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Göldenitzer Moor wichtig für Klima- und Artenschutz : Umweltschützer wollen Torfabbau stoppen

vom

42 Prozent des Torfs, der in Deutschland zu Blumen- und Gartenerde verarbeitet wird, kommen aus MV. „Mit dem Abbau werden Moore zerstört“, sagt Arndt Müller anlässlich des Weltumwelttages.

svz.de von
erstellt am 05.Jun.2011 | 10:24 Uhr

42 Prozent des Torfs, der in Deutschland zu Blumen- und Gartenerde verarbeitet wird, kommen aus Mecklenburg- Vorpommern. "Mit dem Abbau werden Moore zerstört, während das Land andererseits ein hervorragendes Moorschutzprogramm betreibt", sagte der Naturschutzexperte der Umweltorganisation BUND, Arndt Müller, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa vor dem Weltumwelttag am Montag.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz fordert den Stopp des Torfabbaus. Moore spielen Müller zufolge als Speicher von Kohlendioxid eine wichtige Rolle im Klima- und Artenschutz.

Stattdessen lande der Torf auf Gartenbeeten und in Blumentöpfen. Dafür eigne sich genauso gut Komposterde. "Es ist eigentlich unerklärlich, dass Moore noch abgebaut werden", sagte Müller.

Bundesweit setze die Torfgewinnung rund zwei Millionen Tonnen CO2 jährlich frei.

In acht Tagebauen in den Kreisen Nordwestmecklenburg, Bad Doberan, Nordvorpommern und Mecklenburg-Strelitz würden pro Jahr bis zu 120 000 Kubikmeter Torf gewonnen. Die Genehmigungen dafür erteilten das Bergamt Stralsund sowie die Forst- und Naturschutzbehörden. "Zwei Tagebaue sollen jetzt erweitert werden", sagte Müller. Bei Breesen am Schaalsee will die Firma Lübke Nordtorf 29 Hektar Wald roden.

"Allein im Göldenitzer Moor bei Rostock sollen 63 Hektar Wald abgeholzt werden." Dort baue die Rostocker Humus & Erden GmbH Torf ab. Der Birken-Kiefern-Moorwald speichere im Jahr 572 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid. Der Status Naturschutzgebiet für das Göldenitzer Moor sei eine Farce, weil das Moor systematisch zerstört werde. In dem Gebiet sind laut BUND sieben Fledermausarten nachgewiesen, außerdem Kreuzotter, Ringelnatter, Waldeidechse, verschiedene Frösche, Erdkröten und Libellen.

Die Gutachter gehen nach Ansicht Müllers von falschen Voraussetzungen aus. So halten sie den Eingriff in das Göldenitzer Moor für "klimatechnisch ausgeglichen", da der Torf wieder nachwachse und zwar in 100 Jahren um einen Meter. "Das ist absurd", sagte Müller. "Im Idealfall wächst der Torf um einen Millimeter pro Jahr, also einen Meter in 1000 Jahren." Zudem berechneten die CO2-Speicherfähigkeit zu gering.

Es sei auch noch nie gelungen, ein abgetragenes Moor eins zu eins zu revitalisieren. Das sei nur bei Mooren möglich, die nur teilweise entwässert wurden, wo aber der Torfkörper noch erhalten sei. In Torftagebauen werde die drei oder mehr Meter dicke Torfschicht teilweise bis auf 50 Zentimeter abgetragen. Komme dann Wasser darauf, würden sich zwar bald Wollgras und andere Gräser ansiedeln. "Das sieht auf den ersten Blick schön aus, ist aber eigentlich eine ziemliche Wüste", meinte Müller. "Moore sind sehr komplex", sie enthielten eine Vielfalt unterschiedlicher Lebensräume.


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