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Soziale Zusammensetzung von Studenten bleibt konstant : Unis Domäne von Akademikerkindern

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Noch nie gab es so viele Studenten wie heute. Doch an der sozialen Zusammensetzung der Studentenschaft hat sich wenig verändert. Die Unis bleiben nach wie vor eine Domäne der Akademikerkinder.

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erstellt am 27.Jun.2013 | 10:23 Uhr

Milliarden pumpten Bund und Länder für zusätzliche Studienplätze seit 2006 in die Hochschulen. Mit 2,5 Millionen Studierenden strebten noch nie so viele junge Menschen einen akademischen Abschluss an wie heute. Doch an der sozialen Zusammensetzung der Studentenschaft hat sich dadurch wenig verändert. Die Unis bleiben nach wie vor eine Domäne der Akademikerkinder. Nicht mal ein Zehntel der Studierenden hat Eltern, die maximal über einen Volks- oder Hauptschulabschluss verfügen.

Lange hat es gedauert, bis sich das Bundesbildungsministerium intern durchringen konnte, die 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes noch vor der Bundestagswahl zu veröffentlichen. Eingeflossen in die Umfrage vom Sommer 2012 sind die Antworten von über 15 000 Studierenden aus 227 Hochschulen.

Dabei hat sich einiges auch zum Besseren entwickelt. Immer mehr Studierende schließen die schnelleren Bachelor-Studiengänge ohne Unterbrechung ab.

Auch die Jobberei neben dem Studium hat etwas abgenommen. Einige Hochschulforscher führen dies auch auf die Abschaffung der Studiengebühren zurück. Diese hatten vor allem Studenten aus ärmeren Elternhäusern veranlasst, nebenbei Geld zu verdienen. Andere verweisen darauf, dass der dichte Stundenplan im Bachelor-Studium heute auch weniger Spielraum für Nebenjobs lasse.

Gleichwohl sind es immer noch 61 Prozent der Studenten, die einer Nebenbeschäftigung nachgehen.

40 Prozent dieser Jobber sagen, dass das Geld für ihren Lebensunterhalt unverzichtbar sei. Andere führen als Gründe auch die Sammlung praktischer Erfahrung oder Kontakte für die spätere Beschäftigung an. Wiederum andere wollen sich "etwas mehr leisten" oder streben nach "Unabhängigkeit von den Eltern".

Die alle drei Jahre durchgeführte Sozialerhebung ist inzwischen ein Standardwerk geworden, dass die Situation und die Probleme der Studierenden wie kaum eine andere Untersuchung widerspiegelt.

Bund und Länder haben zwar mit dem Hochschulpakt seit 2006 massiv in zusätzliche Lehrkapazitäten an Unis und Fachhochschulen investiert, nicht aber in die soziale Infrastruktur. Die Folgen: In den Mensen sind die Warteschlangen inzwischen unerträglich lang, es fehlt an bezahlbarem Wohnraum und an Horten in Hochschulnähe für die zunehmende Zahl von Studierenden mit Kindern.

Über 80 Prozent der Bafög-Empfänger sagen, dass sie ohne diese staatliche Hilfe überhaupt nicht hätten studieren können. Die letzte Bafög-Erhöhung erfolgte zum 1. Oktober 2010. Der CDU-Politiker Rachel weicht der Nachfrage aus, warum Ex-Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) die Entscheidung über die nunmehr bereits im zweiten Jahr ausstehende weitere Bafög-Erhöhung einfach hat schmoren lassen und stattdessen den Ausbau des Deutschland-Stipendiums forcierte.

Dieses wird unabhängig vom Elterneinkommen ausbezahlt. Unter den Stipendiaten befinden sich viele Kinder reicher Eltern, die nicht unbedingt auf das Stipendium angewiesen sind.

Schavans Amtsnachfolgerin Johanna Wanka (CDU) hat die Länder zwar inzwischen zu Bafög-Gesprächen gedrängt - und damit der Opposition ein Wahlkampfthema weggenommen. Doch einen konkreten Vorschlag, um wieviel Prozent die Förderung und die Elternfreibeträge nach der Wahl steigen sollen, hat auch Wanka noch nicht gemacht.

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