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Kreisvorsitzende schließen sich Vorschlag von Traditionalisten an : Urwahl stellt Linke vor Zerreißprobe

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Droht den Linken im Nordosten eine neue Zerreißprobe? Viele Kreisvorsitzende favorisieren offenbar eine Urwahl des Landesvorsitzenden durch alle Mitglieder. Das ergab jetzt eine Umfrage unserer Redaktion.

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erstellt am 11.Dez.2012 | 08:44 Uhr

Schwerin | Droht den Linken im Nordosten eine neue Zerreißprobe? Viele Kreisvorsitzende favorisieren offenbar eine Urwahl des Landesvorsitzenden durch alle Mitglieder. Das ergab jetzt eine Umfrage unserer Redaktion. Der Landesvorstand indes hält sich bedeckt, nachdem eben erst Heidrun Bluhm zur neuen Landeschefin gewählt wurde. Bislang ist laut Satzung die Wahl über Delegierte bei einem Parteitag vorgeschrieben. Bluhm war gewählt worden, nachdem ihr Vorgänger Steffen Bockhahn zurückgetreten war. Die turnusmäßige nächste Vorsitzendenwahl soll im kommenden November stattfinden.

Beobachter gehen davon aus, dass über eine Urwahl wieder die Traditionalisten in der Partei ans Ruder kommen könnten, während die Reformer, zu denen auch Bluhm zählt, ins Hintertreffen geraten. Aufs Tapet gebracht hatte den Urwahl-Vorschlag der ebenfalls neu gewählte Vize Bluhms, Torsten Koplin, aus der Region Neubrandenburg. Koplin wiederum wird den Traditionalisten zugerechnet - so wie Ex-Sozialministerin Marianne Linke aus Stralsund. "Ich halte viel davon, die Mitglieder zu befragen", hatte sich Linke noch auf dem jüngsten Wahlparteitag dem Vorschlag Koplins angeschlossen.

Landes-Geschäftsführer Kay Kröger ließ nur verlauten, dass der Vorstand Anfang Januar bei seiner jährlichen Klausur das Thema beraten werde. Die Kreisvorsitzenden aus der Mecklenburgischen Seenplatte, Vorpommern-Rügen, Schwerin, Rostock, Südwestmecklenburg und Peene-Uecker-Ryck stehen einer Urwahl allesamt nicht abgeneigt gegenüber. "Ich bin grundsätzlich sehr für eine Urwahl, um das höchste Maß an Basisdemokratie zu erreichen", sagte beispielsweise der Rostocker Kreisvorsitzende, Wolfgang Methling. Wie er wiesen aber auch andere daraufhin, dass dazu eine Satzungsänderung nötig ist - die bei einem eigens einzuberufenden Sonderparteitag beschlossen werden müsste, um noch zur regulären Vorsitzendenwahl im kommenden November zu greifen. Vorpommern-Rügens Kreisvorsitzende Kerstin Kassner, sprach sich ebenfalls für die neue Wahlmethode aus: "Auch der Vorstand bei uns ist allgemein dafür", sagte sie. "Ich kann mir vorstellen, die Basis einzubeziehen", hieß es dann von der Linken-Chefin an der Mecklenburgischen Seenplatte, Elke Schönfelder, und Schwerins Kreischef Peter Brill sagte: "Man kann’s machen. Ich würde nicht dagegen sein." Im Kreisverband Südwestmecklenburg wird das Thema unter den Genossen laut Chef Marko Schmidt schon diskutiert: "Es gibt da durchaus unterschiedliche Meinungen." Er selbst halte "prinzipiell sehr viel von Mitgliederdemokratie", sehe aber auch, dass der Zeitpunkt für den nötigen Sonderparteitag ungünstig sei - genau zur Bundestagswahl. Rostocks Kreischef Methling forderte dann ein Quorum: "Mindestens die Hälfte aller Mitglieder müssten sich an einer Urwahl beteiligen." Und: Auch über eine Doppelspitze - Mann und Frau ähnlich wie auf Bundesebene - müsse für den Landesvorsitz nachgedacht werden.

Einzig Roy Rietentidt, Kreischef in Nordwestmecklenburg, und sein Amtskollege Frank Jegust aus dem Landkreis Rostock halten die Debatte zum gegenwärtigen Zeitpunkt für "Quatsch", so Rietentidt. Eben erst habe man eine neue Vorsitzende gewählt, der Bedarf sei nicht gegeben. Vieles, was von Ex-Ministerin Marianne Linke komme, sei "sehr populistisch". "Zu ihr fällt mir nur noch ein - Wasser predigen und Wein trinken."

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