Nach der WM : Und was jetzt?

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Vier Wochen WM-Party sind vorbei / Die Rückkehr zum Alltag fällt schwer

svz.de von
16. Juli 2014, 07:45 Uhr

Die Deutschland-Farben aufs Gesicht gemalt und bis in die Puppen mitgefiebert – ob Verlängerung oder Elf-Meter-Schießen, der Fernseher blieb bei uns zu Hause bis zur letzten Minute an. Da spielte es keine Rolle, wie früh wir aus den Federn mussten. Auch die tiefsten Augenringe und die schwersten Füße am nächsten Morgen konnten nicht davon abhalten, nur eine Minute von der Fußball-Weltmeisterschaft des Jahrhunderts zu verpassen.

Doch was jetzt? Mario Götze hat am Sonntag sein grandioses WM-Tor gegen Argentinien geschossen, Sebastian Schweinsteiger und Christoph Kramer haben ihre Wunden versorgt und nun soll schon wieder alles Geschichte sein? Vier Wochen lang herrschte Ausnahmezustand zwischen Couch und Küche und jetzt soll wieder grauer Alltag einkehren? Nicht mit mir. Das kann und will ich nicht wahrhaben.

Die ganze Familie hat sich extra mit überteuerten WM-Trikots eingekleidet und das Wohnzimmer mit allen möglichen Asseccoires ausgestattet. In den vergangenen Wochen haben wir fast täglich eine private WM-Feier in unseren Vier-Wänden gefeiert. Söhnchen Henry hat dabei gleich noch etwas für sein Köpfchen getan und seinen Wortschatz erweitert: „Deutschland, olé, olé!“

Trotzdem, so schwer es mir und allen anderen Fans fallen mag, langsam müssen wir uns wohl eingestehen, dass alles Schöne auch mal ein Ende hat. Damit aber der Trainingslager-Blues gar nicht erst ausbricht, wie ihn die Kölner Sportpsychologin Babett Lobinger (47) nennt – die Traurigkeit nach dem Sieg, dem Fußballgipfel – hat sie einen Tipp parat. Sie rät, die Weltmeisterschaft langsam mental zu verarbeiten. Am besten funktioniere das, indem man das Kopfkino anwirft und Erinnerungen portionsweise im Gedächtnis einfriert. Bei Gelegenheit können die Eiswürfel einzeln aufgetaut und das Gefühl, das damit verbunden wird, zurückgeholt werden. Ich habe damit gleich angefangen und die gestrige Begrüßung der Nationalmannschaft in Berlin eingefroren. An einem besonders grauen Tag, taue ich diese Erinnerung dann auf. Also wahrscheinlich gleich morgen. In der Hoffnung, dann gleich fröhlicher gestimmt zu sein, kann ich dann auch der drohenden, häuslichen Verwahrlosung entgegenwirken. Dann heißt es also: In die Hände spucken und das Haus auf Vordermann bringen. Ist das richtige Leben erstmal eingekehrt, fangen die grauen Zellen bestimmt auch wieder an, im Normal-Modus zu laufen.

Lobingers Rat befolgend, habe ich auch jedes einzelne deutsche Tor der sieben WM-Spiele einzeln abgespeichert und werde sie Tor für Tor auftauen. In Erinnerungen schwelgen: das erste Tor von Thomas Müller, das zweite von Mats Hummels gegen Portugal, ein Kopfballtor. Erinnern Sie sich?

Und dann gibt es da ja auch noch ein paar andere Dinge, die in den letzten Wochen zu kurz kamen. Nach den ausgiebigen Trinkgelagen kann ein bisschen Sport nur gesund sein. Statt anderen beim Schwitzen zuzuschauen, ist Jogging, Fitness oder auch Fußball eine willkommene Abwechslung. Wer das Feiern nicht lassen kann, sollte bei Festivals in der Umgebung weiter die Puppen tanzen lassen. Der Festival-Sommer ist in vollem Gange. Nächster Termin ist ab morgen das Airbeat One auf dem Flugplatz in Neustadt-Glewe. Wer es ruhiger angehen will, kann einfach seinen Schlaf nachholen.

Zum Glück ist die Fußballpause nicht zu lang. Die Bundesliga steht bevor und die Europameisterschaft ist gefühlt schon übermorgen. Wer es so lange aber nicht aushält, kann ja bei der Tour de France oder der Handball-WM mitfiebern.

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