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Grüne Woche : „Umsonst“ ist Vergangenheit

vom
Aus der Onlineredaktion

Heute startet die größte Verbrauchermesse Deutschlands in Berlin. Aussteller erzählen, wie sich die Grüne Woche entwickelt hat

von
erstellt am 20.Jan.2017 | 12:00 Uhr

1800 Quadratmeter, mehr als 60 Aussteller, zehn Tage – Mecklenburg-Vorpommern fährt nach Berlin. Genauer: Zur Internationalen Grünen Woche (IGW). Es ist der größte Messeauftritt, den sich das Land leistet: 560 000 Euro Haushaltsmittel werden dafür eingesetzt. Zu sehen sei, was MV aus- und stark macht, findet zumindest Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD), unter dessen Federführung das Projekt IGW läuft. „Die Darstellung von vielen positiven Seiten in Berlin dient in hohem Maße der Imagewerbung für das Land“, sagt er. Nach jeder Grünen Woche würden die Buchungszahlen für MV-Urlaub in die Höhe schnellen.

Doch lohnt sich der Auftritt auch für die Ernährungsbranche? Zu den bekannten Gesichtern auf der Messe gehört Silvia Hinrichs, Geschäftsführerin von der Sanddorn Storchennest GmbH. Das große Geschäft macht sie vor Ort nicht, die Werbung sei aber unbezahlbar. „Wir wollen keine Millionen verdienen, aber es muss unterm Strich schwarz bleiben – und das ist bisher auch immer so gewesen“, so Hinrichs. „Der Imagefaktor ist der entscheidendere. Die Grüne Woche ist schließlich die größte Verbrauchermesse, die man mitnehmen kann.“

Die wichtigsten Informationen:

Öffnungszeiten

Die Internationale Grüne Woche  ist ab heute bis zum 29. Januar täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am 27. Januar können Besucher bis 20 Uhr vorbeischauen.

Preise

Eine Tageskarte pro Person kann für 14 Euro erworben werden. An den beiden Sonntagen gibt es das Ticket reduziert für  zehn Euro.

 Eine Familienkarte (zwei Erwachsene und maximal drei Kinder) kostet 29 Euro. Kinder unter sechs Jahren erhalten kostenfreien Eintritt. Tickets können online unter www.gruenewoche.de oder an der Tageskasse gekauft werden.

Parkgelegenheiten

Wer mit Auto anreist, kann in der  Jafféstraße, der Masurenallee, dem Parkhaus ICC, der Neuen Kantstraße sowie am Olympiastadion (von dort fährt ein kostenloser Shuttlebus zum Messegelände) parken. Empfohlen wird jedoch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. In der Nähe befinden sich die S-Bahnhöfe Messe Süd, Westkreuz und Messe Nord sowie die U-Bahnhöfe Theodor-Heuss-Platz und Kaiserdamm.

Programmhöhepunkte

Die Grüne Woche wird heute um 10 Uhr  offiziell eröffnet.  In der MV-Halle (5.2b)  übernimmt das Landwirtschaftsminister  Till Backhaus (SPD). 

Morgen wird ab 11 Uhr der MV-Ländertag gefeiert – ausgetragen vom Landkreis  Vorpommern-Rügen.

Am 22. Januar tritt um 12 Uhr die Prohner Hafengäng  auf, am 24. Januar sorgt  Klaus Lass – de Plattfoot ganztägig für Unterhaltung und am 27. Januar performt mehrmals  das Erste Allgemeine Kurorchester.

Seit rund zwei Jahrzehnten fährt das Storchennest mit nach Berlin. Zu Beginn als eigenständiger Aussteller, mittlerweile am Gemeinschaftsstand mit anderen Ausstellern aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim. „Früher waren die Besucher kauffreudiger, dafür wissen sie heute mehr über die Wirkung von Sanddorn, das heißt, wir müssen nicht mehr so viel erklären.“ Hinrichs spricht aus Erfahrung. In Berlin geht es für sie auch darum, eventuell neue Abnehmer für ihre Produkte aus dem Raum Berlin/Brandenburg zu finden. „Die Messe ist immer noch die beste Möglichkeit, mit Kunden in Kontakt zu kommen“, findet die Storchennest-Chefin. Sie nutzt die IGW aber auch als Testmarkt für neue Produkte. Dieses Mal neu im Gepäck: ein reiner Sanddorntee.

Urte Warncke, Geschäftsführerin der Ludwigsluster Fleisch- und Wurstwaren GmbH, bucht aus einem anderen Grund einen Stand auf der Messe: „Wir gehören zu MV, sind vor Ort der wichtigste Fleisch- und Wurstwarenproduzent. Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit das Land zu repräsentieren. Wir sind regional und das wollen wir auch zeigen.“ Seit 21 Jahren steht ihr Unternehmen auf der Ausstellerliste. Jedoch nicht, um Geld zu verdienen. „Das machen wir dort definitiv nicht. Die Standgebühren müssen bezahlt werden, das Personal, die Unterkünfte vor Ort. Das ist teuer“, verdeutlicht Warncke. „Wir machen das allein zu Werbezwecken. Jedes Jahr treffen wir in Berlin zahlreiche Stammkunden.“ Warncke sagt auch, dass sich die Internationale Grüne Woche innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte stark gewandelt habe. „Eine Probiermesse zum Sattessen ist sie schon lange nicht mehr.“ Das Umsonst-Prinzip hat ausgedient. Schon aus Kostengründen könnten die Aussteller ihre Produkte nicht einfach so verteilen. „Wir bieten alles preisgünstiger an.“

Neben den alten Messe-Hasen sind in diesem Jahr auch sechs Frischlinge in der MV-Halle dabei. Dazu gehört auch die Agrarproduktion Lübtheen GmbH, die mit dem „Elbetaler“ eine neue Marke für die eigenen Produkte kreiert hat und diese erstmals in Berlin vorstellt.

Die Landwirte haben es satt

Bereits zum siebten Mal demonstrieren morgen Bauern und Lebensmittelhandwerker aus ganz Deutschland  am Rande der Grünen Woche für ihre Interessen. In diesem Jahr steht der Protest unter dem Motto „Agrarkonzerne: Finger weg von unserem Essen! “. „Die bäuerliche Landwirtschaft und das regionale Lebensmittelhandwerk sind in Gefahr. Denn Agrarkonzerne und die Bundesregierung treiben die Industrialisierung der Land- und Lebensmittelwirtschaft voran. Die Folgen: Das weltweite Höfesterben schreitet rasant voran“, heißt es in der Erklärung der Veranstalter.

Die Forderung   an die Politik  lautet deshalb:  „Jährlich 500 Millionen Euro mehr in bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft investieren. “ Die Demonstration beginnt um 11.30 Uhr am Potsdamer Platz.

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