debatte über gerechte Bezahlung ist in vollem Gange. Driftmanns Plädoyer für höhere Bezahlung von Spitzenpolitikern wirkt wie ein Ablenkungsmanöver - schließlich sind es die Manager, die aktuell wegen teils zweistelliger Millionengehälter in der Kritik stehen. Rund 17 Millionen Euro Jahresgehalt verdiente VW-Chef Martin Winterkorn als Spitzenreiter 2011. Die hohen Gewinne der DAX-Konzerne haben die Managervergütung im vergangenen Jahr auf Rekordhöhen getrieben. Durchschnittlich kassierten die Chefs knapp fünf Millionen Euro - acht Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch die großen Gewerkschaften wollen, dass die Beschäftigten mehr am Aufschwung teilhaben als zuletzt. 6,5 Prozent fordert die IG Metall. Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verlangt 6,5 Prozent in der Tarifauseinandersetzung mit den öffentlichen Arbeitgebern.

"Die Gehälter driften immer weiter auseinander", kritisiert Verdi-Chef Bsirske. Ehrensold von 200 000 Euro für einen zurückgetretenen Bundespräsidenten nach 20 Monaten Amtszeit, 800 oder 900 Euro für Müllwerker. "Hier die Manager mit 17 Millionen Euro im Jahr wie Herr Winterkorn, dort die Krankenschwestern mit wenigen Hundert Euro im Monat." Das Durchschnittshaushaltseinkommen in Deutschland lag nach Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung bei 2700 Euro pro Haushalt.

Bsirske will Einkommen über einer Million mit 70 Prozent besteuern. Winterkorns Gehalt als Provokation - dafür hat er sogar selbst ein gewisses Verständnis: "Ich kann verstehen, dass manche sagen, das ist zuviel." Aber darüber entscheide der Aufsichtsrat und außerdem spiegele das Gehalt den Erfolg des Volkswagen-Konzerns. Auch die Mitarbeiter profitierten von diesem Erfolg mit einer Sonderausschüttung: 7500 Euro bei Volkswagen (Vorjahr: 4000 Euro), durchschnittlich 7600 bei Porsche und mehr als 8000 Euro bei Audi.

Zur Rechtfertigung besonders hoher Managergehälter - früher war es meist Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann - wird regelmäßig auch der internationale Wettbewerb um Spitzenkräfte verantwortlich gemacht. Der Chef der Familienunternehmer, Lutz Goebel, fordert, Managergehälter auf fünf Millionen Euro zu begrenzen. "Das ist auch ein schönes Gehalt und dafür kriegt man alle guten Leute." Elmar Degenhart, Chef des Autozulieferers Continental mit drei Millionen Euro Jahresgehalt sieht die Grenze bei zehn Millionen Euro Jahresgehalt erreicht. Die öffentliche Meinung müsse allerdings berücksichtigen, dass angestellte Geschäftsführer für den zeitraubenden Job ihr Privatleben aufgeben und sich und ihre Familie auch Risiken aussetzen würden.

Wie der DIHK-Chef hält er deutsche Spitzenpolitiker für "gnadenlos unterbezahlt". Das sei mit ein Grund dafür, dass es so wenig Wechsel aus der Wirtschaft in die Politik gebe. "Das tut dem Land nicht gut."

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