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Video: Unwetterwarnung für MV : Unwetter lässt Böschung rutschen - A14 gesperrt

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Auch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind vom heftigen Dauerregen betroffen. Eben meldet die Polizei die Vollsperrung der A14 im Norden Brandenburgs. Hier rutschten die Böschungen auf die Fahrbahn.

svz.de von
erstellt am 30.Jun.2017 | 07:34 Uhr

Land unter in Norddeutschland. Größere Schäden und Überschwemmungen wie in Berlin meldeten Polizei und Rettungsstellen bis Freitagmittag nicht, obwohl örtlich binnen 24 Stunden mehr als doppelt so viel Wasser vom Himmel stürzte wie normalerweise im ganzen Juni. Das traf nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia zum Beispiel auf Marnitz im Landkreis Ludwigslust-Parchim mit 125 Litern Regen je Quadratmeter zu. In Klink an der Müritz wurden 114 Liter gemessen, in Kargow-Schwarzenhof im Müritz-Nationalpark 96 Liter und in Grabow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) 93 Liter je Quadratmeter.

Die Rettungsleitstelle für Westmecklenburg meldete 65 wetterbedingte Einsätze von Donnerstagmittag bis Freitagmittag. Bäume seien durch den Regen auf Straßen gestürzt und Wasser sei in Keller eingedrungen, sagte ein Sprecher. Die Polizeipräsidien Rostock und Neubrandenburg meldeten keine größeren Zwischenfälle. „Wir sind ganz weit entfernt von Berliner Verhältnissen“, sagte ein Sprecher. Auf der A20 ereigneten sich in der Region Wismar zwei Aquaplaning-Unfälle. Beide Crashs gingen für die Insassen glimpflich aus - es blieb bei Blechschäden, wie die Polizei mitteilte. Aus den Regionen Hagenow und Güstrow sind keine markanten Schäden bekannt.

 

Aktuell gilt für Teile Mecklenburg-Vorpommerns weiterhin eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes wegen ergiebigen Dauerregens. Der Regen sollte noch bis in die Nacht zu Samstag anhalten. Auch danach bleibe das Wetter wechselhaft, sagte der Meteomedia-Meteorologe Stefan Kreibohm.

Der Starkregen hat in Mecklenburg-Vorpommern einige Open-Air-Veranstaltungen beeinträchtigt. In Wolgast musste am Donnerstagabend die Premiere der Schlossinselfestspiele abgebrochen werden. In Heringsdorf auf der Insel Usedom wurde die Aufführung im Chapeau Rouge unterbrochen. Bei der Aufführung des Stückes „In Sachen Adam & Eva“ in Wolgast hätten die Wassermassen durch den wolkenbruchartigen Regen Technik und Schauspieler gefährdet, begründete eine Sprecherin den Abbruch der Premiere. Karten könnten umgetauscht werden. Die Störtebeker-Festspiele auf der Insel Rügen fanden hingegen wie geplant statt. In Greifswald werden die Veranstaltungen der Eldenaer Jazz Evenings am Wochenende von der Klosterruine Eldena in die benachbarte Klosterscheune verlegt, wie eine Sprecherin sagte. Die Premiere der Schlossfestspiele am Freitagabend fand wie geplant statt.

Anhaltender Regen hat den Organisatoren des Gadebuscher Münzfestes einen Strich durch die Rechnung gemacht. So sind das für Freitagabend geplante Burgseekonzert und das anschließende Feuerwerk abgesagt worden. Beides soll am Sonnabend nachgeholt werden. Das teilte Matthias Maack vom Organisationsteam mit. Nach seinen Angaben beginnt das Burgseekonzert am Sonnabend um 21.30 Uhr und das Höhenfeuerwerk um 22.45 Uhr. „Die Entscheidung, beide Programmpunkte zu verschieben, haben wir zusammen mit dem Bürgermeister der Stadt Gadebusch getroffen.“, so Maack.

Die für heute geplante Port-Party für die Kreuzfahrtschiffe „Costa Favolosa“ und „Marina“ in Warnemünde wurde abgesagt!

 

<p>Der Parkplatz des Ludwigsluster Penny-Marktes stand teilweise unter Wasser.</p>

Der Parkplatz des Ludwigsluster Penny-Marktes stand teilweise unter Wasser.

