Überweisungs-Irrtum sorgt für Chaos in Arztpraxen

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16. Januar 2013, 06:21 Uhr

Schwerin/Neubranden-burg | Der Wegfall der Praxisgebühr bringt die Organisation in zahlreichen Arztpraxen durcheinander. Der Grund: Viele Patienten gehen fälschlich davon aus, dass jetzt keine Überweisungen zum Spezialisten mehr erforderlich sind.

"Fachärzte rufen uns in Scharen an und berichten von einem starken Patientenzulauf", so die Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern, Eveline Schott. Dabei habe sich an der Überweisungspraxis nichts geändert - dass der Hausarzt die Behandlung koordiniere, sei eine im Bundesmantelvertrag festgelegte Vorgehensweise, so Schott.

In der Schweriner Augenarztpraxis von Dr. Michael Kärn besteht das Praxisteam deshalb außer in Notfällen auch weiterhin darauf, dass Patienten eine Überweisung vorlegen. "Etwa die Hälfte tut das unaufgefordert", so der Mediziner. Hausärzte hätten eine wichtige Lotsenfunktion, sie könnten am besten die fachliche Zuständigkeit sowie die Dringlichkeit der Behandlung einschätzten, wirbt Dr. Kärn für den zusätzlichen Weg zum Allgemeinmediziner. Doch in deren Praxen ist es momentan leerer als sonst zu Quartalsbeginn. "Ein Viertel unserer Patienten kommt nicht mehr, um Überweisungen zu holen", so der Neubrandenburger Hausarzt Dr. Viktor Harsch. Damit würde sich so mancher ins eigene Fleisch schneiden: Bei Reha-Anträgen beispielsweise würden sich die Leistungsträger stets an den Hausarzt wenden, wisse der nichts von bestimmten Behandlungsdetails, könne das zu einer Ablehnung der Maßnahme führen. "Überweise ich an einen Kollegen, hat der anschließend eine Berichtspflicht", argumentiert Harsch für das gängige Verfahren. Ohne diese Rückmeldung würde er dagegen unter Umständen Untersuchungen oder Therapien veranlassen, die längst gemacht wurden.

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