zur Navigation springen

Prozess in Rostock : Urteil im VS-Prozess erwartet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Am Donnerstag soll sich entscheiden, ob ein Ex-Manager des Sozialverbandes ins Gefängnis muss oder nicht

svz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 21:00 Uhr

„Sozial engagieren, intelligent investieren“. Mit diesem flotten Slogan warb die „Volkssolidarität“ einst Anleger im Immobiliengeschäft. Das Unterfangen endete bekanntlich im Desaster. Vor allem für die Rentner, die im Glauben an einen Wohlfahrtsverband mit Fürsorgepflicht ihr Erspartes hergaben – und verloren.

Nun hoffen die Geprellten nur noch auf eines: „Gerechtigkeit“. So jedenfalls hatten Rentner geantwortet, wenn sie gefragt wurden, warum sie Verhandlungstag für Verhandlungstag den Prozess gegen Amandus K. im Rostocker Landgericht verfolgen. Ob ihre Erwartung erfüllt wird, soll sich heute zeigen. Der Vorsitzende Richter, Guido Lex, will nach einjährigem Prozessmarathon am Vormittag das Urteil verkünden.

Dann entscheidet sich, ob Amandus K. ins Gefängnis muss – wie es Staatsanwalt Holger Schütt in seinem Plädoyer gefordert hat. Oder ob er das Gericht als freier Mann verlässt, wie es sein Verteidiger für angemessen hält.

Rechtsanwalt Dietmar Rudloff hatte für den Vorwurf der Insolvenzverschleppung auf Freispruch plädiert. Im Falle der schwerwiegenden Betrugsvorwürfe hält er seinen Mandanten ebenfalls für unschuldig. Um das zu beweisen, hat er unzählige Beweisanträge gestellt. Das Gericht hielt die meisten für irrelevant.

Staatsanwalt Schütt ist überzeugt, dass der 64 Jahre alte Angeklagte maßgeblich dazu beigetragen hat, dass 1600 meist ältere Anleger um ihr Erspartes betrogen wurden. Sie hatten zum Teil fünfstellige Summen in zwei Immobilienfonds der Kreisverbände Mecklenburg Mitte und Bad Doberan/Rostock-Land gesteckt. In der Annahme, in soziale Einrichtungen wie Kitas oder Pflegeheime zu investieren oder auch, sich selbst einen Platz im Altenheim zu sichern.

K., promovierter Philosoph aus Schwerin, war sowohl Geschäftsführer des Kreisverbandes in Bad Doberan als auch eines der beiden Fonds. Er soll gewusst haben, dass die Fonds längst pleite sind – und trotzdem noch neue Anleger geworben haben. Für gewerbsmäßigen Betrug und Insolvenzverschleppung forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten.

Vor Gericht fallen 144 Fälle zwischen 2004 und 2005 ins Gewicht. Im Oktober 2005 gab K. seine Arbeit bei der Volkssolidarität  auf. Rund 1,1 Millionen Euro sollen in diesem gut einen Jahr in dem Schneeball-System versickert sein. Alle Taten vor 2004 sind verjährt. Insgesamt sind zwischen 2001 und 2009 den Ermittlungen nach noch viel mehr Gelder, rund 9,5 Millionen Euro, in den Sand gesetzt worden.

Auch das Geld von Karin Urbanek. Die Hoffnung, etwas von den 30 000 Euro wiederzusehen, die sie und ihr Mann einst „ihrer“ Volkssolidarität anvertrauten, hat die 71-Jährige längst aufgegeben.

Ihr Mann lebt nicht mehr und die letzte Verjährungsfrist für die Schadenersatzklage hat sie bewusst verstreichen lassen, weil sie die Aufregung nicht mehr aushält. Trotzdem verfolgte sie den Prozess genau. „Ein Schuld-Eingeständnis, wenigstens das“, wollte sie hören.

Amandus K. aber hat gut ein Jahr lang geschwiegen. Erst in seinem Schlusswort, das einem Angeklagten stets zusteht, hat er sich zu einer Erklärung durchgerungen. Es tue ihm leid, dass die Anleger ihr Geld verloren hätten, sagte er. Aber die Verantwortung dafür übernehme er nicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen