Vandalismus im Hüttelmoor

Tagesgast in der Heide: Friedemann Schultz muss sich noch mit der alten Wegebeschaffenheit zufriedengeben.
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Tagesgast in der Heide: Friedemann Schultz muss sich noch mit der alten Wegebeschaffenheit zufriedengeben.

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15. Juli 2012, 05:43 Uhr

Markgrafenheide | Umweltfrevler treiben ihr Unwesen im Naturschutzgebiet Heiligensee und Hüttelmoor und gefährden damit die langfristig angestrebte Renaturierung. In den vergangenen Wochen haben sie einen Stau im Revier Hinrichshagen mehrfach aufgelöst, sodass Wasser aus dem Moor abfließen kann. Jörg Harmuth, Leiter des Stadtforstamtes und erst seit zwei Wochen für das Naturschutzgebiet zuständig, bleibt vorerst gelassen: "Die Arbeit, die sich die Leute hier machen, ist vergebens. Am Ende werden wir den längeren Atem haben." In dieser Woche soll der Stau wieder dicht gemacht werden. Auch Christoph Willert, Revierförster in Hinrichshagen, will das Gebiet besonders im Auge behalten und wartet nur darauf, früher oder später auf einen der, wie er sie nennt, "Staupiraten" zu treffen.

Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg, das bis Juni dieses Jahres für das Naturschutzgebiet zuständig war, hatte zuletzt in Abstimmung mit dem Naturschutzbund beschlossen, das Hüttelmoor langfristig zu renaturieren, und dazu den Wasserstand angehoben. Die Hoffnung ist nun, dass sich neue Arten ansiedeln. Bislang brüten in diesem Gebiet Kiebitz und Bekassine, vereinzelt auch der Rotschenkel. Zudem ist auch die Kreuzotter im Hüttelmoor und am Heiligensee zu Hause.

Doch nicht jeder zeigte sich damals mit den Renaturierungsplänen einverstanden. Bedenken galten vor allem der Passierbarkeit des Gebiets. Mit einem höheren Wasserpegel stehen auch die Wege regelmäßig unter Wasser. "Das Moor muss erlebbar bleiben - und das zu jeder Jahreszeit", findet Harmuth. Darum beginnen heute Arbeiten an den Wegen, die schon häufiger unter Wasser standen. Auf einer Länge von etwas mehr als 1000 Metern werden sie aufgeschüttet - von den bisherigen 70 bis 90 Zentimetern über Normalnull auf 1 bis 1,10 Meter. Das Land finanziert die etwa 35 000 Euro teure Baumaßnahme. "Der Grund und die Breite des Weges bleiben erhalten, aufgeschüttet wird mit zertifiziertem Recycling-Material", sagt Angelika Stoll aus dem Stadtforstamt Rostock. Zudem wird es auf den Wegen eine Deckschicht aus Sand geben. Damit das aufgeschüttete Material nicht wieder durch Niederschläge abgetragen wird, ist eine leichte Neigung eingeplant. Die soll dafür sorgen, dass das Wasser besser in die Gräben abfließen kann. Während der auf zwei Wochen angesetzten Baumaßnahme sind die Wege nicht begeh- und befahrbar.

Zudem bleiben in dieser Zeit auch die Strandaufgänge 35 und 36 gesperrt. Umleitungsschilder wurden in den vergangenen Tagen bereits weiträumig aufgestellt. Harmuth hofft, dass diese Maßnahme nun ein guter Kompromiss für alle Seiten darstellt. Das Moor wird wiederbelebt und die Menschen können dank der aufgeschütteten Wege wie gewohnt ihren Stadtwald in Besitz nehmen.

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