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„Fischbrötchen-Krieg“ : Urteil im Küsten-Krimi

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Haftstrafe und Teil-Freispruch im Prozess um „Fischbrötchen-Krieg“

Es ist der Plot für einen spannenden TV-Krimi mit Küstenkolorit: eine idyllische Kulisse mit kreischenden Möwen und dümpelnden Fischkuttern im Hafen, hinter der ein brutaler Kampf um Konzessionen für den Verkauf von Fischbrötchen tobt. Brandanschläge, Bombenalarm im Bauamt, Buttersäureangriffe und eine Schlag-stockattacke auf den Vize-OB – nichts bleibt aus.

Was sich ein Drehbuchautor nicht besser hätte ausdenken können, war möglicherweise 2012 in der Hansestadt Stralsund bittere Realität. Drei vorbestrafte Männer waren im Juni 2013 wegen Einschüchterungen und Gewalttaten im Zusammenhang mit der Vergabe von Konzessionen für den lukrativen Fischverkauf im Hafen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden – bis der BGH die Beweiswürdigung bemängelte und das Urteil aufhob.

Nun hat eine andere Kammer des Stralsunder Landgerichts zwei der drei Männer verurteilt. Ein 31-Jähriger muss für zwei Jahre und einen Monat in Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er im Juli 2012 Stralsunds Vize-Oberbürgermeister Heinz-Dieter Hartlieb mit einem Schlagstock angegriffen und verletzt hatte. Der 36 Jahre alte Hauptangeklagte wurde hingegen vom Vorwurf der Anstiftung zu dieser Tat aus Mangel an Beweisen freigesprochen. 

Die tatsächlichen Motive für die Taten blieben für die Kammer weitgehend im Dunkeln. „Es reicht nicht aus, dass man etwas weiß, man muss es beweisen können“, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Loose. Erwiesen ist hingegen für das Gericht, dass der Mann eine Bombenattrappe im Bauamt deponiert hatte. Das brachte ihm eine Freiheitsstrafe von neun Monaten ein. Damit verlängert sich seine Haftstrafe, die er wegen räuberischer Erpressung absitzt, auf drei Jahre und sechs Monate.

Die Ermittlungsbehörde war davon ausgegangen, dass die Bande deshalb zuschlug, weil der 36-Jährige mit 50  000 Euro Schulden beim Lebensgefährten einer Gastronomin in der Kreide stand, die ihr Geschäft im Fischbrötchen-Verkauf am Hafen ausbauen wollte. Die Verteidigung hielt das Motiv für konstruiert, die Kammer für nicht gesichert.

Zudem schwiegen die Angeklagten hartnäckig, begleiteten den Prozess höchstens mit süffisantem Bemerkungen und demonstrativ zur Schau gestelltem Desinteresse. Staatsanwalt und Verteidiger, allen voran Johannes Eisenberg, der im Berliner Edathy-Ausschuss erst kürzlich dem SPD-Abgeordneten Michael Hartmann zum Schweigen riet, lieferten sich ein wütendes Verbalduell.

Fakt ist, dass nach der Eröffnung des Ozeaneums die Stadt die Vergabe der begehrten Konzessionen im Hafen neu regelte. Insider hatten berichtet, dass durch den Verkauf von Fischbrötchen an diesem attraktiven Standort Jahreseinnahmen von bis zu 200 000 Euro erzielt wurden. Statt mehrjähriger Pachtverträge wurden 2012 die Konzessionen auf ein Jahr befristet. Zum Verhängnis wurde dem 36-Jährigen letztendlich dessen Oma. Die Seniorin hatte den Drohzettel auf der Bombenattrappe geschrieben, die mit 400 Gramm echtem TNT im Bauamt gelagert worden war und für Angst und Schrecken sorgte. Die Frau wurde für die Drohung „Hartlieb, du korruptes Schwein. Verpiss dich aus unserem Amt“ wegen Beihilfe verurteilt. Verteidiger und Staatsanwalt prüfen nun eine Revision.  

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