Hochbegabt : „Unsere Tochter ist ein Wunderkind!"

Sieben Jahre alt und hochbegabt: Die kleine Laetitia.
1 von 4
Sieben Jahre alt und hochbegabt: Die kleine Laetitia.

„Unsere Tochter ist ein echtes Wunderkind", sagen die Eltern. „Da sie im Kindergarten total unterfordert war, wurde sie bereits als Vierjährige eingeschult." Mit acht Wochen konnte sie erste Wörter sprechen.

svz.de von
11. Mai 2012, 09:59 Uhr

"Unsere siebenjährige Tochter ist ein echtes Wunderkind", sagen die stolzen Eltern. "Da sie im Kindergarten total unterfordert war, wurde sie bereits als Vierjährige eingeschult. Ihr Lieblingsfach ist Mathematik, außerdem interessiert sie sich für Planetenkunde und experimentiert gerne mit dem Mikroskop. Bereits als acht Wochen altes Baby konnte sie erste Wörter sprechen, als Zweijährige lernte sie Fremdwörter und komponierte Lieder." Musikalisch ist das kleine Wunderkind nämlich auch, die heute Siebenjährige spielt perfekt Geige und Klavier. "Sie hat das absolute Gehör", verrät ihre Mutter. "Aber wir haben sie nie zu etwas gezwungen oder trainiert. Unsere Kleine ist wirklich hochbegabt. In der Schule wurde ihr Intelligenzquotient mit 140 gemessen."

Das Töchterchen fragt seine Eltern und Lehrer Löcher in den Bauch und ist ausgesprochen neugierig. Sie besucht eine englischsprachige Schule und beherrscht neben ihrer Muttersprache Deutsch nun auch Englisch. Außerdem erlernt sie gerade noch Französisch und Chinesisch. "Harry Potter lese ich lieber auf Englisch", sagt die Siebenjährige. Obwohl ihre Mitschüler alle zwei Jahre älter und einen Kopf größer als sie sind, setzt sich das kleine Temperamentbündel gut durch. "Manchmal verbessere ich sogar meine Lehrerin", grinst sie. "Die wusste letztens gar nicht, dass der Nil länger als der Amazonas ist."

Mit Puppen spielt sie nie, sie malt, musiziert oder puzzelt lieber. Ihr musikalisches Talent wird sogar an der Meisterklasse einer Musikschule gefördert. "Geige, Klavier und Kompositionslehre sind meine Hobbys", sagt die Siebenjährige. "Ich spiele gerne komplizierte Stücke von Schubert." An der Musikschule hat sie selbst sogar schon ein Klavierkonzert und ein Geigenkonzert gegeben.

Für ihre Mutter ist die Hochbegabung ihrer Tochter ein Segen. Aber ist die Kleine denn völlig verkopft? "Nein, vor Kurzem hat sie einen Ski-Kurs absolviert und stand schon nach zwei Tagen auf dem Siegertreppchen", sagt ihre Mutter. "Die Lehrer bringt sie manchmal zur Verzweiflung, da sie bei Textaufgaben binnen weniger Sekunden die Lösung weiß. Aber sie hat keine Lust, die Zwischenschritte aufzuschreiben."

Unter Hochbegabten ein Supertalent

Fröhlich wirbelt Laetitia Hahn durch die Wohnung, wie ein ganz normales siebenjähriges Mädchen. Mit einem IQ von mehr als 140 ist Laetitia jedoch alles andere als gewöhnlich. Selbst unter Hochbegabten ist das Kind aus Meerbusch aus der Nähe von Düsseldorf ein Supertalent. Dass ihre Tochter anders ist, haben Annette Hahn (34), studierte Philosophin, und Christian Hahn (40), Vermögensberater, bereits acht Wochen nach ihrer Geburt festgestellt. "Das hat mit der Sprache angefangen, sie hat praktisch mit acht Wochen das erste Wort gesprochen hat."

"Das ging natürlich so weiter mit ganz verschiedenen Dingen", sagt ihr Vater Christian. Im Alter von zwei Jahren kennt Laetitia bereits Fremdwörter. Mit drei Jahren kann sie ihre Muttersprache Deutsch lesen und Englisch sprechen. Mit dreieinhalb kann sie schreiben und nimmt gleichzeitig Klavierunterricht. Mit vier Jahren besucht sie als jüngste Mitschülerin die erste Klasse einer Ganztagsschule. Die Unterrichtssprache ist Englisch. Dann der Beweis: Ein IQ-Test in der ersten Klasse bringt den Eltern Gewissheit. Laetitias IQ liegt über 140. Dieses Kind ist hochbegabt.

