Verbraucher zahlt die Mautzeche

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10. September 2012, 06:55 Uhr

Rostock/Stralsund | Die Müllgebühren werden 2013 voraussichtlich steigen. Betroffen sind insbesondere die Bürger, deren Abfall über die Bundesstraßen 106 und 96 abtransportiert wird. Seit 1. August werden bundesweit auf etwa 1135 Kilometer Bundesstraßen, die mindestens vierspurig ausgebaut wurden und an eine Autobahn angeschlossen sind, Mautkosten erhoben. Hierzulande sind in Rostock 12 Kilometer vom A20-Anschluss Rostock-West bis zum Stadtteil Marienehe und etwa 20 Kilometer von der A20-Anschlussstelle Grimmen bis zur Stadtgrenze Stralsund betroffen.

Mautpflichtig sind dabei alle Fahrzeug, deren Gesamtgewicht mindestens 12 Tonnen beträgt. Omnibusse, Bundeswehr, Schausteller und Zirkusbetreiber beispielsweise sind mautbefreit. Müllfahrzeuge aber nicht. Zahlreiche Entsorgungsunternehmen mussten daher ihre Fahrzeuge nachrüsten, um sie mit den so genannten On-Board-Units auszustatten. Das sind Geräte, die in Lastkraftwagen eingebaut werden, um die automatische Abrechnung in einem Gebührenerhebungs- oder Mautsystem zu ermöglichen.

Auch die Stadtentsorgung Rostock musste sich darum kümmern. Denn die B 103 kann nicht einfach umfahren werden. Die Unternehmen müssen den Weg nehmen, "um den Entsorgungsauftrag der Hansestadt Rostock zu erfüllen und Anwohner nicht übermäßig mit Lärm zu belasten", sagt Unternehmenssprecher Steffen Böhme. Wie viele Fahrzeuge umgerüstet wurden und wie viel das gekostet hat, dazu schwieg er. Auch wollte er höhere Müllgebühren durch Mautkosten nicht bestätigen. Er sprach lediglich davon, "Kosten weiterzureichen". Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte die Stadt Rostock, dass die Stadtentsorgung für die Kostenkalkulation 2013 durchaus Mehrkosten beziffert habe - insgesamt 13 700 Euro.

Erwin Braatz, Landessprecher beim Bundesverband der deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft, hingegen spricht Klartext: "Die Lkw-Maut für Müllentsorgungsfahrzeuge ist eine indirekte Steuer für den Bürger." Die Kostenangleichung werde jedoch zeitversetzt stattfinden, weil die Entsorger und Auftraggeber noch an laufende Verträge gebunden sind. Erwin Braatz rechnet mit einer "Periodenverschiebung" von einem Jahr.

Uwe-Andersen Hoth, Geschäftsführer der Greifswalder Entsorgung GmbH, spielt gleich mit offenen Karten. Das Unternehmen entsorge zwar den Hausmüll Greifswalder Bürger, der müsste dann aber nach Stralsund transportiert werden. Und auf der B96, dem Rügenzubringer, fangen die On-Board-Units nunmehr eben "gleich an zu klickern".

So entstüngen Mehrkosten und die müssten natürlich berechnet werden. Das sei kein Geheimnis. Er rechnet mit 2500 Euro Mehrkosten. Für den einzelnen Bürger mögen das vermutlich nur Centbeträge sein, "aber viele Cents machen irgendwann auch einen Euro", wie Uwe-Andersen Hoth betonte.

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