Misshandlungsprozess : Vater zu sechs Jahren Haft verurteilt

Er muss für sechs Jahre in Haft, seine Tochter wird ein Leben lang von seinen Verletzungen gezeichnet sein. Ein Vater ist wegen des Schütteln seines Babys verurteilt worden.

svz.de von
12. Juli 2018, 20:30 Uhr

Im Prozess um die Misshandlung eines Babys ist ein 30 Jahre alter Vater aus Anklam zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Der Haftbefehl wurde wegen bestehender Fluchtgefahr am Donnerstag noch im Gerichtssaal erlassen. Das Landgericht Stralsund sah es als erwiesen an, dass der Mann seine dreimonatige Tochter im Oktober 2017 so heftig geschüttelt und dadurch lebensbedrohliche Verletzungen ausgelöst hat, die zu einer lebenslangen Behinderung des Mädchens führten.

Das Kind werde infolge der Tat kein erfülltes Leben, keine Kindheit, keine Pubertät, keine erste Liebe erleben dürfen, sagte die Vorsitzende Richterin Birgit Lange-Klepsch bei der Urteilsverkündung. Verurteilt wurde der Mann wegen schwerer Körperverletzung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Das Urteil entsprach damit weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft, die ebenfalls sechs Jahre Haft gefordert, aber auf einen sofortigen Haftbefehl verzichtet hatte. Ob der Mann in Revision geht, ist bislang offen.

Das Kind trug durch das Schütteln schwerste Verletzungen davon. Nach Angaben von Ärzten sind große Areale des Großhirns abgestorben. Das Mädchen sei blind, werde vermutlich keine kognitiven Fähigkeiten wie Sprechen und Denken ausprägen und ein Leben lang ein Pflegefall bleiben. Das Kind lebt zusammen mit seiner Zwillingsschwester in einer Pflegefamilie. Die Richterin zollte der Pflegefamilie großen Respekt, die dem Mädchen nun ein liebevolles Zuhause biete.

Rettungsmotiv unglaubwürdig

Vor den Plädoyers hatte der Mann ein Geständnis abgelegt. Er lebte zum Tatzeitpunkt mit seiner Freundin und den gemeinsamen Zwillingstöchtern in einer Einrichtung für betreutes Wohnen in Greifswald. Er räumte in einer Erklärung über seinen Anwalt das Schütteln einer seiner beiden Töchter ein, als er mit ihnen allein war.

Er habe die dreimonatige Lena in alle Richtungen gedreht und geschüttelt, weil diese zuvor beim Trinken blau angelaufen sei und die Nahrung weder runtergeschluckt noch ausgespuckt habe. Als das Kind wieder atmete, habe er es gewickelt, ins Bett gelegt und sei neben ihr eingeschlafen. „Ich wollte dem Kind nur helfen. Ich wollte es nie verletzen“, sagte der Mann unter Tränen.

Das Gericht nahm ihm allerdings das Rettungsmotiv nicht ab. Die Aussagen waren zu widersprüchlich. Zuvor hatte der Mann behauptet, dass das Kind gut getrunken habe. Auch auf die Nachfrage, warum er den Kopf des Kindes nicht gestützt habe, gab der Angeklagte keine Antwort.

Unklar blieb auch, warum er nach dem Vorfall nicht um Hilfe gerufen habe. Der Mann wurde nicht wegen der ebenfalls angeklagten Misshandlung von Schutzbefohlenen verurteilt. Das für eine solche Verurteilung erforderliche Motiv einer „gefühllosen Gesinnung“ sei nicht erkennbar gewesen.

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