zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 14:16 Uhr

Rostocker wird 90 : Unser Mann in Melbourne

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Der Rostocker Horst Mann, 1956 erster Nachkriegs-Olympiastarter aus MV, feiert heute 90. Geburtstag

svz.de von
erstellt am 08.Jul.2017 | 06:25 Uhr

Eine Leichtathletik-Legende unseres Landes begeht heute ein seltenes Jubiläum. Der Rostocker Horst Mann, 1956 in Melbourne als 400-m-Läufer erster MV-Nachkriegsstarter bei Olympia, wird stolze 90. Mann, der noch heute mit seinen 1955 in Budapest über eine Stadionrunde gelaufenen 47,0 s in der ewigen MV-Bestenliste hinter dem Neubrandenburger Thomas Wilhelm (2003/46,83 s) Platz zwei einnimmt, erinnert sich gut an den 28. November im Cricket Ground. Schließlich hatte der Jubilar seinerzeit aus Melbourne exklusiv für die NNN berichtet und später in mehreren Ordnern seine Lebens-, Sport- und Berufserinnerungen dokumentiert.

„Mein Ziel war im Einzelrennen der 42 Starter aus 23 Nationen das Erreichen der Zwischenläufe. In der 4x400-m-Staffel wollten wir um Edelmetall mitlaufen“, sagt der am 8. Juli 1927 im zum preußischen Hinterpommern gehörenden Neustettin geborene Läufer des SC Empor Rostock.

Rang drei im Vorlauf hätte zum Viertelfinaleinzug gereicht. Doch bereits beim Start stach die rechte Wade und bei 300 Metern riss die Achillessehne. Aus der Traum vom Zwischenlauf und vor allem vom Edelmetall mit der Staffel, die ohne ihn Vierte wurde.

Horst Manns sportliches Talent wurde bereits in der Schulzeit sichtbar. Allerdings zuerst auf der Mittelstrecke – 4:23 min über 1500 m. Mit 17 kam die Einberufung zur Wehrmacht. „Das Kriegsende habe ich in Berlin mitgemacht, wurde verwundet, kam im Rahmen der Gefangenschaft in ein russisches Lazarett, anschließend stand Arbeitslager an. Einen Splitter habe ich heute noch in mir“, so Mann. „Südlich von Moskau, an der Oka, waren wir gefangen, mussten auch bei minus 20 Grad beim Brückenbau ran. Mit einem deutschen Arbeitersportler konnte ich aber auch trainieren. Der prophezeite mir bereits 1948, als die Spiele in London stattfanden: ,Horst, dich sehe ich perspektivisch auch dort.‘“

Er sollte Recht behalten. Nur: Aus dem Mittelstreckler wurde der 400-m-Sprinter. Der Greifswalder Dr. Manfred Bues, Sportwissenschaftler und 1938 mit Rudolf Harbig Staffel-Europameister, war sein Entdecker „auf einer Strecke, auf der man sich so richtig durchbeißen muss“. Später, zuerst bei Einheit und dann beim SC Empor Rostock, war Manfred Geißler sein Coach, führte ihn zu zwei Meistertiteln, 1954 zu Platz drei bei der U.I.F., der Universiade des Ostblocks und Staffelgold sowie zu Olympia.

Parallel zum Sport trieb der 1949 aus der Gefangenschaft zurückgekehrte Horst Mann seine berufliche Entwicklung voran, holte binnen eines halben Jahres das Abitur nach, lernte auch hier seine Frau Margarete, später eine anerkannte Hautärztin – „auch Tochter Christiane und unsere Enkelin sind das “ – an der Rostocker Uni-Klinik kennen. Mann studierte Schiffbau, danach noch Maschinenbau. Der Diplom-Ingenieur war seit 1960 bis zu seiner Pensionierung 1990 Leiter der Schiffsrohrprojektierung und Konstruktion an der Warnowwerft. Mitstreiter sagen: „Der Horst war ein integrer Kollege und ein auch international anerkannter Fachmann.“ So war er Herausgeber und Mitautor mehrerer Fachbücher.

Dem Sport blieb er immer treu. „Stets per Rad zur Arbeit, Skilaufen bis ins 85. Lebensjahr, noch bis zum Vorjahr jährlich an die 4000 Kilometer auf dem Rad“, zählt er auf.

An der Leichtathletik hängt noch heute sein Herz: „Ich würde mir wünschen, MV wieder weiter vorn zu sehen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen