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Film aus Dömitz : Unterhaltsam, aber wenig realitätstreu

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach der Ausstrahlung von "Zwei Bauern und kein Land" gibt es unterschiedliche Reaktionen

Ein kleiner Ort in Mecklenburg-Vorpommern, zwei Bauern, ein korrupter Landaufkäufer und viele Klischees. Was die ARD am Freitagabend zur besten Sendezeit präsentiert hat, war nicht mehr als ein Spielfilm mit Landschaftsaufnahmen und Unterhaltungswert.

Ackerbauer Johannes Becker (Ernst Stötzner) steht vor dem Untergang seines Hofes. Seine Frau Katrin (Katharina Thalbach) hat sich von ihm getrennt, ist jetzt Bürgermeisterin des Ortes und Sohn Felix (Christoph Schechinger) taucht gerade in dieser Untergangsphase aus dem Nichts auf und will nach einer kurzen Liaison mit der Dorfpolizistin Marie (Theresa Scholze) auch noch Landwirt werden. Eine kleine Reihe von Irrungen und Wirrungen beginnt.

In der ARD-Mediathek kann "Zwei Bauern und kein Land" noch bis zum 03. Juni hier online angesehen werden.

Am Ende muss Johannes verkaufen – an den Großgrundbesitzer Fuchs (Hans-Uwe Bauer). Der ist auch noch ein Rivale aus Jugendtagen. Er sichert sich nämlich nicht nur sein Ackerland, sondern auch einen engen Kontakt zu Beckers Frau. Jeder, der eine realistische Beleuchtung der bäuerlichen Landwirtschaft erwartet hat, wurde enttäuscht. Mit den wahren Problemen hatte der Film wenig gemein. Dass die Landwirtschaft sich nicht rechnet, hatte in diesem Fall wohl mehr mit dem geringen Grundbesitz von Bauer Johannes zu tun. Denn ein kurzer Überschlag der Verkaufssumme von 160 000 Euro lässt auf eine Fläche von rund 10 Hektar schließen. Damit kann sich vielleicht ein Landwirt im Nebenerwerb die Zeit vertreiben, doch ein Ackerbaubetrieb mit so wenig Fäche würden selbst sämtliche Förderprogramme nicht am Leben erhalten. Auch die vorhandene Technik ist alles anderes als realistisch: Ein Fortschritt ist wohl nur auf Höfen von Sammlern zu finden.

Der Film „Zwei Bauern – kein Land“ ist trotzdem unterhaltsam und kurzweilig – Ernst Stötzners trockner Humor sorgt für so manchen Schmunzler. Die Naturaufnahmen stillen die Sehnsucht nach schöner Landschaft. Nur mit den aktuellen Problemen der Landwirte hat der Film sehr wenig gemein. Sorgen werden nur an der Oberfläche angekratzt. Statt Authentizität gibt es reichlich Klamauk: angefangen vom Kaffeewasser aus der Regentonne, über Quer-Feld-Ein-Fahrten mit einem Schrottwagen bis hin zum Bild vom schmuddeligen Bauern, dem die Zeit fürs Waschen fehlt.


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