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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 00:27 Uhr

Theodor Hagen : Vater der Künstlerkolonie

vom
Aus der Onlineredaktion

Kunstmuseum Schwaan zeigt 60 Arbeiten von Theodor Hagen. Vorreiter des deutschen Impressionismus und Lehrer vieler Schwaaner Maler

von
erstellt am 26.Jul.2017 | 12:00 Uhr

Die junge Frau scheint in den oberen Räumen der Schwaaner Kunstmühle Stunde um Stunde vor den Gemälden zu sitzen. Zu meditieren und in all den Kunstlandschaften zu versinken. Im Geiste in den Wäldern spazieren zu gehen und den Duft abgeernteter Kornfelder einzuatmen. Die Frau, die da vor den Bildern auf einem Stuhl sitzt, macht sich vor jedem Werk Notizen. Sie heißt Jana Olschewski, ist Wissenschaftlerin und wird sich am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Greifswald zwei Jahre mit jenem Mann beschäftigen, der diese 60 Gemälde, Grafiken und Zeichnungen geschaffen hat – Theodor Hagen.

Die promovierte Kunsthistorikerin forscht im Rahmen eines Projektes, von dessen langem Titel wir uns nur „Die Romantik in Nordeuropa“ merken wollen. Vielleicht wird sie ja diesem Theodor Hagen (1842-1919) zu der Renaissance verhelfen können, die ihm nach Meinung von Heiko Brunner gebührt. Der Leiter des Schwaaner Kunstmuseums beschreibt Theodor Hagen als einen „der ersten großen deutschen Impressionisten, der zugleich in Deutschland die Freiluftmalerei durchgesetzt hat“. „Als Professor und freigeistiger Lehrer der Weimarer Malerschule ist er bis heute anerkannt, seine Werke aber sind vergessen.“

Zu Unrecht, wie diese von Brunner kuratierte Ausstellung zeigt. 22 Museen und private Leihgeber konnte der Schwaaner Museumschef überzeugen, Arbeiten für die Jubiläums-Schau zum 175. Geburtstag des Weimarer Landschaftsmalers zur Verfügung zu stellen, darunter so renommierte wie die Hamburger Kunsthalle oder die Kunstsammlungen Dresden, die eigens für Schwaan ein Gemälde restaurierten. All diese Arbeiten aus den Depots befreit zu haben, darf durchaus als Pioniertat bezeichnet werden, denn die letzte große Hagen-Ausstellung fand 1942 in Berlin statt.

Welch Renommee Theodor Hagen und die Weimarer Malerschule, an der er als jüngster Professor lehrte, seinerzeit genossen, mag man daran ermessen, dass die erste Claude Monet-Ausstellung nicht in Berlin oder München, sondern im kleinen Weimar präsentiert wurde.

Wie nah sich Hagen der französischen Freiluftmalerei fühlte – von den plötzlich bildwürdig gewordenen Motiven in Feld und Flur und in den oft mediterranen Farben – wird nicht zuletzt in der reichen Schwaaner Ausstellung deutlich. Sie zeigt neben weiten Landschaften in immer neuem Licht auch einige bezaubernde Porträts sowie Radierungen und Aquarelle. Und nicht zuletzt die erst jüngst auf dem Dachboden des Weimarer Hagen-Hauses gefundene Staffelei – mit den hundertjährigen, originalen Farbklecksen des Meisters..

Fotografien zeigen Hagen als imposante Erscheinung, mit üppigem Bart und großem Künstlerhut, im Kreise von Frau und Töchtern. Wir wollen ihn uns als lebenslustigen Mann vorstellen. Jedenfalls liebten ihn seine Schüler, denen er ihre künstlerische Freiheit ließ. Ganz undogmatisch war er bereit, auch von ihnen zu lernen. Die Maler der späteren Schwaaner Künstlerkolonie, einem Rotwein und ihren Pfeifchen nie abgeneigt, müssen einen guten Draht zu diesem unkonventionellen Professor aus dem Rheinland gefunden haben. Sein Ruf im kleinen Mecklenburgischen Städtchen war so legendär, dass gleich mehrere in Schwaan geborene Maler ihr Handwerk und ihr Verständnis von moderner Landschaftsmalerei in Weimar bei Hagen lernten – Franz Bunke und Rudolf Bartels sind sicher die bekanntesten. Später folgten ihnen Mitstudenten und Schüler in die Felder und Wälder an Warnow und Beke. So entstand jene Künstler- und Lebensgemeinschaft, die wir heute als Schwaaner Künstlerkolonie kennen.

Doch hat sich Theodor Hagen jemals ins beschauliche Schwaan verirrt? Die unwissenschaftliche Antwort: vielleicht. Ein Erntebild, das auch in der Ausstellung zu sehen ist, zeigt im Hintergrund unter Bäumen ein typisches norddeutsches Bauernhaus. Wahrscheinlich ist das Bild in Ahrenshoop entstanden. Liegt es da nicht nahe, dass der Herr Professor seine Schüler zu Hause in Schwaan besucht hat? Vielleicht stößt die Greifswalder Kunsthistorikerin im bislang unveröffentlichten Nachlass in Weimar ja auch in diesem Nebenaspekt der nordeuropäischen Romantikforschung auf den entscheidenden Hinweis.

 

Ausstellung:

„Theodor Hagen – Zum 175. Geburtstag des Weimarer Landschaftsmalers und Mentors für die Künstlerkolonie Schwaan“

Bis zum 17. September 2017

Dienstag - Freitag: 10 bis 17 Uhr
Samstag: 13 bis 17 Uhr
Sonntag: 11 bis 17 Uhr

 

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