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Aus für Seebäderschiff : „Undine" droht die Verschrottung

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Das 100 Jahre alte Seebäderschiff „Undine“ wird wohl verschrottet. Am Dienstag lief das Ultimatum des Insolvenzverwalters der Dresdner Schiffs- und Yachtwerft ab, ohne dass das

Schiff vom Werftgelände geholt wurde.

svz.de von
erstellt am 01.Aug.2012 | 06:50 Uhr

Rostock/Dresden | Das Schiffsmodell der "Undine" auf dem Schreibtisch des Rostocker Oberbürgermeisters Roland Methling lässt die Eleganz des einstigen Luxusdampfers erahnen. Aktuell aber ist vom ältesten deutschen Seebäderschiff, das 1910 als "Kronprinz Wilhelm" in Dienst gestellt wurde, nicht mehr als ein verrosteter Schiffsrumpf übrig. "Wäre zu schön gewesen, wenn das Schiff zu seinem 100. Geburtstag vor zwei Jahren wieder flott gewesen wäre", sagt Methling. Am Dienstag lief die Frist ab, das Wrack vom Gelände einer insolventen Werft in Dresden zu verholen. Jetzt wird es wohl verschrottet.

Vor sechs Jahren war der Rumpf des als Dampfschiff gebauten und später zum Motorschiff umfunktionierten Minikreuzliners zum Neuaufbau nach Dresden geschleppt worden. Dort hatte der Rostocker Unternehmer Torsten Müller gerade die insolvente traditionsreiche Laubegastwerft übernommen und versprochen, die "Undine" wieder flott zu machen. Anfang vergangenen Jahres musste er für seine Schiffs- und Yachtwerft selbst Insolvenz anmelden, ohne dass zwischenzeitlich an der "Undine" auch nur ein Handschlag gemacht wurde.

Das Schiff müsse vom Hof, da der Platz gebraucht werde, habe der Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko dem Rostocker Förderverein zur Rettung des Schiffes gesagt, erzählt Vereinssprecher Robert Rosentreter. Das Schiff gehört seit 20 Jahren dem Verein, der die Frist am 31. Juli tatenlos verstreichen lassen musste. "Wir sind handlungsunfähig, haben kaum einen Cent in der Kasse. Erst recht keine 30 000 Euro, um den Rumpf nach Rostock zurückzuholen", sagt Rosentreter.

Weil der Verein auch nicht die geforderten 500 Euro Liegekosten pro Monat aufbringen kann, hat auch er jetzt Insolvenz angemeldet. "Wir können uns nicht der Gefahr aussetzen, aufgrund unserer Zahlungsunfähigkeit womöglich haftbar gemacht zu werden", erklärt der Vereinssprecher. Insolvenzverwalter Danko will jetzt erst einmal die Entscheidung des Rostocker Amtsgerichtes im beantragten Insolvenzverfahren abwarten. "Wir werden das Schiff nicht gleich verschrotten. Aber wir wollen es loswerden und zwar so schnell wie möglich", sagte sein Sprecher.

Oberbürgermeister Methling versucht indessen, die Notbremse zu ziehen. "Wir haben dem eingesetzten neuen Werftchef in Dresden schriftlich mitgeteilt, dass die "Undine" auf der Rostocker Denkmalliste steht. Wer ein Denkmal ungenehmigt verschrottet, auf den können Schadensersatzansprüche von bis zu 1,5 Millionen Euro zukommen", sagt er.

Dennoch sei eine schnelle Entscheidung nötig. Auf der Bürgerschaftssitzung im Oktober will Methling nun darüber abstimmen lassen, ob Geld für den Erhalt der "Undine" aus der Stadtkasse bereitgestellt wird oder das Schiff tatsächlich verschrottet werden soll. In diesem Fall obliegt die letzte Entscheidung allerdings der Oberen Denkmalbehörde.

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