MV-Vertretung in Berlin : Unsere Botschaft im Hauptstadtdschungel

Bettina Martin ist Bevollmächtigte des Landes MV in Berlin.
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Bettina Martin ist Bevollmächtigte des Landes MV in Berlin.

Bettina Martin baut mit der Landesvertretung von MV in der Bundeshauptstadt Brücken zu politischen Kreisen und bietet dem Land zugleich eine attraktive Bühne

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21. März 2018, 05:00 Uhr

Mitten im Herzen der deutschen Hauptstadt gibt es einen Ort, der für Mecklenburg-Vorpommern so wichtig ist wie das Schweriner Schloss für die Landespolitik. Nur wenige Gehminuten vom Brandenburger Tor entfernt, in einem modernen Bürohaus, hat die Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns beim Bund ihren Sitz. „Man könnte uns auch als Botschaft bezeichnen“, mildert Bettina Martin den sperrigen Titel etwas ab. Die große, schlanke Frau ist die Bevollmächtigte des Landes beim Bund. Und zugleich Staatssekretärin, der Ministerpräsidentin direkt unterstellt. Sozusagen Manuela Schwesigs Frau in Berlin.

Den Fotografen macht Bettina Martin gleich auf zwei besondere Ausblicke aus den Fenstern ihres großen, hellen Büros aufmerksam: auf das Holocaust-Mahnmal in der einen Richtung und die Skyline des Potsdamer Platzes in der anderen. Dort, über der kanadischen Botschaft, weht die Flagge mit dem roten Ahornblatt. Darüber freut sich Bettina Martin, sie ist mit einem Kanadier verheiratet. An der Wand ihres Büros hängt ein Foto, das ihre beiden damals noch kleinen Söhne in einem Ruderboot auf einem See in der Provinz Québec zeigt.

Bettina Martin ist Bevollmächtigte des Landes MV in Berlin.
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Bettina Martin ist Bevollmächtigte des Landes MV in Berlin.
 

Martin ist seit 1992 in der Berliner Politik unterwegs, nach ihrem Studium u. a. als Pressesprecherin in der Berliner Landesverwaltung. Später arbeitete sie für Manuela Schwesig – leitete deren Büro beim SPD-Parteivorstand und dann ab 2013 den Leitungsstab Schwesigs im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Kein Wunder also, dass sich die Bevollmächtigte selbstbewusst als „gut vernetzt“ in der Berliner Politik beschreibt. Das sei auch der Grund gewesen, warum sie ihrer langjährigen Chefin nicht nach Schwerin gefolgt ist. „Manuela Schwesig hat mich gebeten, für Mecklenburg-Vorpommern in Berlin Brücken zu bauen.“

Dieses Bild vom Brückenbauen wird Martin im Gespräch noch oft heraufbeschwören. Brückenbauen zu Politikern im Bundestag und Bundesrat, zu Verbänden und Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Presse. Zu Bundesministerien und Botschaften. Politische Lobbyarbeit eben. „Es ist wichtig, dass unser Land in Berlin all diese Verbindungen hat und auch im richtigen Moment ,hier‘ schreit, wenn Geld verteilt wird“, so Martin. „Hier, wo immer wieder Mehrheiten neu organisiert werden müssen, damit für MV wichtige Themen wie Pflege, Schiffbau, Landwirtschaft, gerechte Löhne in Ost und West im Koalitionsvertrag oder in Bundesratsbeschlüssen ihren Widerhall finden.“

1997 wurde ein europaweiter Architektenwettbewerb für den Bau der MV-Botschaft ausgelobt. Bezugsfertig war das Haus im Oktober 2001.
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1997 wurde ein europaweiter Architektenwettbewerb für den Bau der MV-Botschaft ausgelobt. Bezugsfertig war das Haus im Oktober 2001.
 

