zur Navigation springen

Dirk Friedriszik : Unehrlicher Genosse gibt Posten ab

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In der Affäre um eine verschwiegene AfD-Mitgliedschaft räumt der SPD-Mann vor den Kollegen nun Fehler ein

svz.de von
erstellt am 28.Mär.2017 | 20:45 Uhr

Die Aussprache der SPD-Landtagsfraktion hinter verschlossenen Türen über die brisante Personalie Dirk Friedriszik dauert eine Stunde. Um 15.30 Uhr werden die Türen zu Raum 479 wieder geöffnet. SPD-Fraktionschef Thomas Krüger verkündet das Ergebnis der Beratung: Der wegen einer verschwiegenen AfD-Mitgliedschaft in die Kritik geratene 45-jährige Parteikollege verzichtet auf seine Posten im Landtag als Vorsitzender im Rechtsausschuss und im Kontrollgremium für den Verfassungsschutz, der Parlamentarischen Kontrollkommission (PKK). „Er hat von sich aus angeboten, beide Ämter niederzulegen und die Fraktion hat angenommen“, fasst Krüger am Dienstagnachmittag das Ergebnis der Sitzung zusammen.

Gegenüber den Genossen hatte Friedriszik laut seines Fraktionschefs eine Erklärung abgegeben und darin einen Fehler eingeräumt. „Er war offenbar Mitglied der AfD“, sagt Krüger. Das sei aber gar nicht der entscheidende Punkt gewesen. Was ihm die Fraktionskollegen in erster Linie übel nahmen und deshalb auf Aufklärung drängten: „Er hat uns nicht die Wahrheit gesagt“, macht Krüger klar.

Eine Mitgliedschaft in der AfD hatte Friedriszik zunächst mit teilweise kruden Erklärungen tagelang vehement abgestritten. Er präsentierte eine Version, wonach er 2013 von der AfD ohne seine Zustimmung zum Mitglied ernannt wurde. Er habe lediglich für Recherchezwecke einen AfD-Newsletter abonniert und daraufhin Zahlungsaufforderungen für Mitgliedsbeiträge erhalten, erklärte der 45-Jährige. Für die Fraktion war die Angelegenheit damit zunächst schon so gut wie aus der Welt. „Der Fall ist für uns erledigt“, hatte ein Fraktionssprecher nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe und Friedrisziks Erklärung verkündet. Eine verfrühte Einschätzung.

In den nächsten Tagen wurde Schriftverkehr zwischen Friedriszik und der AfD öffentlich. Der SPD-Mann nahm seine Aussage zurück. In einer auch an unsere Zeitung verschickten Erklärung schrieb Friedriszik stattdessen: Er wisse nicht mehr, ob er auf einer Internetseite der AfD „den Button ’Mitglied werden’ gedrückt“ habe. Dieses erst auf öffentlichen Druck zustande gekommene Eingeständnis hatte in Fraktion und Partei für Verärgerung gesorgt. Darüber hinaus wurden noch weitere Einzelheiten bekannt, etwa dass Friedriszik der AfD im Jahr 2013 angeboten hatte, sich für die Partei um ein Mandat in der Stadtvertretung seiner Heimatstadt Ludwigslust zu bewerben. Er hatte nach eigenen Angaben aber keine Antwort erhalten.

Ein Fraktionsausschluss des unehrlichen Genossen aus dem Wahlkreis in Ludwigslust stand auf der gestrigen Beratung offenbar aber nicht zur Debatte. Fraktionschef Krüger sagte: „Die SPD ist wie eine Familie. Wenn dort jemand Mist baut, dann schmeißt man ihn nicht 'raus, sondern arbeitet daran, dass das Vertrauen wiederhergestellt wird.“ Friedriszik selbst äußerte sich gestern nicht. Er blieb im Fraktionsraum sitzen.

Die Parteikollegen im Landtag haben die Konsequenzen aus dem Fall gezogen. Aufklärungsbedarf sehen allerdings auch die Genossen außerhalb des Schweriner Schlosses. Am Freitag soll sich Dirk Friedriszik vor einem Kreisparteitag auch gegenüber dem SPD-Kreisvorstand Ludwigslust-Parchim erklären.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen