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Valluhn : „Und wenn es nur ein Leben rettet“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Heike Cillwik aus Valluhn nutzte ein altes Auto als legale Schikane gegen Raserei im Dorf und erlebte nun den Vandalismus

Sie hat nichts Unrechtes getan. Heike Cillwik aus Valluhn hatte die Raserei in ihrem Dorf und ihre Hilflosigkeit satt. Sie kaufte sich ein altes Auto, ließ es zu und parkte es dauerhaft auf der Dorfstraße in Richtung Gallin. Jetzt haben Unbekannte den Golf mit Hamburger Kennzeichen besudelt und mit Farbe beschmiert, der Schaden liegt bei 1000 Euro. Doch Heike Cillwik will dennoch nicht aufgeben, sie hat eine Belohnung für Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung der Täter führen.

Spätestens früh um 5 Uhr geht es los mit der Jagerei vieler Autofahrer in Richtung Hamburg. Denn Valluhn, früher im abgeriegelten Sperrgebiet gelegen, ist vor allem für Pendler seit der Eröffnung der Autobahnauffahrt Gallin zur Rennstrecke geworden. „Sie machen sich keine Vorstellung, mit welchem Tempo hier einige reinkommen. Dagegen wollte und will ich etwas tun. Und wenn es nur ein Leben rettet, egal ob Mensch oder Tier, dann habe ich doch schon etwas gekonnt“, erzählt die 67-Jährige, die einst aus Hamburg ins Dorf kam.

Das Prinzip ist einfach. Das Auto steht ganz normal auf der Dorfstraße geparkt und zwingt die Autofahrer die stehende Schikane zu umkurven. „Das hat nicht lang gedauert, da wurde gehupt und geschimpft, aber ich hatte das Gefühl, dass es den Verkehr zumindest hier etwas verlangsamt hat.“ Doch nun ist die Wut bei einem oder einigen Autofahrern in offenen Haß umgeschlagen. In der Nacht zum Montag wurde der alte silberne Golf sehr ausgiebig mit schwarzer und orangeroter Signalfarbe besprüht, zusätzlich wurde in das Auto noch eine Warnbake geklemmt. Ja, es sehe schlimm aus, weiß Heike Cillwik, aber sie werde weitermachen. Nur muss sie das Auto reinigen lassen, denn zur Zeit kann sie wegen der zugesprühten Scheiben nicht fahren. Und fahrbereit muss das Auto sein.

Die endlose Parkerei auf der Dorfstraße – das Auto steht erst seit wenigen Wochen auf der Valluhner Straße – ist grundsätzlich legal. Das bestätigte gestern auch Polizeihauptkommissar Ralf-Peter Hirsch, der Verkehrsexperte der Polizeiinspektion Ludwigslust auf Nachfrage. Solange kein Parkverbot oder eine andere Beschränkung gelte, sei das nicht zu kritisieren. Offenkundig gibt es auch in Valluhn den Irrglauben, die Autofahrer hätten ein Recht auf freie Ortsdurchfahrt.

Die Aktion von Heike Cillwik ist im Dorf sehr umstritten. Einige Nachbarn erklären im Gespräch mit der Redaktion, dass das alles nichts bringe und das geparkte Auto die Sache noch gefährlicher gemacht habe. Es gab sogar Tage, da hatten besorgte Anwohner wegen des geparkten Autos gleich mehrfach die Polizei alarmiert. Doch das Auto war angemeldet und versichert und durfte dort stehen. Nur die Nummernschilder mussten angenietet werden, weil sie von Wütenden zuvor schon abgerissen worden waren.

Bürgermeister Marko Schilling fand die Aktion privat nicht ganz so schlimm, kennt aber die Stimmung im Dorf. „Ich finde es feige, was da passiert ist. Wenn man schon dagegen ist, dann sollte man den Mut haben, das direkte Gespräch zu suchen und nicht einfach das Auto zu beschädigen.“ Das Problem der Raserei in Valluhn, aber auch in Lüttow und Schadeland ist nicht wegzudiskutieren. Die Gemeinde, so Schilling, leide unter dem zunehmenden Durchgangsverkehr in Richtung Autobahn. Daher gäbe es den Beschluss der Gemeindevertretung, für alle Dorfstraßen eine verkehrsberuhigte Zone mit Tempo 30 zu schaffen. „Ich habe nicht die Illusion, dass sich alle dran halten, aber ich glaube schon, dass dann wenigstens mit 50 km/h durch unsere Dörfer gefahren wird und nicht mit 70 und mehr.“ Der Antrag der Gemeinde liegt derzeit beim Landkreis zur Genehmigung.

Heike Cillwik, die auch ein buddhistisches Zentrum im Dorf betreibt, will trotz aller Diskussionen derweil weitermachen. „Zur Not kaufe ich mir noch ein Auto und stelle es hin.“

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erstellt am 20.Jul.2016 | 05:00 Uhr

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