Unzufrieden mit der Reparatur

<strong>Nicht alle Werkstätten</strong> arbeiten tadellos. Im ADAC-Test 2011 erreichten  nur bei den Herstellern Ford, Mercedes, Opel, Renault, Seat und Skoda alle fünf getesteten Werkstätten die Note 'sehr gut'. Foto: ADAC
Nicht alle Werkstätten arbeiten tadellos. Im ADAC-Test 2011 erreichten nur bei den Herstellern Ford, Mercedes, Opel, Renault, Seat und Skoda alle fünf getesteten Werkstätten die Note "sehr gut". Foto: ADAC

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12. Juni 2012, 12:06 Uhr

Die Reparatur ist mangelhaft oder führt nicht zum Erfolg. Die Rechnung ist zu hoch. Ärger mit der Werkstatt gibt es immer wieder. Doch wie können sich Autobesitzer wehren? Worauf kommt es bei einer Auseinandersetzung mit der Werkstatt an? Ein Überblick:

Mangelhafte Reparatur

Ist eine Reparatur mangelhaft, kann der Kunde die Beseitigung des Mangels gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) verlangen. Ein Mangel ist nach § 633 BGB gegeben, wenn die Reparatur nicht die vereinbarte Beschaffenheit hat. Die Nacherfüllung dürfte dann durch einen erneuten Reparaturversuch erfolgen, erklären die Experten der Arag-Rechtsschutzversicherung. Die Kosten der Nacherfüllung, insbesondere die Transport- und Arbeitskosten, habe auf jeden Fall die Werkstatt zu tragen. Entsteht durch den Mangel ein weiterer Schaden am Fahrzeug des Kunden, könne dieser auch hierfür Ersatz verlangen.

Verweigert die Werkstatt die Nacherfüllung oder führt sie zweimal erfolglos durch, hat der Kunde weitere Rechte. Dann kann er nach § 637 BGB den Mangel selbst beseitigen oder durch eine andere Werkstatt beseitigen lassen und sich die Aufwendungen ersetzen lassen.

Unnötige Arbeiten

Schwierig wird es, wenn der Kunde davon ausgeht, dass die durchgeführten Arbeiten nicht erforderlich waren, um den Fehler zu beheben. Bedient sich der Kunde der Werkstatt nicht bloß zur Beseitigung eines Defekts, sondern zunächst zur Suche der Ursache, liegen zwei Aufträge vor. Geht die Werkstatt bei der Suche nach den anerkannten Regeln der Kraftfahrzeugtechnik und den Empfehlungen des Herstellers vor, kann sie anschließend hierfür auch die Vergütung verlangen (OLG Köln, Az.: DAR 1977, 156). Die Werkstatt hat dabei allerdings wirtschaftlich vorzugehen und darf nicht mit einer fernliegenden oder der teuersten Möglichkeit beginnen, so die Arag-Experten. Für den Kunden ergibt sich jedoch die Schwierigkeit, nachzuweisen, dass sich die Werkstatt gerade nicht an die anerkannten Regeln der Kraftfahrzeugtechnik gehalten hat. Er kann sich aber an die Schiedsstelle im deutschen Kfz-Gewerbe zur außergerichtlichen Klärung der Angelegenheit (kfz-schiedsstellen.de) wenden. Die Schiedsstelle solle man schriftlich und sofort nach Beginn der Meinungsverschiedenheit einschalten, rät der Automobilclub ADAC. Dem Schreiben sollten Ko pien der Auftragsbestätigung sowie der Rechnung und anderer Belege beigelegt werden. Streitigkeiten beim Neuwagenkauf werden von den Schiedsstellen jedoch nicht behandelt.

Sollte das Schlichtungsverfahren nicht zum Erfolg führen, könne der Kunde einen Sachverständigen hinzuziehen, so die Arag-Experten. Das Gutachten wäre für den Fall einer gerichtlichen Auseinandersetzung aber als Privatgutachten anzusehen, dem der Richter bei seiner Beweiswürdigung nicht unbedingt zu folgen braucht.

