zur Navigation springen

Zwischenlager Nord in Lubmin : Ungeschütztes Atomlager

vom
Aus der Onlineredaktion

Betreiber in Lubmin haben noch kein Konzept zur Terrorabwehr vorgelegt

svz.de von
erstellt am 25.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Die Grünen werfen den bundeseigenen Energiewerken Nord (EWN) Verschleppung bei der Nachrüstung des atomaren Zwischenlagers Nord gegen Terrorangriffe vor. Als einzige Zwischenlager-Betreiber hätten die staatlichen EWN noch immer kein Konzept zur baulichen Nachrüstung geliefert, sagte die atompolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl. „Diese Verschleppung ist unverantwortlich.“ Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass die Betreiber des Zwischenlagers Nord in Lubmin jetzt schleunigst ein genehmigungsfähiges Sicherungskonzept vorlegen.

Wie aus einer Antwort des Bundesumweltministeriums vom 18. Januar auf eine Anfrage von Kotting-Uhl hervorgeht, dauert die Prüfung der Schutzmaßnahmen durch die EWN immer noch an. Einen Zeitrahmen für die Nachrüstung gebe es bislang nicht. Zu den Gründen machte das Ministerium keine Angaben.

Im Frühjahr 2011 – also vor sechs Jahren – waren alle Betreiber von Atom-Zwischenlagern vom Bundesamt für Strahlenschutz aufgefordert worden, ihre Sicherungsmaßnahmen zu verbessern. Nach Angaben der Grünen haben inzwischen alle privaten Betreiber von Zwischenlagern genehmigungsreife Konzepte vorgelegt – bis auf die staatlichen EWN. „Das stimmt“, sagte EWN-Sprecherin Marlies Philipp. Von einer Verzögerung könne aber keine Rede sein, da es von Seiten der Behörden keinen vorgegebenen Zeitrahmen für die Nachrüstung gebe.

Im Sommer 2015 hatten die EWN ihren Antrag an das damals zuständige Bundesamt für Strahlenschutz zurückgezogen, nachdem dieser sich als nicht genehmigungsfähig erweisen hatte. Seitdem arbeiten die EWN eigenen Angaben zufolge an einem neuen Konzept zum Terrorschutz.

Die EWN begründeten die lange Dauer mit den baulichen Besonderheiten des Zwischenlagers in Lubmin, wo 74 Castoren mit hochradioaktiven Abfällen lagern. Anders als in anderen Zwischenlagern seien in Lubmin schwach- und mittelradioaktiver Abfall und hochradioaktiver Atommüll zwar in verschiedenen Hallen, aber in einem baulich zusammenhängenden Gebäude gelagert. Das sei eine besondere Herausforderung, sagte EWN-Sprecherin Marlies Philipp. Die EWN wollen die Prüfung zur Nachrüstung Ende 2017 abschließen.

Bis zur baulichen Nachrüstung wird das Zwischenlager Nord nach Angaben der EWN durch temporäre technische und personelle Maßnahmen geschützt. Die Grünen kritisierten die Aussagen. Temporäre Maßnahmen wie ein verstärkter Wachschutz seien allenfalls als kurzfristige Notlösung hinnehmbar, nicht als jahrelange Alternative zu baulichem Schutz, sagte Kotting-Uhl. „Die EWN sollten weniger Energie ins Geschäftemachen mit fremdem Atommüll stecken und sich mehr auf die Sicherung des eigenen konzentrieren.“ Auf gar keinen Fall dürfe es dazu kommen, dass die EWN den Nachrüstungsantrag womöglich auch in diesem Jahr noch nicht hinbekommen, sagte die Grünenpolitikerin.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen