Forschungsboot : Unbemannt auf hoher See

Das Seefahrzeug besteht aus leichten Aluminiumplatten. Auftraggeber ist das Institut für Automatisierungstechnik der Universität Rostock.
Das Seefahrzeug besteht aus leichten Aluminiumplatten. Auftraggeber ist das Institut für Automatisierungstechnik der Universität Rostock.

Forschungsfahrzeug soll Tauchroboter überwachen. Einsatz für 2016 geplant.

svz.de von
15. November 2014, 08:35 Uhr

Ein neuartiges Forschungsboot ist dieser Tage im Sassnitzer Unternehmen Rean GmbH auf Kiel gelegt worden. „Das Fahrzeug ist hochseetauglich und in der Lage, auf dem Meer bis zu einer Woche auf sich allein gestellt zu operieren“, sagt Martin Kurowski, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Automatisierungstechnik der Uni Rostock und Auftraggeber für den Bau. Das Seefahrzeug ist Teil des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Meerestechnik-Projektes SMIS (Subsea Monitoring via Intelligent Swarms). Es soll vom Meeresspiegel aus die Arbeit selbstständiger Tauchroboter überwachen, die wiederum den Meeresgrund erforschen und kartieren. Vom Ozeangrund in durchschnittlich 4000 Metern Tiefe ist weniger als fünf Prozent bisher erforscht.

An dem Forschungsauftrag zur Erkundung des Meeresbodens arbeitet das Institut für Automatisierungstechnik gemeinsam mit mehreren Partnern aus Wissenschaft und Industrie, so unter anderem mit der Enitech GmbH in Bentwisch und dem Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde.

Das in der Entwicklung befindliche SMIS-System umfasst ein Oberflächenfahrzeug sowie zwei Unterwasserfahrzeuge und eine Unterwasserbodenstation. „Mit diesem System ist es künftig auch möglich, zum Beispiel den Abbau von Rohstoffen wie Manganknollen aus dem Meer vorzubereiten und zu kontrollieren“, sagt Kurowski. Da sich die selbstständig operierenden Tauchroboter unter der Wasseroberfläche nicht orientieren können, sind sie in ständigem Kontakt mit dem Seefahrzeug. Das ermittelt permanent über das GPS-Navigationssystem die Positionsdaten und übermittelt diese durch akustische Signale an die autonomen Unterwasserfahrzeuge. Über einen Datenabgleich kann jeder Tauchroboter den Kurs seiner Erkundungsfahrt selbstständig halten und korrigieren.

Die Universität Rostock hat Rean mit dem Bau des Oberflächenfahrzeugs beauftragt, weil „das Sassnitzer Unternehmen über praktische Erfahrungen mit dem innovativen Werkstoff Aluminiumschaum verfügt. Die erforderliche Ausrüstung kann so auf dem nur vier Meter langen und 70 Zentimeter breiten Fahrzeug untergebracht werden. Es wird auf Basis eines Hybrid-Energiekonzeptes arbeiten, bestehend aus Batterie und Brennstoffzelle. „Der Rumpf wird aus Aluminiumverbundplatten bestehen“, erläutert Rean-Geschäftsführer Rainer Käning. Zwischen zwei dünnen Aluminiumplatten wird Aluminiumpulver gepresst, das aufschäumt wird und im Verbund mit den Platten eine extrem leichte Bauplatte ergibt. Das Material sei unheimlich interessant für den Schiffbau.

Mit dem Seefahrzeug werde zum ersten Mal ein praxistaugliches Referenzobjekt geschaffen. Laut Kurowski soll der Prototyp im nächsten Jahr auf dem Meer seine Praxistauglichkeit unter Beweis stellen.

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