zur Navigation springen

Barrierefreien Angebote : Urlaub mit Hindernissen

vom
Aus der Onlineredaktion

Unbeschwerte Ferien für Behinderte sind trotz vieler Verbesserungen noch keine Selbstverständlichkeit

So richtig zufrieden ist Jan Schiefer vom bundesweiten Projekt „Reisen für alle“ nicht, wenn er an die Urlaubsmöglichkeiten für Behinderte denkt. Es habe sich in den vergangenen Jahren zwar einiges verbessert, aber es fehle noch an vielen Stellen, um Menschen mit Handicap eine ähnlich einfache Urlaubsplanung und ein ebenso schönes Ferienerlebnis wie für Nicht-Behinderte bieten zu können, sagt Schiefer.

„Bei neuen Betrieben werden die Bedürfnisse von Behinderten schon miteingeplant“, sagt er. „Das heißt nicht, dass nicht noch viel zu tun ist.“ Früher habe es schon gereicht, eine Rampe für Rollifahrer zu errichten. „Das ist nicht mehr die Definition von barrierefrei.“ Behinderte müssten eigenständig die Dinge erleben und bewältigen können. Zur Reisemesse ITB ist nun die erste Imagebroschüre „Urlaub für alle“ in Mecklenburg-Vorpommern mit barrierefreien Angeboten aufgelegt worden.

Der Markt ist riesig und einer der wenigen Segmente mit Wachstum. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben in Deutschland mehr als zehn Millionen Menschen mit einer anerkannten Behinderung. Laut Reiseanalyse 2016 hatten rund 1,6 Millionen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen eine feste Reiseabsicht.

Eines der wenigen speziell auf Menschen mit Mobilitätseinschränkungen spezialisierten Häuser in Mecklenburg-Vorpommern ist das Rostocker Hotel Sportforum. Knapp 30 000 Gäste seien 2016 gezählt worden, rund sechs Prozent davon seien Behinderte gewesen, sagt Hotelchef Mathias Freiheit. Sein Haus, das knapp 30 Behinderte beschäftigt, biete den Gästen neben den entsprechenden Räumlichkeiten Hilfe bei Tagesangeboten und vermittele spezielle Stadtführungen oder Ausflüge beispielsweise nach Warnemünde. „Dort ist ein barrierefreier Strandzugang und die Möglichkeit, in der Ostsee baden zu gehen.“ 2016 wurde das Sportforum mit dem „Goldenen Rollstuhl“ ausgezeichnet.

Die Barrierefreiheit im Urlaub hat sich auch das Zentrum für Erlebnispädagogik und Umweltbildung in Ueckermünde auf die Fahnen geschrieben. Der Verein betreibt seit 2007 unter anderem einen hochseetauglichen Segler für Rollstuhlfahrer, die als Rolli-Segler bekannte „Wappen von Ueckermünde“. Der Tourismusverband zeigt auf seiner Homepage rund 30 Ausflugsziele, die den speziellen Bedürfnissen von Behinderten angepasst sind.

Unterstützung erhalten Behinderte bei der Planung von „Reisen für alle“. Erst im Februar wurde dort das Rostocker Hotel Steigenberger Sonne dafür ausgezeichnet, dass etwa die Hotelzimmer und Bäder komplett vermessen wurden und die Daten nun im Internet abrufbar sind.

Jan Schiefer von „Reisen für alle“ findet, dass noch viele Bedürfnisse von Behinderten nicht erfüllt sind. So gibt es kaum Wanderwege, bei denen die Beschilderung behindertengerecht ausgelegt ist - in Mecklenburg-Vorpommern gerade mal zwei. Auch werde in Info-Materialien oft eine schwer verständliche Sprache verwendet.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen