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Absurd oder attraktiv? : Umzugsprämie für Senioren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die IG Bau fordert vom Staat, älteren Mitbürgern 5000 Euro für den Auszug aus einer großen Wohnung zu zahlen

Klaus Schneiders lebt über seine Bedürfnisse. Das sagt der 75-Jährige ganz frei heraus: „Ein Drittel meiner Wohnung nutze ich nicht.“ Seine Frau ist vor einem Jahr gestorben, seitdem lebt er allein in einer 93-Quadratmeter-Wohnung bei Köln. Nur für ihn sei das eigentlich viel zu groß.

Schneiders wäre wohl ein typischer Kandidat für einen Vorstoß der IG Bau, der gestern eine Debatte auslöste: Bis zu 5000 Euro könnte der Staat älteren Menschen als Umzugsprämie für den Wechsel von einer großen in eine kleinere Wohnung zahlen, schlug Gewerkschaftschef Robert Feiger in der „Bild“-Zeitung vor. „Viele Senioren sitzen im Alter in ihren großen Wohnungen fest, viele Familien müssen dagegen in viel zu kleinen Wohnungen wohnen.“ Natürlich dürfe kein Druck auf die Senioren ausgeübt werden.

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes haben alleinstehende Senioren im Schnitt 78,4 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung. Ein Paar mit mindestens einem Kind kommt pro Person auf lediglich 30,2 Quadratmeter.

Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) reagiert ablehnend: Zwar gebe es zu wenig bezahlbaren Wohnraum für Familien mit Kindern. „Ich halte diesen Vorschlag aber nicht für geeignet, dieses Problem zu lösen.“ Besser sei es, Wohnungen altersgerecht umzubauen.

Der Vorsitzende des Immobilienverbands Deutschland IVD West, Ralph Pass, spricht gar von einem „absurden Vorschlag“. Gerade in Großstädten wie Köln herrsche ein akuter Mangel an bezahlbaren, barrierefreien Ein- und Zweizimmer-Wohnungen. Außerdem reiche eine Summe von 5000 Euro hinten und vorne nicht aus.

Aus Sicht von Klaus Schneiders könnte so ein Betrag ein guter Anreiz sein. „Ich frage mich schon, ob ich meine Wohnung nicht anderen zur Verfügung stellen könnte, die mit weniger Platz auskommen müssen“, sagt der 75-Jährige. Doch seine Kinder wohnen gleich um die Ecke und helfen ihm im Alltag. Das habe bei der Wahl für die Wohnung eine entscheidende Rolle gespielt.

„Die älteren Menschen bleiben in ihren Wohnungen, weil sie sich dort wohlfühlen – nicht weil ihnen das Geld für einen Umzug fehlt“, meint Kai Warnecke, Hauptgeschäftsführer des Eigentümervereins Haus & Grund Deutschland. „Viele Ältere möchten gerne in ihrem gewohnten Umfeld bleiben“, bestätigt Ursula Lenz, Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (Bagso)  in Bonn. „Wenn die neue Wohnung allerdings barrierefrei und bezahlbar ist und gut liegt, könnte das für Einzelne vielleicht durchaus attraktiv sein.“ Jedoch seien neue kleinere Wohnungen in Großstädten oft nicht günstiger als große.

Das gibt auch der Deutsche Mieterbund zu bedenken. Häufig stellten sich Mieter schlechter, wenn sie von einer großen in eine kleine Wohnung umziehen. Deshalb sei eine Mietpreisbremse wichtig, betont Sprecher Ulrich Ropertz. Grundsätzlich finde er eine Umzugsprämie aber in Ordnung.

Für den Staat sei es billiger, Umzüge zu fördern, als neue große Wohnungen bauen zu müssen, sagt der Bochumer Sozialwissenschaftler Prof. Volker Eichener. Jedoch müssten die alten Menschen auch ausreichend beraten und in praktischen Fragen rund um den Umzug unterstützt werden. „Dann kann das funktionieren.“

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