Was das praktisch bedeutet, kann man nur ahnen. Endlose Sitzungen, Vier-Augen-Gespräche, Treffen mit den Bevollmächtigten der anderen Landesvertretungen, um über Parteigrenzen hinweg Bundesratsentscheidungen vorzubereiten, Empfänge, Kabinettsitzungen in Schwerin, Termine in Wolgast oder Stralsund, Beratungen in der Rundfunkkommission der Länder… Insgesamt 750 Gremiensitzungen im Bundestag und Bundesrat bestreiten die Mitarbeiter der MV-Botschaft im Jahr. Man muss Politik schon sehr lieben, um in diesem Beruf gern zu arbeiten. Zugleich wird klar, warum Mecklenburg-Vorpommern wie die anderen Bundesländer auch einen ständigen Sitz in Berlin braucht.

Immerhin teilt sich MV die Landesvertretung mit dem ähnlich bescheidenen Land Brandenburg. Bezogen wurde das Haus im Oktober 2001. Mit Baukosten von rund 9,2 Millionen Euro pro Land soll es sich um den kostengünstigsten Neubau einer Landesvertretung in Berlin handeln. Das Land leistet sich im Jahr etwa zwei Millionen Euro für die Gehälter der 23 Mitarbeiter, für Unterhaltskosten und Veranstaltungen.

Das lichte Atrium im Inneren wird durch große Fenster und eine offene, großzügige Anmutung bestimmt.
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Das lichte Atrium im Inneren wird durch große Fenster und eine offene, großzügige Anmutung bestimmt.

Denn, um nun neben der Brücke auch die Bühne ins Gespräch zu bringen – in den hellen, großzügigen Räumen der Vertretung können sich auch Künstler oder Veranstalter aus der Heimat präsentieren, wie jüngst das Filmkunstfest MV mit seinem diesjährigen Gastland Georgien. Opernmusik oder Jazz war im gläsernen Atrium oder draußen im Garten schon zu hören, es gibt regelmäßig Ausstellungen. Gerade präsentierte der Mosaik-Verlag die neueste Reihe der Abrafaxe-Comics. Die Kobolde erleben seit diesem Monat auf den Spuren der Hanse ihre Abenteuer zwischen Lübeck und Rügen. Wenn das gesellschaftliche Berlin dann zu Hunderten zu solchen Veranstaltungen kommt oder auch Landeskinder, die in der Hauptstadt leben, präsentieren Gastronomen aus MV Köstlichkeiten aus der Heimat. Sicher auch ein Grund dafür, dass manchmal bis zu 400 Gäste an einem Abend begrüßt werden können. Auch im Büro von Bettina Martin stehen Flaschen mit Satower Saft und Güstrower Schlossquell auf dem Tisch. „Doch es geht uns nicht vordergründig darum, hier etwas Schickes zu veranstalten. Wir wollen eine lebendige Vertretung sein, in der über unser Land gesprochen, für unser Land geworben wird. Ich freue mich auch immer über Kinder und jugendliche Besuchergruppen, denen wir zeigen können, was das für Leute sind, die in Berlin Politik machen.“

Im vergangenen Jahr schlüpfte Bettina Martin sogar für die 29. Berliner Märchentage in die Rolle der Märchentante und las für Schüler einer vierten Klasse aus Ribnitz-Damgarten „Brüderchen und Schwesterchen“ vor.

Neue Ausstellung:„ZERSETZUNG – „Repressionsmethoden des Staatssicherheitsdienstes“

  • Eine Ausstellung des Teehaus Trebbow e.V.
  • Ausstellungseröffnung mit Kuratorin Dr. Sandra Pingel-Schliemann, Zeitzeugen und Wissenschaftlern am 21. März 2018, 19 Uhr in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern beim Bund, In den Ministergärten 3, 10117 Berlin.
  • Anmeldung unter: veranstaltungen@lv.mv-regierung.de
  • Anschließend ist die Ausstellung bis zum 6. April 2018, montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr geöffnet.
     
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