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Filmkunstfest MV : Und der Rabbi schrieb und schrieb

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

131 Filme an sechs Tagen: Das 26. Filmkunstfest MV begeisterte mit Geschichten aus der realen Welt und der Welt der Bilder

Wie viele Stars oder gar Superstars hatte dieses 26. Filmkunstfest MV, das am Sonntag zu Ende ging? Das Festival jedenfalls stellte nach der Eröffnungsgala in einer Pressemitteilung den früheren Landesrabbiner William Wolff in eine Reihe mit George Clooney und Johnny Depp. Na ja. Dennoch hatten Filmfestchef Volker Kufahl und sein Team mit dem Film   „Rabbi Wolff“ gleich für einen furiosen Start gesorgt. Der 89-jährige Rabbi wurde gefeiert und signierte noch nach Mitternacht seine Bücher.

Auch der chinesische Investor Jonathan Pang, kurioser Held des Dokfilms „Parchim International“, erschien persönlich und sorgte für einen ausverkauften Saal. Sollten seine milliardenschweren Träume von Parchim als Welthauptstadt des Flugwesens doch einmal wahr werden, wäre er bestimmt auch als Sponsor des Filmkunstfestes willkommen.

Für Staralarm sorgte natürlich Christine Schorn, die bei der großen Abschlussgala mit dem Ehrenpreis „Goldener Ochse“ ausgezeichnet wurde. Moderator Knut Elstermann wähnte die 72-jährige Schauspielerin „auf der sicheren Seite der Filmgeschichte“. Regisseur Dietmar Hochmuth pries in seiner anekdotischen Laudatio ihre „Kunst des Weggesprochenen“, die noch jeder Rolle einen besonderen Schliff zu verleihen vermag. Während die Schorn selbst, mit dem Ehrenpreis in der Hand, versprach, sich auch künftig nicht zum Affen machen zu lassen oder zur Schnecke, auf deren Schleimspur man leicht ausrutschen könne.

Bevor wir uns dem neuesten Klatsch aus der Filmszene widmen, die nüchterne Festivalbilanz in Zahlen. 131 Filme, davon neun Welt- und zehn Deutschlandpremieren. Und trotz Traumwetters 17.000 Besucher – im Jubiläumsjahr 2015 waren es 18.000.

Festivalchef Volker Kufahl sieht damit seine Strategie bestätigt, durch mehr Vielfalt, aktuelle europäische Filme und auch politische Diskussionen neues Publikum zu gewinnen. Darum wird es auch 2017 wieder die Reihe „Focus Baltic Sea“ mit Filmen aus den Ostseeländern geben. Auf dem Festival in Cannes will Kufahl in dieser Woche besonders Produktionen aus südeuropäischen Ländern ins Visier nehmen. Dürfen wir uns also auf spanische oder italienische Filme freuen?

„24 Wochen“, der Wettbewerbsfilm, über den am meisten diskutiert wurde und der vielen Tränen in die Augen trieb, gewann verdient gleich drei Preise, u.a. den SVZ-Publikumspreis. Mit dem Hauptpreis, dem „Fliegenden Ochsen“, wurde „Thank You For Bombing“ geehrt. Erzählt werden Geschichten von Kriegsreportern – „aus der wirklichen Welt und der Welt der Bilder“, wie die Jury anmerkte.

Vielleicht trügt der Eindruck, aber zumindest im Wettbewerb gab es viele verrätselte Filme, deren Helden immer eine Spur neben der Realität treiben. Der Dokfilmwettbewerb kam welthaltig wie lange nicht daher.

Und sonst? Die Jurys waren u.a. mit Regisseur Winfried Junge und den Schauspielerinnen Julia Jäger und Inka Friedrich prominent besetzt. Junge verriet, dass die Regisseurin Simone Gaul derzeit einen Film über Flüchtlinge mit dem Titel „Die neuen Kinder von Golzow“ dreht. Kohlhaase dachte laut über den Misserfolg des Dresen-Films „Als wir träumten“ nach, für den er das Drehbuch geschrieben hatte. Katrin Sass kam direkt von Dreharbeiten zum vierten Usedom-Krimi nach Schwerin und freut sich für 2017 auf Dreharbeiten zu einer neuen Folge der ARD-Serie „Weißensee“. Die Schauspielerin Luise Heyer, die gleich mit zwei Filmen in Schwerin war, besuchte am Freitag ihre alte Schauspielschule in Rostock, und der Dokfilmer Dieter Schumann, gleichfalls mit zwei Filmen beim Festivals, arbeitet derzeit an einem Kinofilm über „Die Magie der Wälder“.

Welches Urteil wird einem Festival gerecht, das Besucher aus ganz Deutschland anlockte? Was Wolfgang Kohlhaase generall über Filme sagte, mag wohl auch für Filmfestivals gelten: „Es gibt keine Filme ohne Fehler. Die besseren Filme haben nur weniger Fehler.“

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