So viel Talent stößt auch auf Neider. Bei der Einschulung von Laetitia geraten ihre Eltern mit einem anderen Elternpaar aneinander. Der Grund: Das andere Elternpaar bekommt für die Einschulung ihres vierjährigen Kindes eine Absage. Sie reagieren verärgert. Die Fähigkeiten seien Laetitia von den Eltern "anerzogen", warf diese Familie den Hahns vor.

Schon früh merkt Vater Christian die Unterforderung seiner Tochter. So viel Talent erschwert selbst den Lehrern die Aufgaben. Doch sie sind erfreut über Laetitias Wissenshunger und unterstützen ihre Mitarbeit in der Schule. Für die Eltern ein Segen. "Trotz allem ist sie immer noch ein Kind. Uns ist wichtig, dass sie glücklich ist."

Die Eltern wissen, wovon sie reden. Auch bei Annette und Christian wurde im Nachhinein Hochbegabung festgestellt, beide haben einen IQ von 130. Für Annette eine Erleichterung "Ich habe mich immer anders gefühlt, in der Oberstufe wurde ich oft von den Mitschülern ausgegrenzt." Das soll Laetitia nicht passieren.

"Laetitia hat eine unglaubliche Energie. Sie kann kaum still sitzen, will ständig etwas Neues lernen", erzählt Annette. Aber auch ein Genie stößt an seine Grenzen. Als sie neben der Schule noch Klavier und Geige spielt, muss Laetitia feststellen, dass sie nicht alles lernen kann und unterbricht ihr Chinesisch.

Während andere Mädchen in ihrem Alter lieber mit Puppen spielen, interessiert sich Laetitia für Planetenkunde und die Steinzeit. Ihr Kinderzimmer erinnert auf den ersten Blick an ein gewöhnliches kleines Mädchen. Ein Bett mit rosa Bettwäsche, darin ein paar Kuscheltiere, Kinderspielzeug auf dem Boden. Doch bei genauerem Hinsehen tummeln sich Figuren aus Kunst, Literatur und Philosophie in ihrem Bett. Neben der Mona Lisa findet man ein Buch über Plato. Für ihre Mutter Annette ist das ganz normal: "Sie schläft ein mit 20 Büchern". Laetitia nickt zustimmend. "Die Bücher machen mich müde, dann kann ich besser einschlafen" grinst Laetitia, während sie sich verschämt die Decke bis über die Nasenspitze zieht.

Auf die Frage, was sie später einmal werden will, antwortet sie kess: "Pianistin, Violinistin oder ich grabe als Archäologin Dinosaurier aus."

In der Schule langweilt sich die Drittklässlerin. Ihre Eltern haben sich an den Verein "Mensa" für Hochbegabte gewandt. Dort kann sie mit Gleichgesinnten reden und spielen. Und wie steht’s mit Freunden? "Es ist einfach, hochbegabte Freunde zu finden, weil die auch hochbegabt sind und dann spielt man miteinander", ist Laetitias Antwort. Möchte Laetitia eigentlich auch mit den normalen Kindern spielen? "Die anderen sind nicht hochbegabt, deswegen möchten sie nicht mit mir spielen.", antwortet Laetitia verwundert. Laetitia spielt meistens alleine oder mit ihrer Familie.

"Ach so, Popmusik ist Musik mit Schlagzeug"

"Darf ich euch etwas vorspielen?" Kaum hat sie die Frage ausgesprochen, wirbelt Laetitia auch schon in den anderen Raum zu ihrem Klavier. Hochkonzentriert spielt sie, während ihre kleinen Finger im Eiltempo über die Tasten fliegen.

Abends will die Siebenjährige selten freiwillig ins Bett gehen, sie möchte am liebsten weiterüben am Klavier. Klavierspielen ist für sie die einzige Herausforderung. Nächstes Jahr mit acht Jahren will Laetitia mit einem Musikstudium für Klavier und Geige beginnen. In nur drei Wochen lernt sie schwierige Musikstücke von Bach oder Schubert. Sie hat ein absolutes Gehör, kann auch ohne Noten Klavier spielen.

Auf die Nachfrage nach ihrer Vorliebe für Popmusik erklärt sie: "Ach so, Popmusik ist Musik mit Schlagzeug, ja Mädchen aus meiner Klasse mögen das, außer ich." Laetitia ist anders als andere Mädchen und sie ist stolz darauf. Bis heute hat Laetitia schon 20 eigene Stücke komponiert.

Laetitias Familie nimmt die Begabung ihrer Tochter gelassen. Nicht nur Annette und Christian sind hochbegabt, sondern sie haben noch einen 22 Monate alten Sohn. Dessen Name steht für sich: Phillip Amadeus. Laetitias kleiner Bruder ist das Nachwuchstalent der Familie. "Bei ihm ist es im Prinzip ähnlich gewesen, wie bei Laetitia auch. Er hat mit sieben Wochen angefangen zu sprechen," sagt Annette.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen