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Bildung MV : Unterrichtsausfall wird zum Zankapfel

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Aus der Onlineredaktion

Oldenburg vs. Hesse: Links-Fraktionschefin will variable Stunden für Lehrer gegen Unterrichtsausfall. Bildungsministerin kontert mit Vertretungslehrerreserve

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erstellt am 08.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Vor dem Hintergrund der jüngsten Statistik zum Unterrichtsausfall fordert die Links-Fraktion im Landtag jetzt variable Stunden für jeden Lehrer, um Unterrichtsausfall unbürokratisch und durch die Schulleiter in eigener Planung zu verhindern. Fraktionschefin Simone Oldenburg, selbst jahrelang Schulleiterin einer Regionalschule: „Ich muss an der eigenen Schule sofort handeln können, statt über bürokratische Wege, Vertretungslehrer anfordern zu müssen, die zumeist doch nicht verfügbar sind.“

Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) hatte Ende letzter Woche eine Unterrichtsstatistik für das erste Halbjahr 2016/2017 vorgelegt, laut der der Unterrichtsausfall an den Schulen des Landes mit 2,1 Prozent auf niedrigem Niveau geblieben ist und nur um 0,2 Prozent den Vorjahreszeitraum übertraf (wir berichteten). Der Anstieg sei vor allem dem Lehrerstreik geschuldet, heißt es aus dem Ministerium. Das Land habe für alle Schularten Stellen für Vertretungskräfte eingerichtet, um den Unterrichtsausfall so niedrig wie möglich zu halten. „Wir haben systematisch eine flexible Vertretungslehrerreserve aufgebaut und damit gute Erfahrungen gemacht. Vertretungsunterricht ist allemal besser als Unterrichtsausfall“, argumentiert Ministerin Hesse.

Dem widerspricht die Schulexpertin der Links-Opposition energisch: „Es sind nicht nur wesentlich mehr Stunden im 1. Halbjahr 2016/2017 ausgefallen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, sondern es ist auch ein enormer Anstieg bei den Maßnahmen zu verzeichnen, die den Ausfall zum Teil kaschieren“ so Oldenburg.

So mussten sich die Schüler insgesamt mehr als 22 000 Unterrichtsstunden alleine beschäftigen. Stillarbeit sei kein Unterricht, sondern Unterrichtsausfall an der Schule, kritisiert Oldenburg. Auch Klassenzusammenlegungen, also der Unterricht, in dem ein Lehrer zwei Klassen gleichzeitig unterrichtet, seien lediglich eine Maßnahme, „um Lehrkräfte zu verheizen“, kritisiert Frau Oldenburg.

Insgesamt mussten sich die Schüler in 77 500 Unterrichtsstunden eine Lehrkraft mit anderen Klassen teilen. Die Oppositionspolitikerin: „Ich fordere die Bildungsministerin auf, endlich wirksame Maßnahmen gegen den Unterrichtsausfall einzuleiten, statt auf Mogelpackungen zurückzugreifen.“

Nach Berechnungen der Links-Fraktion ist der Unterrichtsausfall an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen vom 1. Halbjahr 2015/16 mit 373 926 Stunden auf 412 505 Stunden gestiegen. Das sind zehn Prozent des Stundensolls, die aber u.a. durch Vertretung und Zusammenlegung auf zwei Prozent Netto-Ausfall reduziert wurden. Gleichzeitig stiegen aber Klassenzusammenlegungen und Stillarbeit exorbitant. Die Links-Fraktion will nun bei den anstehenden Haushaltsberatungen im Herbst ein Vertretungsbudget für jede Schule beantragen und fordert die Landesregierung auf, diesen Vorschlag ernsthaft zu diskutieren. Frau Oldenburg rechnet mit einem Budget von 20 Millionen Euro für eine variable Stunde für jeden Lehrer.

Hesses Vorvorgänger, Henry Tesch (CDU), hatte bereits 2010/11 ein Vertretungsbudget eingeführt und schnell wieder die Finger davon gelassen, da Ausfallursachen wie Krankheit von Schule zu Schule so schwanken, dass ein Pauschalbudget wenig half. Einem festen, schulgenauen Vertretungsbudget stehe man deshalb im Ministerium skeptisch gegenüber heißt es von da. Feste Budgets oder Stunden führten zu dem Problem, dass manche Schulen völlig über- und dafür andere völlig unterversorgt sind. Nach Aussage von Oldenburg hat man indes mit variablen Stunden zu DDR-Zeiten gute Erfahrungen gemacht. In der jetzigen SPD/CDU-Koalition gibt es ein Zehn-Punkt-Programm gegen Unterrichtsausfall.

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