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Wohnungsunternehmen vermieten Gästewohnungen : Urlaub in der Platte

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Noch ist es ein Geheimtipp: Wohnungsunternehmen im Land vermieten Ferienunterkünfte für Familien zu erschwinglichen Preisen. Einziger möglicher Wermutstropfen: Es sind überwiegend Wohnungen "in der Platte".

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erstellt am 21.Apr.2013 | 10:22 Uhr

Schwerin/Rostock | Noch ist es ein Geheimtipp: Wohnungsunternehmen im Land vermieten Ferienunterkünfte für Familien zu erschwinglichen Preisen - modern, sauber, nicht weit entfernt von Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten. Einziger möglicher Wermutstropfen: Es sind überwiegend Wohnungen "in der Platte" - mitten im Mietwohnungsbestand der Unternehmen.

"Die meisten Gäste sehen das nicht als Nachteil an", weiß Liane Hercher vom Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) in Schwerin, die das Projekt "Urlaubswohnen in MV" koordiniert. Nur ganz selten hätten Interessenten abgesagt, nachdem sie erfahren hätten, wo das Quartier liegt.

"Unsere Gästewohnungsangebote werden vor allem von Sachsen, Thüringern und Berlinern gebucht", so Hercher. Sie seien zum Teil schon jahrelang treue Gäste im Nordosten - und sie seien überwiegend selbst Mieter, deshalb würde es sie auch nicht stören, inmitten eines Wohngebietes Urlaub zu machen. Die Zahl der "Wiederholungstäter", die schon bei der Abreise dasselbe Quartier wieder für das nächste Jahr buchten, sei jedenfalls groß - für die Wohnungswirtschaftlerin der beste Beleg dafür, dass das Konzept aufgeht.

Auch die Wohnungsbaugesellschaft Röbel hat bereits Stammgäste aus dem Südosten und Berlin, die die beiden Gästewohnungen des Unternehmens immer wieder buchen, so Geschäftsführer Martin Werner. In allererster Linie seien die Gästewohnungen allerdings für Besucher der Mieter gedacht, erläutert er. Leerstandszeiten überbrücke man aber gerne auch mit auswärtigen Urlaubern.

Ähnlich ist das Konzept der Wiro in Rostock, die insgesamt zwölf Gästewohnungen in den Stadteilen Evershagen und Lütten Klein unterhält. Bereits seit 2003 gebe es im Unternehmen "Quarantänewohnungen", die Mietern in Notlagen angeboten werden, so Wiro-Sprecherin Dagmar Horning. Das Angebot sei später auf die Gäste von Mietern ausgeweitet worden. Seit Jahren könnten die Wohnungen zudem auch von Urlaubern angemietet werden. Beschwerden von "regulären" Mietern über die Feriengäste in ihrem Mietshaus seien ihr nicht bekannt, so Dagmar Horning - bei jeweils sechs Wohnungen in einem Haus mit mehreren hundert Mietpartien fielen die Feriengäste einfach nicht weiter ins Gewicht.

Auch Liane Hercher vom VNW betont, dass Gästewohnungen natürlich nicht das Kerngeschäft der Unternehmen sind - dazu sei das Angebot viel zu begrenzt. 20 Wohnungsunternehmen aus dem Land bieten aktuell rund 100 Gästewohnungen an. "Diese Wohnungen dienen aber durchaus der Imageverbesserung" , weiß sie. Nach der Bundesgartenschau in Schwerin habe es sogar Urlauber gegeben, die anschließend ihren Wohnsitz komplett in eine Mietwohnung in der Landeshauptstadt verlegt hätten. Auch auf der Insel Rügen sei es schon gelungen, über die Gästewohnungen dauerhafte Mieter zu gewinnen. Ansonsten, so Liane Hercher, würden über die Angebote der Wohnungsunternehmen zusätzliche Gäste ins Land geholt: "Es sind Urlauber, die sich ein Hotelzimmer nicht leisten können - oder wollen. Trotzdem kaufen sie ja aber hier ein, gehen essen oder nutzen Freizeitangebote - sie bringen also zusätzliches Geld ins Land", versucht sie, Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Denn auch die gibt es - zum Beispiel beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Zwar seien zwei Gästewohnungen in Röbel oder zwölf in Rostock keine wirkliche Konkurrenz für die ortsansässigen Beherbergungsbetriebe, so Dehoga-Landesgeschäftsführer Matthias Dettmann. "Grundsätzlich ist das aber zu hinterfragen. Wenn kommunale Eigenbetriebe oder Unternehmen, die zum großen Teil in kommunaler Hand sind, wirtschaftliche Angebote unterbreiten, dann machen sie nicht nur den gewerblichen Anbietern Konkurrenz. Sie machen es auch unter verzerrten Wettbewerbsbedingungen, denn die kommunalen Betriebe werden ja aus den Gewerbesteuern der Unternehmen mitfinanziert."

Auch Tobias Woitendorf, Sprecher des Landestourismusverbandes, beobachtet das Geschäft mit den Gästewohnungen skeptisch: "Es ist das Geschäft von Wohnungsunternehmen, Einheimische zu beherbergen, und es ist das Geschäft von Tourismusunternehmen, Gäste aufzunehmen. Dabei soll es auch bleiben. " Solange an einem Ort nur einige wenige Gästewohnungen angeboten werden, sei dies sicher kein Problem. Wenn aber beispielsweise in Tourismuszentren kein bezahlbarer Wohnraum für Beschäftigte der Branche zur Verfügung steht, dann sollten die entsprechenden Mietwohnungen doch eher für diesen Personenkreis statt für Urlauber zur Verfügung gestellt werden.

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