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Hansa-Fan vor Gericht : Unterschiedliche Weltsichten von „Fans“ und Polizei

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

von
erstellt am 09.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Als Fußball-Drittligist Hansa Rostock im vergangenen November auf Dynamo Dresden traf, habe eine „äußerst aggressive Stimmung“ zwischen den Fan-Gruppen der beiden Mannschaften und gegenüber der Polizei geherrscht. „Mit einem Fußballspiel hatte das nichts mehr zu tun“, sagte gestern ein Polizist vor dem Landgericht Rostock. Zum ersten Mal habe er derart massive Angriffe auf Polizisten im Stadion und nicht nur auf der Straße erlebt. Dabei war einer seiner Kollegen von einem Stein getroffen worden. Darum muss sich seit Juni ein 32-jähriger Rostocker wegen versuchten Totschlags verantworten.

Die Staatsanwaltschaft glaubt, ihn trotz Vermummung vor allem mit Hilfe zahlreicher Videos als Täter identifiziert zu haben. Außerdem soll der jetzt Angeklagte beim Spiel zwischen Hansa und Leipzig im April vergangenen Jahres ebenfalls randaliert haben.

Der während des Spiels im Bereich des Stadions eingesetzte Polizist zeigte sich sicher, dass auf drei verschiedenen Videos jeweils derselbe Steine-Werfer zu sehen ist, den er „live“ während seines Einsatzes beobachtet habe. Durch ein viertes Video stellt die Staatsanwaltschaft die Verbindung zum Angeklagten her, der darauf zu erkennen ist. Allein anhand der sowieso oft ähnlichen Kleidung des harten Kerns der Hansa-Rostock-Fans kann allerdings nicht vom Angeklagten auf den Steine-Werfer geschlossen werden. Der Polizist räumte ein, dass gerade gewaltbereite sogenannte Fans die Jacken untereinander tauschen oder sich schwarze Socken über die Turnschuhe ziehen, um von der Polizei nicht ermittelt werden zu können.

Durch einen weiteren Zeugen wurde unterdessen deutlich, welch unterschiedliche Weltsichten in diesem Prozess aufeinander prallen – hier die der „Fans“ und dort die der Polizei. Der langjährige Hansa-Fan berichtet regelmäßig über seine Fußball-Erlebnisse in seinem Internet-Blog. Während des Spiels zwischen Hansa und Dresden hatte er Videos gedreht.

Zwar konnte er zu den mutmaßlichen Taten des Angeklagten keine Details beitragen. Er schilderte jedoch, dass aus Sicht der „Fans“ die Polizei oft unverhältnismäßig reagiere. Sie würden gegängelt, geschubst und auch mal geschlagen. Und im „Wohnzimmer der Fans“, wie er die Südtribüne im Ostsee-Stadion nannte, hätte die Polizei nichts zu suchen. Allein ihr Erscheinen würde dort „als Provokation“ betrachtet. Hinter der Südtribüne hatten Hansa-Anhänger am Rande des Leipzig-Spiels die Toiletten-Anlagen zerstört und mit dem Schrott Polizisten beworfen.

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