Lehrermangel in MV : Unterrichtsausfall (k)ein Problem?

In MV fallen zunehmend Unterrichtsstunden aus. Grund: Lehrermangel.

In MV fallen zunehmend Unterrichtsstunden aus. Grund: Lehrermangel.

Fehlen Lehrer krankheitsbedingt oder weil sie ein Kind erwarten, bringt das Schulleitungen zunehmend in die Bredouille.

Karin.jpg von
02. Februar 2018, 05:00 Uhr

An der integrierten Gesamtschule (IGS) „Bertolt Brecht“ Schwerin werden heute einige Kinder im Fach Geografie auf dem Halbjahreszeugnis keine Note bekommen. Wie Schulleiterin Vera Arndt bestätigt, musste sich eine Lehrerin, die vorrangig dieses Fach unterrichtet, einer Operation mit anschließender Reha unterziehen. Zwei der betroffenen Klassen habe sie selbst übernommen, so die Schulleiterin. „Für den Unterricht in den anderen Klassen gab es keine fachgerechte Vertretungskapazität mehr.“ Im zweiten Halbjahr gebe es aber eine Lösung, dann werde ein Lehrer einer anderen Schule für 20 Stunden abgeordnet.

Wie eine Blitzumfrage unserer Lokalredaktionen ergab, ist dies zwar ein Extrem-, aber kein Einzelfall. An der Europaschule Hagenow beispielsweise gibt es aktuell neben drei unbesetzten Stellen auch noch zwei Dauerkranke. Die Folge: In 252 Unterrichtsstunden mussten im ersten Schulhalbjahr Klassen zusammengelegt werden, 183 Stunden fielen komplett aus. In der Jahrgangsstufe acht gab es de facto keinen Chemieunterricht.

An der Verbundenen Regionalen Schule und Gymnasium Sternberg ist durch eine dauerkranke Kollegin am Regionalschulteil in den Klassenstufen sechs bis acht der Physikunterricht monatelang ausgefallen. Seit November bzw. Januar unterrichten jetzt zwei Vertretungslehrer dieses Fach, nach den Winterferien beginnt eine weitere Lehrerin. So soll der ausgefallene Stoff aufgeholt werden.

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Caren Mahn, Leiterin der Schule am Inselsee in Güstrow, berichtet über „mehrere akute Probleme“ bei der Absicherung des Unterrichtes. Von 50 Lehrern fehlten nicht selten sieben oder acht – Hauptgründe seien das hohe Durchschnittsalter von 52 Jahren und Schwangerschaften. Betroffen seien insbesondere naturwissenschaftliche Fächer. Eine fachgerechte Vertretung sei sehr schwer. Immerhin hätte es im ersten Halbjahr vier – allerdings unerfahrene – Vertretungslehrer gegeben.

Anderswo hatte man mehr Glück. „Es gibt natürlich immer wieder längere Ausfälle von Lehrern, zum Beispiel durch Krebserkrankungen. Zum Glück wussten wir in diesem Schuljahr rechtzeitig Bescheid und konnten die Stellen rechtzeitig ausschreiben“, so der Schulleiter der Regionalschule Neukloster, Roland Polzin. Es sei deshalb bis jetzt noch kein Fach dauerhaft ausgefallen. „Das kann sich jedoch schnell ändern.“

Auch an der Lenné-Schule Ludwigslust gab es in diesem Schuljahr bisher keine länger andauernden Ausfälle. Als das im vergangenen Jahr der Fall war, habe die Schule pensionierte Lehrer eingesetzt, so Leiterin Jutta Schulz.

„Spontane Ausfälle wie Schwangerschaften und längere Krankzeiten sind schwierig innerhalb eines Schuljahres zu kompensieren“, weiß Thilo Kreimer, Schulleiter des Gymnasialen Schulzentrums Stralendorf. Anfang des Schuljahres habe es Probleme gegeben, eine hundertprozentige Abdeckung zu gewährleisten, „aber mittlerweile können wir das garantieren“. Dem Stralendorfer Schulleiter helfen dabei auch manchmal fachlich kompetente Quereinsteiger. Perspektivisch sieht Thilo Kreimer die Abdeckung naturwissenschaftlicher Fächer gefährdet.

Auch an der Regionalschule Rehna gibt es momentan keine massiven Ausfälle. Schulleiter Thomas Barsch schaut aber nicht ohne Sorgen in die Zukunft: „Bis 2020 verlieren wir ganze sieben Kollegen, weil sie in Rente gehen.“ Aktuell stehen ihm 32 Lehrkräfte für 410 Schüler zur Verfügung. Genug, wenn alle da sind. Ansonsten würden bei Bedarf Vertretungslehrer beschäftigt.

An der Regionalen Schule mit Grundschule Malliß könnte mit eigenen Kräften aufgefangen werden, wenn Kollegen krankheitsbedingt ausfallen, so die stellvertretende Schulleiterin, Gundis Mette. Bis zur sechsten Stunde falle kein Unterricht aus, es würden dann Stunden, die nachmittags auf dem Plan stehen, vorgezogen.

Keine Probleme sieht Schulleiterin Annett Wüster an der Grundschule Goldberg: „Wir hatten keinen Ausfall im ersten Halbjahr. Und wenn, dann fanden wir die Möglichkeit, die Kinder in den jeweiligen Klassen aufzuteilen.“

An der Goldberger Walter-Husemann-Schule dagegen erklärte die Schulleiterin ebenso wie die der Regionalen Schule Lübz, dass sie „darüber nicht reden dürften“. Auskünfte gebe es nur über das Bildungsministerium. Dessen Sprecher Henning Lipski erklärte: „Unterrichtsausfall hat immer bestimmte Ursachen bezogen auf die Einzelschule. Wir sehen daher von einer Veröffentlichung ab, weil die Daten dazu geeignet sind, Missverständnisse auszulösen und einzelne Schulen in ein schlechtes Licht zu rücken.“ Berichte zum Unterrichtsausfall- und Vertretungsunterricht für das ganze Land seien aber auf der Internetseite des Ministeriums in der Rubrik „Statistik“ zu finden. Die aktuellsten Daten dort stammen aus dem ersten Halbjahr 2016/17. Damals – als es allerdings auch Lehrerstreiks gab – fielen 10,4 Prozent der Unterrichtsstunden an allgemeinbildenden Schulen zur Vertretung an. 2,1 Prozent der Stunden fielen komplett aus.

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