Riesenwirbel um den Qualm : Umfrage: Generelles Rauchverbot im Auto?

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Nach dem Vorstoß der Bundesdrogenbeauftragten wird im Netz heftig diskutiert. Experten begrüßen ihre Idee, wollen aber kein Gesetz

svz.de von
01. September 2015, 21:00 Uhr

An Bahnhöfen und in Restaurants bundesweit ist das Rauchen längst verboten. Nicht aber in den heimischen vier Wänden. Und auch im Auto greifen Raucher zum Glimmstängel. Für die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler kein gutes Zeichen. Vor allem dann nicht, wenn auch Kinder mit an Bord sind. Sie forderte ein Rauchverbot im Auto, wenn Minderjährige mitfahren (wir berichteten).

Hans-Joachim Hacker, Präsident der Landesverkehrswacht findet zu diesem Thema klare Worte. „Rauchen am Steuer schadet doppelt. Zum einen beeinträchtigt es die Aufmerksamkeit des Fahrers, zum anderen belästigt man damit Mitfahrer.“ Der 65-Jährige ist überzeugt, dass das Rauchen ähnlich stark ablenkt wie Telefonieren am Handy. Trotzdem ist es nicht gesetzlich verboten. „Ich denke, der Gesetzgeber muss auch nicht jeden einzelnen Lebensbereich aufs Genaueste durchdeklinieren, aber für Eltern sollte es eigentlich selbstverständlich sein, in der Anwesenheit von Kindern nicht zu rauchen.“

Sollte es in Deutschland ein Rauchverbot in Autos geben, wenn Minderjährige mitfahren?

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Ob der Vorschlag der Bundesdrogenbeauftragten verfassungsrechtlich umsetzbar ist, weiß er nicht. „Ich glaube nicht, dass es diese noch ungeklärte Rechtsfrage noch in dieser Legislaturperiode zum Gesetz schafft“, sagt Hacker. Er appelliert daher an alle Eltern, aus Gründen der Verkehrssicherheit, wie der Verantwortung für die Kinder, auf das Rauchen im Auto zu verzichten. Er gelangte zu dem Eindruck, dass besonders in MV die Einschränkung von Rechten der Verkehrsteilnehmer nur zögerlich angegangen werde.

Dr. Olaf Kannt, Chefarzt der Kinderklinik der Schweriner Helios Kliniken, sieht es ähnlich. „Im Sinne der Kinder würde ich ein Rauchverbot im Auto als sinnvoll erachten, jedoch nicht im Sinne der deutschen Regulierungswut“, sagt er. Die Schaffung eines Rauchverbots würde einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte bedeuten und Überwachung erforderlich machen.

„Im Allgemeinen gleicht das Passivrauchen einer Rauchgasvergiftung“, erklärt er die Problematik. Besonders die Lungen von Kindern reagieren auf solche Reize stark. Schon bei einer sporadischen Belastung könne es zu Reizungen der Bronchien-Schleimhäute kommen. „Bei regelmäßiger Inhalation sind auch chronische Entzündungen keine Seltenheit.“ Langfristig erhöhe sich so auch das Krebsrisiko erheblich. „Eltern sollten bedenken, dass ihre Kinder die Abfallprodukte des eigenen Zigarettenkonsums einatmen“, erklärt Dr. Kannt. Vor allem im Auto, wo dank des geringen Volumens die Konzentration der Rauchgase größer sei. Nikotinsüchtig würden die Kinder durch Rauch im Auto jedoch nicht werden. „Das Nikotin atmen die Primärraucher weg. Bei den Kindern kommt davon nichts an“, sagt Kannt.

Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, kann in den Helios Kliniken Hilfe finden. Das Entwöhnungsprogramm „Nichtraucher in 6 Wochen“ findet regelmäßig statt. Genaue Termine und die Möglichkeit zu einem persönlichen Gespräch gibt es unter Tel.: 0385-520 34 32.

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