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Neue Spielzeit im Theater Schwerin : Vampire, Cowboys und Gespenster

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

37 Premieren und 30 Konzerte: Di e neue Spielzeit am Mecklenburgischen Staatstheater lässt kaum Wünsche offen – vorerst auf dem Papier

von
erstellt am 29.Apr.2017 | 16:00 Uhr

Nun haben sie also auch das Theater erreicht – die berühmten, die berüchtigten fake news, jene dreisten Lügen und Halbwahrheiten, mit deren Hilfe gewisse Machtmenschen ihre Interessen durchzusetzen suchen. Das ist freilich nicht neu, wie uns Shakespeare in seinen Stücken immer wieder vorführt. Auch im Fall seines Othello. Dem begegnen wir gleich zu Beginn der neuen Spielzeit in Verdis großer Oper „Othello“ am Mecklenburgischen Staatstheater.

Dessen Generalintendant Lars Tietje präsentierte gestern gemeinsam mit seinem Team das Programm für den Jahrgang 2017/18, das, zumindest auf dem Papier, vielfältig und vielversprechend daherkommt. 37 Premieren und etwa 30 Konzerte an den beiden Spielorten Schwerin und Parchim. Wie von allen geplanten Inszenierungen berichten? Allein das neue Spielzeitheft ist 120 Seiten dick. Versuchen wir also das Unmögliche, seien wir ungerecht und wählen frech nach unserem Geschmack.

„Othello“ also. Weiter. Italienisch wird es im Sommer 2018 auch wieder bei den Schlossfestspielen zugehen. Operndirektor Toni Burkhardt bringt Puccinis Klassiker „Tosca“ auf den Alten Garten. Wird das Schweriner Schloss zur Engelsburg in Rom?

Auch der Schlosshof kommt wieder zu seinem Recht als einmalig stimmungsvoller Spielort, wenn Dracula an hoffentlich lauen Sommerabenden sein schauriges Spiel treibt. Knoblauch nicht vergessen!

Gänsehaut verspricht auch das Musical „Jekyll & Hyde“ ab 16. Februar mit seinem abgründigen Doppeldoktor, der zu raffinierter Pop- und Rockmusik in Nebellondon herumspukt.

Zur Weihnachtszeit verschenkt das Schweriner Theater den Opernklassiker „Hänsel und Gretel“ mit der Schwerinerin Sophia Maeno als Hänsel und Katrin Hübner als Gretel. Als weiteres Familienstück zur Weihnachtszeit sind im Großen Haus die Abenteuer von Astrid Lindgrens Ronja Räubertöchter zu erleben.

Das Schauspiel eröffnet die Spielzeit mit einer Uraufführung und bringt Saša Stanišics grandiosen Roman „Vor dem Fest“ auf die Bühne des großen Hauses. In diesem Roman wimmelt es von seltsamen Gestalten und geheimnisvollen Geschehnissen. Sogar das kleine, sterbende Dorf selbst hat eine Stimme… Neben dieser archaischen, zugleich modern erzählten Geschichte bietet Schauspieldirektor Martin Nimz klassische deutsche Dramatik – von Kleists „Amphitryon“ (erneut fake news!) bisćHebbels „Die Nibelungen“. Als weiterer Klassiker kommt Tennessee Williams „Endstation Sehnsucht“ im E-Werk auf die Bühne.

Ein Kassenknüller könnte die Komödie „Sein oder Nichtsein“ werden, sollte die Inszenierung auch nur annähernd so komisch, absurd und hintergründig werden wie der gleichnamige Film von Ernst Lubitsch, auf dem das Stück basiert. Eine der genialsten Filmkomödien überhaupt. Unerreicht. Aber mit der bekannten Schauspielerin Steffi Kühnert, die in diesem Jahr mit Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“ ihr vielbeachtetes Debüt als Regisseurin im E-Werk feierte, dürften diese Erwartungen vielleicht nicht zu hoch geschraubt sein.

Auch zu Silvester, wann sonst, darf gelacht werden. Die Krimikomödie „Fisch zu viert“ zählt zu den populärsten deutschen Boulevardstücken. Schauspielchef Martin Nimz kümmert sich persönlich um Charlotte, Cäcilie und Clementine und ihren Diener Rudolf, dem alle drei eine hübsche Erbschaft versprechen.

Das Ballett reitet in der Uraufführung von „Who Shot the Sheriff?“ in den Wilden Westen und tanzt nach bekannten Westernmelodien auf den Spuren von Wyatt Earp und Billy the Kid – Yee-haw! Nichts Geringeres als die Erschaffung der Welt will Ballettdirektorin Jutta Ebnother mit ihren Tänzerinnen und Tänzern in Angriff nehmen, wenn sie im März 2018 Joseph Haydns großes Oratorium „Die Schöpfung“ choreografiert. Weil das kleine Ballettensemble für diese Aufgabe dann doch zu klein ist, helfen Opernsolisten, Opernchor, Singakademie und Staatskapelle. Monumentaler gehts kaum.

Die Staatskapelle bietet wieder ein vielseitiges Programm von Beethoven bis Schubert. Gespannt darf man auf die „Meistersinger ohne Gesang“ sein, ein Best of der Oper mit Jochen Fahr und Chefdramaturg Peter Larsen als Sprecher. Ost trifft West: Im 6. Sinfoniekonzert reist die Kapelle mit der „Istanbul Symphony“ des türkischen Komponisten Fazil Say an den Bosporus.

Bei der Fritz-Reuter-Bühne werden neben bewährten niederdeutschen Leckerbissen „Kugelfisch Hawaii“ und „Ein Hart ut Schokolaad“ serviert. Als ein Höhepunkt bieten die Reuters eine der größten und anrührendsten Liebesgeschichten der modernen Theaterliteratur: „Harald un Maud“.

Das junge Staatstheater Parchim kommt mit gleich drei Premieren nach Schwerin: „Familie Braun“ nach der erfolgreichen ZDF-Miniserie um zwei Nazis, die ein schwarzes Mädchen aufnehmen müssen, „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“ und „Nathans Kinder“ nach Lessings Klassiker.

Sollten Sie nun an der einen oder anderen Inszenierung Geschmack gefunden haben, versäumen Sie nicht, sich rechtzeitig um Karten zu kümmern: Bereits am 12. Juli 2017 beginnt der Vorverkauf.

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