Keimzeit Akustik Quintett : Unverwechselbar etwas anders

Hartmut und Norbert Leisegang, Gabriele Kienast, Martin Weigel und Christian Schwechheimer (v.l.) Foto: Reinhard Klawitter
Hartmut und Norbert Leisegang, Gabriele Kienast, Martin Weigel und Christian Schwechheimer (v.l.) Foto: Reinhard Klawitter

Das Keimzeit Akustik Quintett präsentierte am Mittwoch in Schwerin sein aktuelles Album "Midtsommer", mit dem die Band um Norbert Leisegang in den kommenden Monaten auch im Norden unterwegs sein wird.

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30. Mai 2013, 05:54 Uhr

Schwerin | Wie bleibt eine Band wie Keimzeit auch nach über 30 Jahren jung? Vielleicht, indem ein großes Kind Kopf und Sänger dieser Gruppe ist. Jemand, dessen jungenhaftes Strahlen bei jedem Konzert aufs Neue zu bezaubern vermag. Der magische Texte schreibt, die immer ein wenig neben der Spur des Alltäglichen liegen, die verrückt sind, poetisch und oft auch kindlich-wahrhaftig die Welt abbilden. Und indem diese Band noch immer bereit ist, sich neben der eigentlichen Keimzeit-Arbeit kleineren Projekten zu widmen.

So ein Keimzeit-Ableger war am Mittwochabend bei einem der nun schon traditionellen, intimen NDR-Funkhauskonzerte in Schwerin zu erleben. Das Keimzeit Akustik Quintett präsentierte sein aktuelles Album "Midtsommer", mit dem die Band um Norbert Leisegang in den kommenden Monaten auch im Norden unterwegs sein wird.

Das Album entstand tatsächlich - darum der Titel - vor einem Jahr zur Mittsommerzeit in einem Studio auf einer kleinen norwegischen Insel und das Quintett selbst mehr durch Zufall, als Keimzeit bei einem Polterabend spielen sollte, aber nicht alle Musiker der großen Truppe Zeit hatten. So gesellten sich zu den beiden Leisegang-Brüdern, Norbert und Hartmut, die Geigerin Gabriele Kienast, Christian Schwechheimer an den Percussion-Ins-trumenten und der Gitarrist und Sänger Martin Weigel, der inzwischen festes Mitglied der Band ist.

Gabriele Kienast kommt aus Wismar, wo sie mit sieben Jahren die Geige für sich entdeckte, später das Konservatorium in Schwerin besuchte und nach dem Abitur an der Hochschule für Musik und Theater Rostock Violine und Instrumentalpädagogik studierte.

Die 13 Titel des "Midtsommer"-Albums nun enthalten neben Keimzeit-Hits auch neue Lieder sowie Filmmusik-Klassiker und Chansons wie "La mer" oder "Je Ne Veux Pas Travailler" von Edith Piaf.

Gleich der erste Titel dieses Konzertes - "Picassos Tauben" - dürfte zu einem dieser typischen Keimzeit-Klassiker avancieren, ein Text voller schöner und trauriger Bilder. Kaum jemand vermag eben einen Torero so wirkungsvoll sterben zu lassen wie Leisegang. Oder von Schildkröten zu singen, die uns das Tanzen beibringen - "in aller Gemütlichkeit" wie im Song "22".

Gerade bei den Klassikern auf dem neuen Album wie "Breit", "Singapur", "Trauriges Kind" oder "Amsterdam" ist der Unterschied zwischen der eigentlichen Band und dem Keimzeit Akustik Quintett unüberhörbar. Nicht nur, dass Gabriele Kienasts Stimme und Geigenspiel in schönem Kontrast zum Gesang Norbert Leisegangs stehen, auch die veränderte Instrumentierung mit Banjo und Mandoline oder die Wahl anderer Tempi lassen die altvertrauten Lieder wieder neu und frisch wirken. Und hin und wieder scheint dort oben auf der Bühne dann auch ein jazziges Swingorchester zu stehen. Zwar klingt bei einem herkömmlichen Keimzeit-Konzert bei aller Fröhlichkeit auch immer etwas Melancholisches mit. Das Akustik Quintett fügt dem aber noch eine elegische Note mehr hinzu. Wie soll es auch anders sein, wenn sich Schmetterlinge bunt verkleiden und im Untergrund tanzen und dazu eine Geige weint?

Eines versprach Norbert Leisegang an diesem Abend dann auch noch: Keimzeit, wie wir sie kennen, gibt es weiterhin und wird es noch lange geben.

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