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Polizei gibt auch nach 21 Jahren nicht auf : Ungeklärter Mordfall Duvendick

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Ein Lkw-Fahrer hatte die nahezu unbekleidete Leiche, der 17 jährigen Schwesternschülerin Simone Kohrs, am frostklaren Morgen des 10. Januar 1992 auf der illegalen Mülldeponie Duvendick vor den Toren Stralsunds entdeckt.

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erstellt am 04.Sep.2013 | 10:59 Uhr

Stralsund | Ein Lkw-Fahrer hatte die nahezu unbekleidete Leiche des Mädchens am frostklaren Morgen des 10. Januar 1992 auf der illegalen Mülldeponie Duvendick vor den Toren Stralsunds entdeckt. In der Rostocker Gerichtsmedizin wurde das Mädchen einen Tag später identifiziert: Simone Kohrs, 17 Jahre, Schwesternschülerin. Durch die rechtsmedizinische Untersuchung wurde weiter festgestellt, dass das Mädchen mit Äther betäubt, missbraucht und anschließend getötet wurde. Es konnte Fremd-DNA an der Kleidung der Toten sichergestellt werden.

"Auch nach 21 Jahren haben wir die Ermittlungen in diesem Fall nicht aufgegeben", sagt Kriminalhauptkommissar Ulf Jokiel, von der zuständigen Kriminalpolizeiinspektion Anklam. Die Spurenlage nach den jüngsten Ermittlungen würden berechtigte Hoffnung geben, auch nach der langen Ermittlungszeit noch einen möglichen Täter zu überführen. Außerdem erhofft sich die Polizei mit der Nachstellung des Mordfalls in der Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" (heute am 4. Septmeber, 20.15 Uhr im ZDF) zusätzliche Hinweise.

Größter Gen-Test in der Geschichte von MV

Bei der Suche nach dem Mörder von Simone Kohrs hat die Polizei den bisher größten Massen-Gen-Test in der Kriminalgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns durchgeführt. Obwohl mehr als 8700 Personen bisher überprüft wurden, konnte der Täter bisher nicht ermittelt werden.

Immer wieder drehen sich die Fragen der Ermittler um die letzten Stunden im Leben von Simone Kohrs. Am 9. Januar 1992, ein Donnerstag, verlässt das Mädchen gegen 18.30 Uhr das Elternhaus in Katzenow in der Nähe von Stralsund und will mit dem Bus in die Hansestadt fahren. An der Bushaltestelle bemerkt sie einen folgenschweren Irrtum: Der Bus fährt an diesem Tag nicht wie sonst um 19 Uhr, sondern um 20.52 Uhr. Es ist nass und kalt. Sie wartet trotzdem. 18.45Uhr kommt ein Zeuge an der Bushaltestelle vorbei und grüßt das Mädchen. Er wird außer dem Mörder der Letzte sein, der Simone Kohrs lebend sieht. Kurze Zeit später hält ein Auto, Simone steigt ein. Sie hat den Fahrer vermutlich gekannt. Sonst wäre sie nicht eingestiegen, heißt es später in einem Gutachten.

Das Auto des Unbekannten fährt mit Simone in Richtung Stralsund. Kurz vor der Bundesstraße 105 biegt das Fahrzeug in ein Waldstück in der Nähe des kleinen Gehöfts Gehag ab. Vermutlich kannte sich der Mörder in der Gegend aus.

Anhand der Spuren lässt sich das weitere Geschehen detailgenau rekonstruieren: Das Mädchen wird mit Äther betäubt, missbraucht und anschließend ermordet. Sechs Tage nach der grausigen Tat finden Forstarbeiter bei Gehag die Kleidungsstücke von Simone. Vermisst werden noch die Schuhe, die Handtasche und ein Palästinensertuch des Opfers sowie ein blaues Postsparbuch.

War der Fahrer eines hellen Ford der Mörder?

Ins Visier der Fahnder gerät sehr schnell der Fahrer eines hellen Ford. Dieser hatte knapp drei Wochen vor dem Mord an einer Bushaltestelle in Duvendick erfolglos versucht, eine 23jährige Frau in sein Auto zu zerren. Doch das Opfer konnte fliehen. ln der Nahe von Duvendick befindet sich auch der Fundort von Simones Leiche.

Doch trotz aufwendiger Ermittlungen konnte der Fahrer des Fords bis heute nicht gefunden werden. Mehr als 30 dicke Aktenordner haben sich zu den Ermittlungen im Fall "Simone" inzwischen angesammelt. Nichts wurde in den zurückliegenden Jahren unversucht gelassen. Spezialisten des Bundeskriminalamtes (BKA) wurden in die Ermittlungen eingeschaltet. Akribisch untersuchten Psychologen jedes Detail, das vom Mörder bekannt ist und erstellten ein Täterprofil. Ähnliche Gewalttaten im Bundesgebiet wurden mit dem Mord an Simone verglichen. Doch bisher alles ohne zählbaren Erfolg.

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