25 Jahre, 25 Köpfe : Umtriebiger Erzähler

Brun ist Vorsitzender der Gillhoff-Gesellschaft.
Brun ist Vorsitzender der Gillhoff-Gesellschaft.

Als Herausgeber von „Vos un Haas“ bewahrt Hartmut Brun niederdeutsche Literatur

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25. August 2015, 12:00 Uhr

Dömitz Im nächsten Jahr begeht Hartmut Brun ein kleines Jubiläum. Dann sind es immerhin 20 Jahre, dass er den Norddeutschen Heimatkalender „Voß un Haas“ als Herausgeber betreut. Zu vermuten aber ist, dass er den Anlass weniger feiern, vielleicht eher in einer stillen Stunde in seinem „Häuhnerstall“ gedenken wird. So nennt er scherzhaft Arbeitszimmer und Bibliothek im heimischen Polz, in dem das liebe Federvieh tatsächlich einmal sein Domizil hatte.

Publizistische Tätigkeit war dem eben 65 Jahre alt gewordenen gebürtigen Dömitzer nicht unbedingt in die berufliche Wiege gelegt. Aber der gelernte Stahlschiffbauer liebte es, sich mit dem Schaffen Mecklenburger Autoren und der Geschichte der Griesen Gegend zwischen Dömitz und Hagenow zu beschäftigen. Sein diesbezügliches Jagdrevier war oft die Festung an der Elbe, auf der auch Fritz Reuter seine legendäre „Festungstied“ verbrachte.

Brun: „Über Fritz Reuter und Richard Wossidlo wusste man zu DDR-Zeiten schon ganz gut Bescheid. Nicht aber über Autoren und Schriftsteller wie Johannes Gillhoff und Richard Giese. Deren Wirken und Arbeiten haben mich schon zu Schulzeiten nicht mehr losgelassen. Ich habe außerhalb meiner beruflichen Tätigkeit damit begonnen, mich deren Schaffen zu widmen und es zu beschreiben.“ Veröffentlicht hat er erstmals im „Norddeutschen Leuchtturm“, einer Wochenendbeilage der Regionalzeitung der damaligen Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands. Zensur in irgendeiner Weise habe er diesbezüglich nie empfunden. Das hatte wohl mit der speziellen Thematik und damit zu tun, dass die „SED-Bonzen davon keine Ahnung hatten“, meint der verheiratete Vater einer Tochter.

Seit 1979 in der damaligen Ost-CDU engagiert, hat Brun je zehn Jahre als Kreistagsmitglied vor und nach der Wende miterlebt und -gestaltet. Das war, resümiert er heute, zu allen Zeiten eine große Herausforderung mit durchaus widersprüchlichen Prämissen und Zwängen. 1990 übte er sogar das Amt des Polzer Bürgermeister aus. „Man hat mich einfach dazu gedrängt. Ich habe es letztlich nicht abgelehnt, weil der Reiz einer neuen Zeit lockte, die ich mitgestalten wollte“, so Brun.

1996 dann der Ruf, Brun arbeitete damals als Dozent bei Bildungseinrichtungen in der Region Ludwiglust, des Hinstorff-Verlages wegen der Herausgeberschaft von „Voß und Haas“. Lange Bedenkzeit. Schließlich angenommen. Und nie bereut. Brun: „Ich habe in den 20 Jahren viele Autoren kennengelernt und ihnen die Möglichkeit gegeben, zu veröffentlichen. Und ich habe bei aller guten Kenntnis der Materie immer wieder dazu gelernt. Das ist ein großer Gewinn für mich.“
Seit 2000 ist Brun (endlich) auch Vorsitzender der Johannes-Gillhoff-Gesellschaft, die sich dem Lebenswerk des in Glaisin geborenen Schriftstellers der Griesen Gegend widmet und seit 2006 alleinig den Gillhoff-Preis vergibt, der 1978 gestiftet und seit 1980 vom Kulturkreis Mecklenburg mit Sitz in Hamburg und seit Gründung der Gillhoff-Gesellschaft 1993 gemeinsam vergeben wurde.

In die medialen Schlagzeilen geriet der Verein mehrere Male wegen Stasi-Verstrickungen seiner Preisträger wie Jürgen Borchert und Jürgen Rogge. Diesbezüglich bleibt Brun erstaunlich emotionslos und geschichts-distanziert. „Wir sind ein Literaturverein und ehren die besten niederdeutschen Autoren. Nicht mehr nicht weniger.“ Da scheint es ihm auch nichts auszumachen, mit Jürgen Behrends einen „zuverlässigen“ Stellvertreter an seiner Seite zu wissen, der zu DDR-Zeiten als „IM Hirschmann“ agierte. Die Beliebtheit des ehemaligen Glaisiner Bürgermeisters rund um den Gillhoff-Geburtsort reicht von hohem Ansehen bis zu vehementer Ablehnung. „Man ist eben eine Literaturgesellschaft. Nicht mehr, nicht weniger“, wiederholt sich Brun, der jetzt stundenweise im Informationszentrum des Biosphärenreservats Elbtalaue auf der Festung Dömitz arbeitet. Aktuell hat er ein schönes Lesebuch unter dem Titel „In Dömitz darfst du lächeln“ herausgegeben. Das darf man übrigens durchaus.

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