ARD-Intendanten tagen in Schwerin : Unverwechselbar wie der Mehmet

<strong>Die ARD-Intendanten</strong> verteidigten gestern ihren EM-Experten Mehmet Scholl (l.) gegen Kritik. Auch Reinhold Beckmann war ein Thema. <foto>Foto: dpa</foto>
Die ARD-Intendanten verteidigten gestern ihren EM-Experten Mehmet Scholl (l.) gegen Kritik. Auch Reinhold Beckmann war ein Thema. Foto: dpa

In den Rat der "ARD-Götter" kommt immer Leben, wenn er seine Personalentscheidungen verteidigen muss. So auch am Dienstag, als die ARD-Intendanten nach ihren Beratungen im Schweriner NDR-Funkhaus vor die Presse treten.

svz.de von
26. Juni 2012, 06:44 Uhr

Schwerin | In den Rat der mächtigen "ARD-Götter" kommt immer dann etwas Leben, wenn er seine Personalentscheidungen kommentieren oder gar verteidigen muss. So auch am Dienstag, als die Intendanten der ARD nach ihren zweitägigen, turnusmäßigen Beratungen im Schweriner NDR-Funkhaus vor die Presse treten.

Ja, man sei sehr zufrieden mit Mehmet Scholl als ARD-Fußballexperte bei der EM. Genau so ein meinungsfreudiger und streitbarer Kommentator sei gewollt gewesen, lobt ARD-Programmdirektor Volker Herres. Scholl hatte vor allem mit einem Rüffel für den Stürmer Mario Gomez für Diskussionen gesorgt. Nach dem 1:0-Auftaktsieg der Deutschen gegen Portugal hatte Scholl gewitzelt: "Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss."

Herres freut sich darüber hinaus natürlich über Traumeinschaltquoten von durchschnittlich 48 Prozent pro EM-Spiel. Von den 74 Prozent Marktanteil im Spiel Deutschland-Dänemark ganz zu schweigen. Solche sportlichen Großevents seien "Sternstunden des Fernsehens". Und die erhoffe man sich nun auch von den Olympischen Spielen in London. Gleich nach dem EM-Finale reisen Technikcrews der ARD weiter nach London, um von dort wieder gemeinsam mit dem ZDF zu berichten.

So wie Kommentator Mehmet Scholl ein Typ sei, wolle man auch im Programm unverwechselbar sein, so Programmdirektor Herres und kündigt für die Sommermonate große, aufwändig produzierte Dokumentarfilme und Doku-Dramas an.

Direkt nach dem unverwüstlichen "Tatort" erzählt das Doku-Drama "Vom Traum zum Terror - München 72" (22. Juli) die tragischen Ereignisse aus der Sicht und Gefühlslage von Sportlern, Funktionären, Polizisten und Politikern, die diese Stunden damals selbst miterlebt haben. Durch bisher unveröffentlichte Filmaufnahmen der israelischen Olympiamannschaft und private Bilder von Besuchern der Spiele entstehe ein beklemmend authentisches Bild des Geschehens, so Herres.

Am 5. August zeigt das Doku-Drama "Konrad Adenauer - Stunden der Entscheidung" den ersten Kanzler der Bundesrepublik auch als Patriarchen und Politiker alten Schlages, der mehr und mehr zu einer unzeitgemäßen Persönlichkeit wird.

Im Sommer setzt die ARD die Staffel "Excluciv im Ersten" mit aktuellen, intensiv recherchierten Themen fort. Es geht u. a. um die "Bio-Lügen", um "Die Nein-Sager" ("Wie Versicherungen ihre Kunden abzocken"), um die "unheimliche Macht der Lobbyisten", umBanken, die mit "Schrottimmobilien Kasse machen" und um einen "Selbstversuch mit Rückkehrrecht" - "Vier Wochen Asyl".

Um nun endlich mit prominenten Namen fortzufahren: Gleichfalls im Sommer werden in der ARD-Reihe "Deutschland deine Künstler" herausragende Schauspieler wie Hannelore Elsner oder Matthias Brandt und Musiker wie Till Brönner und Christian Thielemann in großen TV-Porträts vorgestellt. Auch das "Sommerkino im Ersten" wartet mit Stars wie Kate Winslet in "Der Vorleser" oder Moritz Bleibtreu in Fatih Akins Film "Soul Kitchen" auf.

Nicht weniger exklusiv, wenn auch mit weniger Einschaltquoten, verspricht das 4. ARD Radiofestival zu werden, das vom 14. Juli bis zum 8. September acht Wochen lang Konzerthöhepunkte von deutschen und europäischen Klassikfestivals überträgt. Auch für Jazzfreunde gibt es dann eine tägliche Sendung.

Auf die Chance für einen Jugendkanal angesprochen, kontert ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin Monika Piel, es werde, wenn überhaupt, über einen "jungen Kanal" nachgedacht, um das junge Fernsehpublikum nicht den Privatsendern zu überlassen. Denkbar wäre, einem ARD-Digitalsender ein neues Profil zu geben. Schon für Juli sei ein Treffen mit den Ministerpräsidenten von Sachsen und Rheinland-Pfalz, Stanislaw Tillich (CDU) und Kurt Beck (SPD) geplant, um über die Zukunft der bislang nur digital ausgestrahlten ARD-Programme zu beraten.

Kritik an den ARD-Talkshows will Programmdirektor Herres nicht gelten lassen. Die Zuschauer nähmen die "sehr vielfältigen Gesprächssendungen" gut an, Kritik käme vor allem von den Medien. Immerhin gesteht er ein, dass Reinhold Beckmanns Sendung einen schwierigen Sendeplatz habe. Sie auf einen anderen Tag zu verlegen, sei im Moment nicht vorgesehen. Im Übrigen würden diese "herausragenden Formate" immer sehr von der Intendantenrunde beobachtet und intern auch mal im Geheimen äußerst kritisch analysiert.

Programmdirektor Herres will auch Thomas Gottschalk nach seinem Aus in der ARD und dem Neustart als RTL-"Superstar"-Juror im Auge behalten, "ob man dann dort Buntstifte am Geschmack erkennen" wird.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen