Neue Fälle : Update: Amsel-Seuche erreicht Mecklenburg-Vorpommern

Aufgeplustert und apathisch: Diese Aufnahme von Naturschützern zeigt eine am Usutu-Virus erkrankte Amsel.
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Aufgeplustert und apathisch: Diese Aufnahme von Naturschützern zeigt eine am Usutu-Virus erkrankte Amsel.

Im Nordosten des Landes wurde der tödliche Usutu-Virus festgestellt.

svz.de von
11. September 2018, 11:58 Uhr

Nach dem ersten Nachweis des Usutu-Virus in Mecklenburg-Vorpommern sind am Dienstag Proben von drei weiteren toten Amseln zur Untersuchung ins Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems gekommen. Die Vögel seien zuvor im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (Lallf) auf Vogelgrippe getestet worden, teilte eine Sprecherin mit. Diese Tests seien negativ ausgefallen.

Bereits gestern war bekannt geworden, dass eine Amsel in der Nähe von Wismar an der Seuche verendet sei. „Wir erleben derzeit den bislang größten Ausbruch des Usutu-Virus' in Zentraleuropa“, sagte Renke Lühken, Ökologe beim Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. In dem Institut war der Vogel aus MV untersucht worden.

Der ursprünglich aus Südafrika stammende Erreger wird von Stechmücken übertragen. „Durch die hohen Temperaturen in diesem Sommer konnte sich das Virus in den Mücken noch besser vermehren“, erklärte Lühken. Knapp 9000 Fälle von erkrankten oder toten Vögeln, die mutmaßlich mit dem Usutu-Virus infiziert waren, sind dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in diesem Jahr bislang laut Bericht gemeldet worden. Zwei weitere verendete Amseln seien beim Veterinäramt Rostock abgegeben worden. Meist sind Amseln von dem Erreger befallen, in geringen Zahlen aber auch andere Arten wie Singdrosseln, Meisen oder Finken.

Das Usutu-Virus

+ Das ursprünglich aus Afrika stammende Usutu-Virus kann auch auf Menschen übertragen werden. Die Infektion erfolgt aber bislang nur durch die Stechmücken, die auch für die Erkrankung der Vögel verantwortlich sind. Im Falle einer Erkrankung zeigen sich folgende Symptome, die auch bei anderen Erkrankungen auftreten können: Fieber, Kopfschmerzen, Hautausschläge, seltener auch Gehirnhautentzündungen. Bislang wurden zwei Infektionen in Deutschland verzeichnet. Beide Fälle hatten sich in Deutschland infiziert, aber keine Symptome entwickelt.

+ Bislang ist nicht bekannt, dass sich Menschen über den direkten Kontakt mit toten oder lebenden infizierten Vögeln anstecken können. Dennoch sind Vorsichtsmaßnahmen geboten: Handschuhe oder eine Plastiktüte sollten beim Auflesen verstorbener Vögel zum Einsatz kommen. Intensives Händewaschen im Nachgang wird ausdrücklich empfohlen.

+ Vögel, vor allem Amseln, fungieren als Hauptwirt. Seit zwanzig Jahren kommt es immer wieder zu kleineren, wiederkehrenden Ausbrüchen der Erkrankung. In den Jahren 2011/12 und 2016/17 kam es in Folge der Infektion zum Massensterbenvon Amseln in Südwestdeutschland, sowie Nordwest- und Ostdeutschland. Außerdem waren Belgien und die Niederlande stark betroffen.

+ In diesem Jahr konnte bei 43 von 199 auf Usutu-Viren untersuchten Vögeln, also in 22 Prozent der Fälle, das Virus nachgewiesen werden.

+ Auch andere Säugetiere wie Pferde und Fledermäuse können sich theoretisch mit dem Usutu-Virus infizieren. Zum Krankheitsverlauf und Symptomen ist bislang aber nichts bekannt.

+ Tote Vögel sollten direkt an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in der Bernhard-Nocht-Straße 74, 20359 Hamburg, geschickt werden. Es wird um einen sehr zügigen Versand und eine sichere Verpackung mit Tiefkühlakkus, gepolstert und wasserdicht verpackt, gebeten. Außerdem werden Informationen zum Absender, dem Fundort und dem Funddatum benötigt. Auf dem Packet sollte der Schriftzug "Freigestellte veterinärmedizinische Probe" aufgebracht sein.

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