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Mecklenburg-Vorpommern

15. Dezember 2017 | 22:45 Uhr

Und plötzlich war die Bank weg

vom

svz.de von
erstellt am 25.Mai.2010 | 07:12 Uhr

Malliß | Wenn Enrico Kitzmann einmal schläft, dann kann ihn so leicht nichts wecken. "Aber der Knall war so heftig, dass ich fast im Bett stand ", sagt der 32-Jährige. Es ist 2 Uhr am Dienstagmorgen, als er verschreckt vor die Tür geht und ihm beißender Gasgeruch in die Nase steigt. Auf einem Parkplatz auf der anderen Straßenseite sieht er eine brennende Baumaschine. Er sieht Polizei und Feuerwehrleute, die gerade eingetroffen sind, den Verkehr stoppen und das Gelände absperren. Was er nicht mehr sieht, das ist der rechte Flügel eines Geschäftshauses, in dem eine Bank ihre Filiale untergebracht hat und der eigentlich noch direkt neben seinem Wohnhaus stehen müsste. Die Bank ist verschwunden, sie ist, so wird die Polizei später vermuten, von Räubern in die Luft gesprengt worden.

Ein paar Stunden später wühlt sich ein Bagger durch das, was von der Bank übrig geblieben ist. Personenspürhunde waren schon vorher da, um die Berge aus Stein, Holz und Metall nach Menschen zu durchschnüffeln. Fündig sind sie nicht geworden. Männer in Uniformen des THW, der Feuerwehr und des Munitions-Bergungsdienstes ziehen jetzt ramponierte Ordner zwischen den Trümmern hervor. Volker Mahnke, Vorstandsmitglied der Volksbank Osterburg-Lüchow-Dannenberg steht hinter dem Absperrband und schaut auf die Reste einer seiner Filialen und auf das, was noch an Akten und Papieren gerettet werden kann. "So etwas Dreistes habe ich noch nicht erlebt", sagt er. Mit dieser Aussage steht er nicht alleine da.

Neben ein paar verbeulten Dachrinnen, verbogenen Bürostühlen und einem verformten Drucker liegt eine große Uhr, die vormals ihren Platz auf dem Parkplatz vor dem Bankgebäude hatte. Die Zeiger sind stehengeblieben: Die Zeit: 1.53 Uhr. Das war vermutlich der Moment, als die Explosion erfolgte, als Sprengstoff, vielleicht auch Benzin, Sauerstoff oder Acetylen die Detonation auslösten. Mittlerweile hat sich der Verdacht erhärtet, dass die Täter gezielt eine Substanz vor dem Eingang der Filiale deponiert hatten. "Wir haben aber noch keinen klaren Handlungsablauf", sagt Ingo Renk, Leiter der Polizeiinspektion Ludwigslust. Was jedoch klar ist: Geld erbeuteten die Täter nicht.

Unbeeindruckt von den Geschehnissen der vergangenen Nacht steht mitten im Schutthaufen ein wuchtiger, hellgrauer Panzerschrank. Der Safe ist fest verschlossen und so gut wie unversehrt. Daneben liegen die Reste eines Geldautomaten, den die Kriminalpolizei für ihre Ermittlungen sicherstellt. Genau wie die verkohlten Überreste der Baumaschine. Die Kassette des Automaten ist auch in Mitleidenschaft gezogen worden. An den Scheinen ist die Explosion nicht spurlos vorüber gegangen, und es muss geprüft werden, ob sie weiter in Umlauf bleiben können. "Das Geld", sagt Bank-Vorstandsmitglied Mahnke, "ist aber komplett".

Enrico Kitzmann steht wieder vor seiner Haustür und schaut zu, wie Autos auf der B 191 abbremsen, um sich die Bank-Ruine anzusehen. Der versuchte Raub ist Tagesthema, nicht nur in Malliß. TV-Teams waren schon da, im Radio wird in den Nachrichten vom spektakulären Bankraub-Versuch berichtet. Ein Auge zugemacht hat Kitzmann nach dem großen Knall nicht mehr. Ein Gasleck am zerstörten Gebäude musste abgedichtet werden, deshalb durfte er ein paar Stunden lang nicht zurück in seine Wohnung. Viele andere Nachbarn mussten ihre Häuser auch verlassen. Später hat er dann erst einmal seine Versicherung angerufen. Die Explosion hatte Steine durch die Luft gewirbelt. Einige haben sein Auto getroffen und dicke Beulen in der Karosserie hinterlassen. "Ein Hinterhof weiter steht ein Wagen ohne Heckscheibe", sagt Kitzmann und greift dann zu seinem klingenden Handy. "Die Versicherung wird wohl zahlen", sagt er erleichtert. Versicherung, das ist auch für Volker Mahnke von der Volksbank ein Thema. Der zerstörte Teil des Gebäudes gehört seiner Bank. Der Schaden gehe in die Hunderttausende, vermutet er. Ob die Filiale an gleicher Stelle wieder aufgebaut wird, das wisse er noch nicht: "Wir müssen das Ganze jetzt erst einmal verdauen und dem Hersteller des Safes sagen, dass er gute Arbeit geleistet hat."

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