Zur rechtssicheren Feststellung der Erforderlichkeit der Arbeiten kann alternativ ein außergerichtliches Beweisverfahren durchgeführt werden. Wird allerdings festgestellt, dass die Werkstatt die Regeln eingehalten hat, wird der Kunde die Kosten des Sachverständigen und des außergerichtlichen Beweisverfahrens selbst tragen müssen.


Zu hohe Rechnung

Die Vergütung erfolgt nach den getroffenen Vereinbarungen. Wenn so eine Vereinbarung fehlt, fällt laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB) eine ortsübliche Vergütung an. Etwas anderes gilt nur bei anderslautender Vereinbarung.

Pauschalpreis: Einigen sich Werkstatt und Kunde auf einen Pauschalpreis, so ist eine Abweichung hiervon im Grunde nicht möglich. Ergeben sich bei der Durchführung der Arbeiten erhebliche Änderungen zu Ungunsten der Werkstatt, so kann diese eine Anpassung der Vergütung verlangen.

Kostenvoranschlag: Ist ein Kostenvoranschlag erstellt worden, richtet sich die Vergütung danach. Üblicherweise handelt es sich jedoch um einen unverbindlichen Kostenvoranschlag, bei dem sich die Werkstatt nicht auf die dargelegte Berechnung festlegen will. Dennoch kann die Werkstatt bei Rechnungsstellung nicht unbegrenzt von der zugrundeliegenden Berechnung des Kostenvoranschlages abweichen. Akzeptiert wird im Allgemeinen eine Abweichung von 10 bis 20 Prozent.

Vergütungspflicht: Ohne Auftrag durchgeführte Reparaturen kann die Werkstatt grundsätzlich nicht abrechnen. Der Kunde könnte dann gemäß BGB darauf bestehen, dass bei einem Teiletausch ein Rückbau durchgeführt wird. Ist dies aufgrund der Art der durchgeführten Arbeiten nicht möglich, kann hieraus eine Vergütungspflicht des Kunden entstehen. Die Höhe der Vergütung richtet sich dann nach der tatsächlichen Wertsteigerung und dem subjektiven Nutzen für den Kunden. Sind sicherheitsrelevante Teile betroffen, kann eher von einem Nutzen für den Kunden ausgegangen werden. Dies gilt allerdings nur, solange die Reparatur im Verhältnis zum Wert des Fahrzeugs steht.

Fälligkeit der Zahlung

Die Vergütung wird mit der Abnahme des Autos fällig. Der Kunde ist laut BGB verpflichtet, ein vertragsgemäß repariertes Auto abzunehmen. Wird für den Kunden bereits in der Werkstatt klar, dass der Vertrag nicht erfüllt wurde, so muss er die Rechnung nicht begleichen. Auch nach der Abnahme kann der Kunde bei einer noch ausstehenden Beseitigung eines Mangels die Zahlung eines angemessenen Teils der Vergütung zurückhalten - mindestens in Höhe der doppelten für die Beseitigung des Mangels erforderlichen Kosten, besagt § 641 Abs. 3 BGB.

Probleme ergeben sich, wenn die Werkstatt Positionen in Rechnung stellt, die der Kunde nicht zahlen will. Zahlt er nicht, kann die Werkstatt das Fahrzeug so lange zurückhalten, bis die Rechnung vollständig beglichen ist. Der Kunde hat dann zwei Möglichkeiten. Entweder er streitet sich mit der Werkstatt über die Positionen und nimmt in Kauf, dass er das Fahrzeug erst nach Klärung und Zahlung erhält. Oder er zahlt zunächst - unter Vorbehalt und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht - und erhält sein Fahrzeug, muss sich dann aber mit der Werkstatt über die aus seiner Sicht erfolgte Überzahlung auseinandersetzen.

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