Hansestadt widmet Filmklassiker einen Aktionstag : Vampir Nosferatu lässt Wismar gruseln

<strong>Nosferatu </strong>(Max Schreck) will seinen Durst nach Blut stillen.<foto>Murnau stiftung</foto>
1 von 2
Nosferatu (Max Schreck) will seinen Durst nach Blut stillen.Murnau stiftung

Mit einem Sarg unter dem Arm schritt der Fürst der Finsternis, Graf Orlok, vor 90 Jahren durch das Wassertor in Wismar. Am Sonnabend widmet Wismar dem Film „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ einen ganzen Tag.

svz.de von
05. Juli 2012, 11:40 Uhr

Wismar | Das dürfte einmalig sein: Ein Vampir wird Ehrenbürger einer Stadt. In Gestalt von Nosferatu, für den am Sonnabend am Wismarer Wassertor eine Gedenktafel enthüllt wird. Damit wird der historischen Tatsache Rechnung getragen, dass der erste Dracula-Film überhaupt, "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens", ausgerechnet in der Hansestadt entstand - vor genau 90 Jahren.

Der Stummfilm von Friedrich Wilhelm Murnau gilt als Meilenstein der Filmgeschichte, weil er der erste expressionistische Film mit Außenaufnahmen ist und sich nicht nur - wie bis dahin üblich - auf Studioaufnahmen beschränkte. Der Film hat nicht nur im Hinblick auf die Drehtechnik Akzente gesetzt, sondern auch den heutigen Dracula-Mythos maßgeblich beeinflusst. "Dass Vampire in Särgen schlafen, stammt zum Beispiel aus dem Film", weiß die Wismarer Stadtführerin Christel Miller. Sie wird am Sonnabend mit ihrer Kollegin Astrid Peschke auf den Spuren der originalen Dreharbeiten durch Wismar führen.

Der Film-Vampir sollte über das Meer in die Stadt kommen, nicht über Land mit der Kutsche. So boten der Wismarer Hafen und die Altstadt ideale Drehbedingungen. Sie sorgten natürlich auch 1921 schon für viel Aufsehen bei Zaungästen, wie das "Wismarer Tageblatt" damals berichtete. Drehorte waren das Wismarer Wassertor, der Hafen, die St. Georgen-Kirche oder die Heilig-Geist-Kirche. Während die Menschen das Grauen des Ersten Weltkriegs noch vor Augen hatten, machte Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau den Schrecken erstmals auf der Leinwand sichtbar. In den Kinos war Volksbelustigung angesagt, die Filmindustrie noch in den Kinderschuhen, als am 4. März 1922 "Nosferatu" über die Leinwand flimmerte und die Menschen zutiefst verstörte. Besonders der Hauptdarsteller, der Theaterschauspieler Max Schreck, jagte den Zuschauern in den Kinosälen einen Schauer über den Rücken, denn viele hielten die geisterbleiche Gestalt für einen echten Vampir.

Murnau war ein Kinorevolutionär, er schuf Bilder aus Licht und Schatten so gekonnt wie keiner vor ihm. Davon werden sich alle Freunde gepflegten Kinogrusels am Wismarer Nosferatu-Tag überzeugen können, wenn der Stummfilmklassiker open air im Zeughaushof gezeigt wird - live begleitet von Curious Egg, drei Musikern mit langjähriger Erfahrung in elektronischer Musik.

Programm des Nosferatu-Tags in Wismar am 7. Juli:
• 16 bis 18.30 Uhr: Vampir-Kinderprogramm im Zeughaus, u. a. mit Geburtsurkunden und eigenem Vampirnamen, Vampirzimmer,
Vampirkindergarten, Vampirschule und Vampirkuchenbuffet.
Carmen Blazejewski liest aus ihrem Kinderroman „Küss mich sagte der Vampir“ (Eintritt frei)
• 19 Uhr: Einweihung der Nosferatu-Gedenktafel am Wassertor
• 19.30 Uhr und 21 Uhr Nosferatu-Stadtführungen
• Kleines Konzert mit der Band
Curious Egg im Zeughaushof
• ab 22 Uhr Filmvorführung „Nosferatu“ begleitet von Curious Egg

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen