Verbraucherschutz mit Lücken im Land

Auch unser tägliches Frühstücksei bleibt nicht von Skandalen verschont. dpa
Auch unser tägliches Frühstücksei bleibt nicht von Skandalen verschont. dpa

svz.de von
14. März 2013, 06:21 Uhr

Schwerin | Pferdefleisch in Fertiggerichten, Schimmel in Futtermais, Bio-Eier von zusammengepferchten Hennen: Mit jedem Lebensmittel-Skandal steigt bei der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern die Nachfrage. "Durch die unterschiedlichen Berichte in den Medien sind die Menschen verunsichert", sagt Vorstand Dr. Jürgen Fischer. "Sie wollen die komplexen Zusammenhänge erklärt bekommen - von unabhängiger Stelle." Und das gelte nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für Telefonverträge, die Altersvorsorge, Versicherungen, die Energieversorgung… "Heute gibt es viel mehr Tarife und Angebote als noch vor 15 Jahren, und sie sind viel komplexer und intransparenter", so Fischer. "Deshalb brauchen viele Verbraucher eine Person, die sie bei ihrer Entscheidung unterstützt." In knapp 35 000 Beratungsgesprächen haben das die Experten der Verbraucherzentrale im Vorjahr getan. Hinzu kommen E-Mails, Vorträge, Ausstellungen und Aktionen wie die heutige Messe zum Weltverbrauchertag in Wismar.

Doch die Verbraucherzentrale MV steht finanziell auf wackligen Füßen. Zwar gibt die Landesregierung jährlich rund 368 000 Euro als Grundförderung, doch die machen gerade einmal 25 Prozent des Gesamtetats aus. "Das ist zu wenig, um flächendeckend eine kontinuierliche Verbraucherberatung anzubieten", sagt Jürgen Fischer. "Und so gibt es mit Vorpommern-Greifswald und Ludwigslust-Parchim zwei Landkreise, in denen wir keine Beratungsstelle haben." Die Experten sitzen in Schwerin, Rostock, Wismar, Neubrandenburg, Stralsund und Güstrow.

Weitere rund 250 000 Euro zahlt das Land als Projektförderung für die Bereiche Ernährung und wirtschaftlicher Verbraucherschutz - so lange es die Projekte gibt. Doch Fischer hat Hoffnung. Im vergangenen Jahr beschloss der Landtag, die Arbeit der Verbraucherzentrale MV langfristig zu sichern. Der Vertrag, der die Förderung festschreiben soll, wird derzeit verhandelt. Der Verbraucherschützer hofft auf eine Aufstockung der Mittel. "Es ist im Gespräch, die Verbraucherzentralen zu Marktwächtern zu entwickeln", erklärt Fischer. "Sie sollen die Informationen, die sie in Beratungsgesprächen bekommen, aufbereiten und an Politik, Verwaltung und Gesetzgeber weitergeben, damit neue Abzock-Maschen und Probleme schneller erkannt werden." Mit dem derzeitigen Geld sei diese Zusatzaufgabe nicht zu leisten. Im Vergleich zu anderen Bundesländern hätte MV auch noch Luft nach oben. Während Rheinland-Pfalz rund 40 Cent pro Einwohner an die Verbraucherzentrale überweist, sind es hier nur knapp über 20 Cent.

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