Usedomer verblüfft beim "Superhirn"

Johann Palinkas aus Heringsdorf bewies in Jörg Pilawas ZDF-Show Köpfchen.  Foto: Schloss Torgelow
Johann Palinkas aus Heringsdorf bewies in Jörg Pilawas ZDF-Show Köpfchen. Foto: Schloss Torgelow

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18. Mai 2012, 10:47 Uhr

Berlin/Heringsdorf | Kennen Sie noch Heinz Erhardt? Kennen Sie vielleicht sogar eines seiner Gedichte auswendig? Nicht schlecht. Aber weit von dem entfernt, was der 14-jährige Johann Palinkas aus Heringsdorf am Donnerstag in der ZDF-Show "Deutschlands Superhirn 2012" vollbrachte - vor 5,53 Millionen Fernsehzuschauern.

Aus den 100 beliebtesten Heinz-Erhardt-Gedichten konnte der Usedomer fünf beliebig ausgewählte Stücke nur an einer einzigen Zeile erkennen und dann fehlerfrei rezitieren. Vielleicht half ihm dabei die stilechte Erhardt-Brille, die er extra für diesen Abend trug. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass seine ausgefeilte Lerntechnik der Schlüssel zum Erfolg ist.

Vor zwei Jahren entdeckte er eher zufällig seine Liebe zu Heinz Erhardt. Bei einem Rezitationswettbewerb an seiner Schule, dem Internat Schloss Torgelow, holte er sich den ersten Preis, jedoch nicht mit Erhardt. Den hatte der Zweitplatzierte vorgetragen und Johann war direkt Feuer und Flamme: "Ich kannte ihn vorher gar nicht. Aber seine Gedichte sind einfach lustig und haben Pep." Rund neun Wochen vor der Show hat er mit dem Lernen angefangen. Zwischen fünf und 15 Minuten brauchte er für ein Gedicht. "Wenn es super war, ging es auch noch schneller", sagt der junge Heringsdorfer.

Einen besonderen Trick beim Lernen hat Johann nicht. "Ich lerne am besten über das Gehör: Ich lasse mir ein Gedicht vorsprechen und spreche es dann nach", so der Schüler. "Ich lerne auch immer vor dem Schlafengehen, das hilft sehr. Außerdem baue ich mir Eselsbrücken." Doch nicht immer klappt es mit dem Lernen so einfach wie bei den Gedichten. "Texte kann ich mir viel besser merken als Zahlen. Da habe ich irgendwie eine Blockade", gibt er zu. "Außerdem bin ich total vergesslich und lasse auch ständig irgendwo etwas liegen." Auch ein Superhirn hat also seine Schwächen.

Die Show wurde bereits am Sonntag in Berlin aufgezeichnet. "Es war sehr aufregend, aber auch echt stressig", berichtet Johann. Bevor der Schüler sein Können unter Beweis stellen konnte, wurde das Publikum gefragt, ob es glauben würde, dass Johann es schafft. 87 Prozent sagten ja. "Mir wäre es lieber gewesen, sie hätten gesagt ich schaffe es nicht. Dann hätte ich sie noch mehr überraschen können", sagt Johann und lacht. Ausgewählt wurden die einzelnen Zeilen von Erhardts Tochter Marita Malicke, die dem Schüler als Anerkennung ein handsigniertes Buch ihres Vaters schenkte. "Das hat mich total gefreut. Das Buch bekommt einen Ehrenplatz."

Zu Beginn der Show sei er total aufgeregt gewesen. "Doch als ich die Gedichte aufsagte, war ich ganz ruhig", sagt der 14-Jährige. Danach kehrte die Nervosität wieder zurück. Trotzdem liebt er es, vor einem Publikum zu stehen. "Das ist wie Achterbahn fahren. Das gibt einfach einen Adrenalinkick", schwärmt er. Eine Karriere vor der Kamera kann sich Johann trotzdem nicht vorstellen. "Ich möchte lieber Schriftsteller werden", sagt er. Das erste Buch hat er bereits fertig.

Zum Ende der Show schien Johann dem Sieg ganz nah zu sein. Bis auf einen Rivalen, hatte er alle anderen hinter sich gelassen. "Das war einer der aufregendsten Momente in meinem Leben. Ich hatte das Gefühl, mein Herz würde aus dem Brustkorb springen", sagt Johann. Doch dann musste er sich knapp seinem Konkurrenten Dave geschlagen geben. Der blinde Jugendliche, der sich über Schnalzgeräusche räumlich orientieren konnte, wurde zum Sieger gewählt. "Ich fand seine Leistung wirklich beeindruckend und gönne ihm den Sieg", gibt sich Johann als fairer Zweitplatzierter. "Es ist total befreiend, dass es jetzt vorbei ist", gesteht er. "Ich werde jetzt erstmal für ein Jahr eine Gedichtpause machen." Sein nächstes großes Ziel: einen Verleger für seinen Fantasy-Roman finden.

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