Video und Bildergalerie : Unwetter in MV: 19115 Blitze und ganz viel Regen

Das Unwetter brachte in MV innerhalb einer Stunde die halbe Regenmenge eines Monats. Selbst Wetterprofis sind beeindruckt.

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23. Juni 2017, 20:45 Uhr

Das heftige Unwetter in Mecklenburg-Vorpommern hat in einigen Regionen zu Überschwemmungen geführt. So ging in Groß Lüsewitz östlich von Rostock innerhalb von 24 Stunden 52,3 Liter Regen pro Quadratmeter nieder, wie Uwe Ulbrich vom Wetterdienst Meteomedia heute sagte.

„Das ist mehr als die statistische Monatssumme.“ Die höchste einstündige Regenmenge wurde in Heiligendamm in der Zeit von 2 bis 3 Uhr gestern mit 25,5 Liter pro Quadratmeter gemessen. „Damit ist innerhalb von 60 Minuten die halbe durchschnittliche Regenmenge eines Monats gefallen.“ Für das Grand Hotel im Ostseebad stellten die Wassermengen jedoch kein Problem dar. „Es gibt keine Schäden“, sagte Hotelsprecherin Dorit Wehmeyer.

Der starke Regen ließ in Rostock Unterführungen volllaufen. Am härtesten traf es den Goetheplatz, wo die Straße und die Straßenbahnschienen überflutet waren. Straßenbahnen und Busse mussten umgeleitet werden, es kam zu erheblichen Behinderungen und Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr. Auch in Keller war Wasser gelaufen, berichtete die Polizei. Rettungskräfte waren auch in Schwerin im Einsatz, sie mussten umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste beseitigen.

Das Gewitter war auch für Wetterprofis wie Uwe Ulbrich erstaunlich. Über dem Himmel von MV wurden am Donnerstagabend zwischen 20 und 21 Uhr genau 19 115 Blitze gezählt. „Das war ein extrem intensives Gewitter.“

Bundesweit waren Einsatzkräfte gestern mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Wegen der Sturmschäden hatten Reisende auf einigen Strecken mit Verspätungen zu kämpfen. So war die ICE-Strecke von Berlin nach Düsseldorf und Köln den halben Tag dicht – bei Gütersloh hatte Sturmtief „Paul“ die Oberleitung abgerissen. In Berlin wurde gestern ein Flüchtlingsheim mit 200 Bewohnern geräumt, weil ein Blitz in ein Nachbargebäude eingeschlagen war. Die Rockband Guns N' Roses musste in Hannover ein Konzert unterbrechen. Rund 70 000 Fans wurden in einer Messehalle untergebracht. An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld mussten etwa 2400 Menschen übernachten.

Die gute Nachricht: Am Wochenende wird es schön.

Expertenmeinung: Ist das noch normal?

Mit Professor Mojib Latif, Klimaforscher am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung und der Universität Kiel  sprach Andreas Herholz über das Unwetter.

Sind das noch normale Sommergewitter oder Folgen des Klimawandels?

Latif: Gewitter und Tornados sind normal. Allerdings scheinen sich solche Wetterereignisse stark zu häufen. Es fehlen aber genaue Daten und  Messungen der Niederschläge. Wir sehen einen Zusammenhang zwischen steigenden Temperaturen und den stärksten Ereignissen. In Zukunft werden wir mit mehr Tornados und einer höheren Zahl von außergewöhnlichem Wetter rechnen. Die Zahl der Gewitter wird im Zuge der Erderwärmung deutlich zunehmen.  Seit 1881 ist die durchschnittliche Temperatur in Deutschland um 1,4 Grad angestiegen.

Wie können wir uns darauf vorbereiten?

Wir müssen in Deutschland lernen, besser mit Extremwetter umzugehen, damit zu leben und uns anzupassen. Man wird nie genau vorhersagen können, wo die Tornados auftreten werden. Aber man kann vor der Gefahr in bestimmten Regionen warnen. Auf der einen Seite werden die Sommer tendenziell trockener in Deutschland. Auf der anderen Seite wird es aber auch mehr sintflutartige Niederschläge geben. Bei Temperaturen ab 37 Grad wird es kritisch für den menschlichen Körper.

Nach der Wende von Donald Trump herrscht plötzlich wieder Ungewissheit über das Pariser Klimaabkommen. Welche Folgen drohen hier?

 Natürlich sollte man versuchen, Amerika wieder mit ins Boot zu holen. Trump ist nicht Amerika. Es gibt in den USA verschiedenste Klimaschutzabkommen von Bundesstaaten und Unternehmen. Das kann auch der amerikanische Präsident nicht mehr aufhalten. Der Lackmustest kommt beim G20-Gipfel in Hamburg. Dann wird sich zeigen, ob es zumindest eine gemeinsame Erklärungung zum Klimaschutz der anderen 19 Staaten geben wird.

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