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Mecklenburg-Vorpommern

20. Oktober 2017 | 23:32 Uhr

Ursache für Brand Nr. 1 bleibt offen

vom

svz.de von
erstellt am 23.Okt.2012 | 06:40 Uhr

Schwerin | Die Flammen schlugen hoch hinauf in den schwarzen Nachthimmel. Ein Zeuge hatte gegen vier Uhr an jenem Sonntagmorgen merkwürdige, knallende Geräusche gehört - dann die brennende Bushalle gesehen - und die Feuerwehr alarmiert. Doch die konnte weder Gebäude noch "Inhalt" retten. Ein Drama, so schien es, vor allem für Familie M. aus Plauerhagen, die an diesem 13. Februar 2011 einen beachtlichen Teil ihres Besitzes in Schutt und Asche fallen sah: zwei Busse, einen Kleintransporter, ein Wohnmobil, ein Segelboot und ein Liebhaberstück des Seniorchefs - ein Mercedes-Oldtimer.

Damals dürfte kaum jemand geahnt haben, dass dieser Brand nur der erste einer ganzen Serie sein sollte. Eine Brandserie, die gut ein Jahr lang die Region um Plau und Parchim in Atem hielt - und die Ermittlungsgruppe "Bus" unter Druck setzte. Bis im Februar 2012 Michael M., Sohn des Seniorchefs und Mitinhaber des finanziell angeschlagenen Familienunternehmens, festgenommen werden konnte. Seitdem hat der Feuerteufel nicht mehr gezündelt.

Seit September muss sich der 40-Jährige gemeinsam mit einem 27 Jahre alten ehemaligen Mitarbeiter vor dem Landgericht Schwerin verantworten. Beide bestreiten, etwas mit den Bränden zu tun zu haben. Gestern nun gab ein Sachverständiger zu den Brandursachen Auskunft - zunächst ging es nur um den allerersten Brand, jenem vom 13. Februar 2011 auf dem Gelände der Fima M. in Plauerhagen.

Der Brandschutzingenieur Peter Saeland war noch am Brandtag auf das Gelände gerufen worden. Mehr als acht Stunden lang untersuchte er eigenen Angaben zufolge den Tatort. Sein Auftrag: Feststellen, ob ein technischer Defekt oder ein Feuerteufel den Brand ausgelöst hat. Am Ende der Untersuchung kam er zu einem klaren "Jein". Das wiederholte er auch gestern vor Gericht. Der erfahrene Gutachter hatte zwischenzeitlich zusätzlich einen Berliner Physiker um eine Stellungnahme gebeten. Dieser Experte kam zu dem gleichen Ergebnis. "Ich kann weder das eine noch das andere ausschließen.

Die Brandursache bleibt offen", zog Saeland gestern das Fazit für den ersten Brand. Wenn es ein technischer Defekt war, dann könne der nur vom Kleintransporter ausgegangen sein. Der sei kurz vor der Brandnacht in der Halle auf Anweisung "von oben" ohne ersichtlichen Grund noch einmal umgeparkt worden. Dies habe ihm jedenfalls einer der Mitarbeiter erzählt, sagt der Gutachter. Zudem habe er Spuren einer zerbrochenen Fensterscheibe gefunden. War sie eingeschlagen worden, damit der Feuerteufel einsteigen konnte? Auch diese Frage blieb gestern unbeantwortet.

Insgesamt hat es bis Januar 2012 fünfmal bei Busunternehmen der Region gebrannt. Dreimal bei der Firma M., zweimal bei einem Parchimer Konkurrenzunternehmen. Zudem war ein Dachstuhl im Mehrfamilienhaus des Seniorchefs im Juni 2011 in Flammen aufgegangen - was aber nicht Bestandteil der Anklage ist. Menschen wurden nie verletzt. Der Sachschaden wird auf drei Millionen Euro geschätzt. Zu den Ursachen der Brände zwei bis fünf wird der Sachverständige an weiteren Verhandlungstagen befragt. Der Prozess wird mindestens bis Ende November dauern.

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