Staatstheater Schwerin : „…und jedermann erwartet sich ein Fest“

Das neue Leitungsteam des Mecklenburgischen Staatstheaters: Operndirektor Toni Burkhardt, Thomas Ott-Albrecht (Intendant Junges Staatstheater Parchim), Generalintendant Lars Tietje, Ballettdirektorin Jutta Ebnother, GMD Daniel Huppert, Schauspieldirektor (o.v.l.) sowie Martin Nimz und Rolf Petersen (Direktor der Fritz-Reuter-Bühne, sitzend v.l)
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Das neue Leitungsteam des Mecklenburgischen Staatstheaters: Operndirektor Toni Burkhardt, Thomas Ott-Albrecht (Intendant Junges Staatstheater Parchim), Generalintendant Lars Tietje, Ballettdirektorin Jutta Ebnother, GMD Daniel Huppert, Schauspieldirektor (o.v.l.) sowie Martin Nimz und Rolf Petersen (Direktor der Fritz-Reuter-Bühne, sitzend v.l)

„Faust“ im Dreierpack und ein neuer Name für das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin - Was die Neuen 2016/17 vorhaben

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09. Juni 2016, 12:00 Uhr

Wenn das kein Selbstbewusstsein ist. In der „Faust“-Hochburg Schwerin, wo noch der größte Theatermuffel von der legendären Inszenierung Christoph Schroths schwärmt, will die neue Leitung des Mecklenburgischen Staatstheaters die Spielzeit mit dem ersten Teil des „Faust“ beginnen. Auch das Musiktheater schickt mit Charles Gounods beliebter Oper „Margarethe“ einen Faust ins Rennen. Und das Junge Staatstheater Parchim, das mit dem Schweriner Theater fusioniert, steuert seinen „Faust – Ein Solo“ bei.

Die Fusion mit den Parchimern, die bekanntlich auf Kinder- und Jugendtheater spezialisiert sind, ist auch der Grund für den neuen Namen des Mecklenburgischen Staatstheaters – das Schwerin fällt weg. Am 1. August, zeigte sich die Schweriner Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow gestern überzeugt, wird die neue Theater-GmbH starten. Gesellschafter werden das Land MV (74,9 Prozent), Schwerin (10 Prozent), Parchim (5,1 Prozent) und der Kreis Ludwigslust-Parchim (10 Prozent sein). Doch der Zahlen sind genug gewechselt…

Worauf nun können wir uns in der kommenden Spielzeit freuen? Auf immerhin 18 neue Ensemblemitglieder, zwei Sänger, fünf Tänzer und elf Schauspieler, die sich genau wie ihre Spartenchefs ein Gesicht erspielen müssen – zumal viele Theaterfreunde ihren scheidenden Lieblingen hinterhertrauern mögen. Einige weitere Stellen, so der künftige Generalintendant Lars Tietje, würden im Laufe der Spielzeit mit Gästen besetzt.

Der Spielplan lässt in allen Sparten auf eine spannende Saison schließen. Neben dem „Faust“ im Großen Haus lässt Schauspieldirektor Martin Nimz am selben Wochenende Kleists bewährtes Lustspiel „Der zerbrochene Krug“ folgen. Bulgakows „Hundeherz“ rundet den Premierenmarathon ab – eine russische Satire, inszeniert von einer iranischen Regisseurin. Auch Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“, Brechts „Leben des Galilei“ und Ferenc Molnárs „Liliom“ lassen nicht den Eindruck aufkommen, das Schauspiel wolle sich als Hort des Gegenwartstheaters verstehen. Immerhin dürfte das Berliner Regiekollektiv „Prinzip Gonzo“ mit dem Projekt „Umsiedeln“ an einem verwunschenen Ort irgendwo in Schwerin für frischen Wind aus der freien Szene sorgen. Auch Weihnachtsmärchen und Sommertheater warten mit Klassikern auf: „Pinocchio“ für Kinder und „Don Quijote“ open air.

Operndirektor Toni Burkhardt will mit vier eigenen Regiearbeiten das Publikum „zum Lachen und Weinen“ bringen. Nach einer Operngala präsentiert er mit Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ den „Inbegriff des Musiktheaters“. Der Klassiker und Garant für ein volles Haus – „My Fair Lady“ – wird als spartenübergreifende Inszenierung präsentiert. Auch Cole Porters Swing-Komödie „Anything Goes“ dürfte die Herzen von Musical-Fans begeistern.

Nach den drei großen Verdi-Opern bei den Schlossfestspielen soll 2017 die „West Side Story“ Einheimische und Touristen auf den Alten Garten locken. „Ein neuer Akzent“, so Burkhardt. „Es sollen aber in den folgenden Jahren keine Musicalfestspiele werden. Es wird auch wieder Opern geben.“

Die neue Ballettdirektorin Jutta Ebnother wird auf einer Ballettgala mit ihren zwölf Tänzern aus acht Ländern plaudern und einen Ausblick auf ihre Arbeit geben – einen großen „Ravel“-Abend z. B. und zwei Uraufführungen im E-Werk.

Die Fritz-Reuter-Bühne, die erst nach dem Bau eines neuen Theaters nach Parchim ziehen wird, feiert ihren 90. Geburtstag im November u.a. mit dem berührenden Versepos von Fritz Reuter „Kein Hüsung“ und drei Kinoabenden im Konzertfoyer, bei denen alte TV-Inszenierungen des DDR-Fernsehens gezeigt werden.

Das Junge Staatstheater wird sich mit vier erprobten Parchimer Inszenierungen im Schweriner E-Werk vorstellen, u.a. der „Geschichte von Lena“ zum Thema Mobbing.

Im Konzertprogramm legt GMD Daniel Huppert neben sieben großen Sinfoniekonzerten und Klassikern wie Beethovens 9., dem Neujahrskonzert oder den „MeckProms“ großen Wert auf Konzerte für Kinder, Familien und Schulklassen. Auch die beliebten Konzerteinführungen und die moderierten Konzerte am Montag wird es wieder geben.

Ansonsten bleibt vorerst nur die Abwandlung eines berühmten Trainerspruchs: Die Wahrheit liegt auf der Bühne.

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