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Drei Monate Vogelgrippe : Unmut über Stallpflicht wächst

vom
Aus der Onlineredaktion

Viele Halter wollen ihr Geflügel trotz H5N8-Virus nicht mehr wegsperren

svz.de von
erstellt am 08.Feb.2017 | 20:00 Uhr

Nach drei Monaten Stallpflicht in Mecklenburg- Vorpommern wächst der Unmut unter Geflügelhaltern über das angeordnete Wegsperren von Hühnern, Enten und Gänsen. Die größten Geflügelpestausbrüche im Land ereigneten sich in geschlossenen Stallanlagen – einem Putenmastbetrieb mit 40 000 und einem Legehennenbetrieb mit 106 000 Tieren. Wie die Vogelgrippe-Viren in die Anlagen gelangten, ist unklar.

„Bundesweit arbeiten Epidemiologen mit Hochdruck daran, die Ursache für die rasante Ausbreitung des H5N8-Virus festzustellen“, sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD) gestern in Schwerin. Solange die Eintragsquelle nicht identifiziert wurde, halte er die Stallpflicht für dringend erforderlich, um das Hausgeflügel vor Erregern zu schützen.

Dagegen bezeichnete der Münchner Zoologe Josef Reichholf in der Zeitung „Nordkurier“ die Stallpflicht als schädlich und reinen Aktionismus. Um die Infektionswege zu erfassen, müsste intensiv die sogenannte Nahrungskette geprüft werden. „Was geht in die Mastanlagen hinein, was kommt heraus? Woher stammen die Küken und das Futter? Und wohin gelangen Mist und Abfälle?“, sagte der Zoologie-Professor.

Die Stallpflicht schade kleinen Haltern und Biobetrieben. Es liege kein Nachweis vor, dass sie wirksam ist. Die Annahme, dass Wildvögel Massengeflügelhaltungen aufsuchen und dort Ansteckungen verursachen, sei absurd. Dagegen müssten die Futtermittel intensiv auf Erreger untersucht werden.

Nach Ansicht des Naturschutzbundes (Nabu) schießen Bundesländer mit einer landesweiten Stallpflicht über das Ziel hinaus, wie der Vogelschutzexperte Lars Lachmann sagte. Bei einem Besuch im Friedrich- Loeffler-Institut (FLI) bei Greifswald habe er sich in seiner Ansicht bestätigt gefunden, dass die Stallpflicht in Hochrisikogebieten für die Geflügelpest verhängt werden sollte. In seiner aktuellen Risikoeinschätzung empfiehlt das FLI die Aufstallung von Geflügel mindestens in Regionen mit hoher Wasservogeldichte, hoher Geflügeldichte, in der Nähe von Wildvogelrast- und Wildvogelsammelplätzen oder an bestehenden H5N8-Fundorten.

Zudem teilten FLI und Nabu die Ansicht, dass in Regionen mit vielen Wasservögeln keine Massentierhaltungen für Geflügel mehr genehmigt werden dürften. Das betreffe zum Beispiel Regionen am Bodensee, am Niederrhein, an den Küsten und den Seen in Norddeutschland.

Der Unterschied der Ansichten von FLI und Nabu besteht laut Lachmann darin, dass das FLI das Hausgeflügel vor Ansteckungen schützen will, der Nabu die Wildvögel. Der Nabu vermutet den Ursprung der Viren in der chinesischen Geflügelwirtschaft. Tiefkühlgeflügel sei im vorigen Herbst aus China nach Deutschland, Ungarn und Frankreich gekommen.

Die These, dass Wildvögel von einem See in Sibirien an der Grenze zur Mongolei das Virus nach Europa getragen haben, hält der Nabu für unwahrscheinlich. Auch die Virusgenetik belege dies nicht. Der Nabu fordert daher, in beide Richtungen weiter zu forschen.

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