Foto: mick
 

Land unter heute Morgen kurz nach 6 Uhr im Penny-Markt in Ludwigslust: Die Rampe zum Wareneingang stand infolge  des starken Regens unter Wasser, das Lager drohte vollzulaufen. Zehn  Einsatzkräfte der  Feuerwehr Ludwigslust mussten das Areal leerpumpen, so Gemeindewehrführer Bodo Thees. Auch ein Teil des Parkplatzes neben dem Eingang stand unter Wasser. Einen umgestürzten Baum mussten Kameraden der Wöbbeliner Wehr auf der LO7 in Höhe der Mahn- und Gedenkstätte  von der Straße räumen.

<p>Feuerwehren der Region im Dauerstress. Volle Kellerräume in Mestlin, umgestürzte Bäume</p>

Feuerwehren der Region im Dauerstress. Volle Kellerräume in Mestlin, umgestürzte Bäume

Foto: Michael-Günther Bölsche
 

Gegen 23.20 Uhr heulen in Mestlin die Sirenen und die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr werden zu einem vollgelaufenen Keller in die Lindenstraße gerufen. Monika Neumann lebt hier und ist verständlicherweise etwas aufgeregt, scheint das Wasser doch noch immer zu steigen. Mit zwei Pumpen wird das Wasser aus dem Gebäude auf die nahe Wiese gepumpt, „doch vorne raus gepumpt und hinten lief es wieder rein“, erzählt der Wehrleiter Denis Schirmer. In der Parchimer Straße, Höhe der Einmündung zur Lindenstraße wurde der Regenwasserkanalschacht und der Schmutzwasserkanalschacht geöffnet. Während der Regenwasserkanal normal gefüllt war, war der Schmutzwasserkanal übervoll. „Hier haben wir zur Entlastung das Wasser raus gepumpt auf eine nahe Wiese“, so Schirmer. Nach rund drei Stunden war dieser Einsatz beendet. Gegen 5.40 Uhr rief die Sirene die Mestliner erneut in die Lindenstraße. Wieder war der gleiche Keller voll, „sogar der Kühlschrank schwimmt jetzt“, erzählt Monika Neumann. Wieder das gleiche Procedere wie bereits in der Nacht.

Wie ist das möglich? Mestlin hat doch in den Jahren 2010/2011 neue und getrennte Leitungen erhalten. Auf Nachfrage beim Wasser- und Abwasserzweckverband sagt Lothar Brockmann, dass im Schmutzwasserkanal eigentlich kein Regenwasser sein dürfte. Zwei Phänomenen könnten die Ursache sein. „Einmal könnte so viel Wasser gekommen sein, dass es die Gullys nicht schafften und so das Wasser auf der Straße in den anderen Kanal läuft. Immerhin waren es im Verbandsgebiet rund 80 Liter im Durchschnitt je Quadratmeter“, sagt Brockmann. Dann aber hätte der Regenkanal auch voll sein müssen und das war nicht der Fall. „Entweder ist irgendwo etwas falsch geklemmt oder aber es wurde irgendwo von irgendwem Regenwasser in den Schmutzwasserkanal eingeleitet – und das wäre eine Straftat, die wir im Falle der Fälle auch ahnden“, so Brockmann weiter. In den nächsten Monaten werden auch unangemeldet wieder Nebelaktionen starten, bei denen dann festgestellt wird, wo fehlerhafte Einleitungen sind, auch eine Kamerafahrt in den Leitungen soll mögliche Fehler aufspüren.

Nicht nur in Mestlin waren die Kameraden aktiv. Auch in anderen Orten unserer Region wurden die Wehren alarmiert. Meist waren es wie in Kuppentin, Groß Godems und Dabel Bäume, die ihren Halt im nassen, aufgeweichten Boden verloren hatten, und auf die Straßen fielen oder große Äste, die von den Fahrbahnen zu räumen waren. Wasserschäden durch den Dauerregen waren auch in Spornitz und in Welzin  gemeldet und ein Teich lief in Benzin über.

Der Dauerregen der vergangenen Tage hat im Abwassersystem der Stadt Schwerin nur wenige Probleme gemacht. „Nachdem es in der Nacht stark geregnet hatte ist schon morgens um 6 Uhr der Überlauf in das Krebsbachtal angesprungen“, sagte Britta Dumke von der Wasserversorgungs- und -abwasserentsorgungsgesellschaft (WAG). Dieser Überlauf sei aber genehmigt und für die Umwelt unproblematisch, weil das Abwasser sehr stark verdünnt sei.  Auch auf den Straßen lief es weitgehend reibungslos. „Uns wurden acht Gullys gemeldet, die verstopft waren“, so Dumke. Natürlich seien aber alle unterirdischen Speicher randvoll. „Unser Glück ist, dass sich die Regenmenge über einen relativ langen Zeitraum verteilt.“  Während beim Starkregen vor einigen Tagen 40 000 Kubikmeter Regenwasser abzuleiten waren und damit das Doppelte der „normalen“ Menge  abgeleitet werden musste, waren es bis heute Mittag bereits 80 000 Kubikmeter. Keine Probleme hatte der Wasser- und Bodenverband, „Die automatischen Wehre haben sehr gut funktioniert“, so Geschäftsführer  Mark Sierks.

Der anhaltende Dauerregen bringt die Seen in Mecklenburg-Vorpommern an ihre Aufnahmegrenzen. Der Schweriner See, der Tollensesee sowie die Mecklenburger Oberseen wie Müritz, Kölpinsee, Fleesensee und Plauer See haben ihre oberen Stauziele fast erreicht, wie Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Freitag in Schwerin mitteilte. Sollte es weiter stark regnen, könnten lokale Probleme nicht ausgeschlossen werden. An den Flüssen gebe es bislang keinen Grund zur Beunruhigung. Die Lage an der Elbe sei unkritisch, ein Hochwasser sei dort nicht zu erwarten. Die Pegel der übrigen Fließgewässer wiesen eine steigende Tendenz auf, kleine Bäche führten auch schon Hochwasser. „Aber in den größeren Gewässern wie Warnow, Recknitz, Trebel und Tollense werden zur Zeit mittlere Durchflüsse registriert“, so Backhaus. „Diese Gewässer dürfte erst Sonntag und Montag eine Hochwasserwelle durchlaufen.“ Die Hochwasserschutzanlagen des Landes mussten nach seinen Worten bisher nicht in Betrieb gehen. „Sie sind aber überall funktionsbereit“, betonte der Minister. Backhaus rechnet aufgrund der Vorhersagen von Meteorologen landesweit mit einer Verschärfung der Lage. Wachsamkeit sei geboten.

In der Prignitz herrscht Hochwasser an Stepenitz und Dömitz, die Alarmstufe II ist punktuell überschritten. Die Pegel steigen um rund 7 Zentimeter pro Stunde. Zudem musste die A 14 voll gesperrt werden. Teile der Böschung waren abgerutscht.

 

Der anhaltende Dauerregen bringt die Seen in Mecklenburg-Vorpommern an ihre Aufnahmegrenzen. Der Schweriner See, der Tollensesee sowie die Mecklenburger Oberseen wie Müritz, Kölpinsee, Fleesensee und Plauer See haben ihre oberen Stauziele fast erreicht, wie Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Freitag in Schwerin mitteilte. Sollte es weiter stark regnen, könnten lokale Probleme nicht ausgeschlossen werden.

An den Flüssen gebe es bislang keinen Grund zur Beunruhigung. Die Lage an der Elbe sei unkritisch, ein Hochwasser sei dort nicht zu erwarten. Die Pegel der übrigen Fließgewässer wiesen eine steigende Tendenz auf, kleine Bäche führten auch schon Hochwasser. „Aber in den größeren Gewässern wie Warnow, Recknitz, Trebel und Tollense werden zur Zeit mittlere Durchflüsse registriert“, so Backhaus. „Diese Gewässer dürfte erst Sonntag und Montag eine Hochwasserwelle durchlaufen.“ Die Hochwasserschutzanlagen des Landes mussten nach seinen Worten bisher nicht in Betrieb gehen. „Sie sind aber überall funktionsbereit“, betonte der Minister. Backhaus rechnet aufgrund der Vorhersagen von Meteorologen landesweit mit einer Verschärfung der Lage. Wachsamkeit sei geboten.

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