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Mecklenburg-Vorpommern

23. September 2017 | 02:15 Uhr

Observierung : Verbrecherjagd per Handy

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Polizei ortet Straftäter immer öfter mit stillen SMS / 2013 wurde Observierungsmethode 322-mal eingesetzt

svz.de von
erstellt am 05.Mai.2014 | 07:45 Uhr

Die Polizei verfolgt Verdächtige in Mecklenburg-Vorpommern immer häufiger mit Hilfe stiller SMS. 2013 verschickten die Fahnder knapp 23 000 dieser geheimen Kurznachrichten an die Handys möglicher Straftäter, um deren Aufenthaltsort zu ermitteln. Das waren 12 000 SMS mehr als im Jahr zuvor. Nach Auskunft des Landeskriminalamtes wurde das geheime Observationsmittel in 322 Ermittlungsverfahren eingesetzt. Wie viele Verdächtige davon betroffen waren, teilte das LKA gegenüber unserer Redaktion nicht mit. 2012 arbeitete die Polizei bei 221 Fällen mit den stillen SMS.

Bei diesen SMS wird ein Signal auf das Handy eines Verdächtigen versandt, sofern die Nummer den Fahndern bekannt ist. Allerdings merkt der Empfänger davon nichts, da die stille SMS keinen Ton auslöst und auch keinen Text hinterlässt. Beim Betreiber des Mobilfunknetzes jedoch werden die Verbindungsdaten registriert. Da jedes angeschaltete Handy sich immer in die stärkste Funkzelle in seiner Nähe anmeldet, können die Fahnder erkennen, in welchem Gebiet sich der Verdächtige aufhält.

Ein Sprecher des LKA erläuterte, dass die Fahnder stille SMS nur einsetzen dürfen, wenn ein Gericht, ähnlich wie beim Abhören von Telefongesprächen, vorher zugestimmt hat. Sie seien nur bei schweren Straftaten erlaubt, die bereits begangen wurden, oder die höchstwahrscheinlich verübt werden sollen. Laut Strafprozessordnung geht es dabei um Mörder, Sexualstraftäter, Drogenhändler, Schmuggler, Steuerbetrüger oder Menschenhändler. Auch kriminelle Banden können per SMS überwacht werden. Ihr Einsatz ist erlaubt, wenn andere Überwachungsmaßnahmen nicht möglich sind oder „erheblich erschwert“ wären.

„Die stillen SMS sind ein probates Fahndungsmittel“, so der LKA-Sprecher, „wir verfolgen damit aber keine Ladendiebe oder Schwarzfahrer“.

Die stillen SMS werden nicht nur von der Kriminalpolizei, sondern auch von den Verfassungsschutzbehörden, dem BND und dem Zoll eingesetzt. Im Vergleich zu Berlin geht die Polizei in MV mit den stillen SMS eher „sparsam“ um. In der Hauptstadt verschickten die Ermittler allein 2013 250 000 geheime Mitteilungen.



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