Schwerin : Über fünf Jahre Haft für Missbrauch

Eine Bronzestatue der Justitia steht in Frankfurt am Main. /Archiv
Eine Bronzestatue der Justitia steht in Frankfurt am Main. /Archiv

Das Landgericht Schwerin verurteilt jetzt einen Mann wegen Vergewaltigung seiner Stieftochter zu mehreren Jahren Gefängnis.

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13. März 2018, 05:00 Uhr

Das zehnjährige Mädchen liebte ihre kleine Katze. Das nutzte ihr 43 Jahre alter Stiefvater aus einem Dorf an der Ostseeküste bei Boltenhagen aus, um das Kind gefügig zu machen. Er drohte dem Mädchen, das Kätzchen zu töten, wenn sie bei seinen sexuellen Übergriffen nicht stillhalte oder sogar mitmache. Das Landgericht Schwerin bescheinigte ihm dafür gestern eine besondere Gefühlskälte. Die Richter verurteilten den gelernten Maler, der offenbar seit seiner Lehre nirgends regulär gearbeitet hat, zu fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis. Einen Teil davon kann der alkoholkranke Mann in einer Klinik verbringen, für den Fall, dass die Entziehungskur erfolgreich verläuft.

Das Mädchen hatte gute Gründe, den Drohungen ihres Stiefvaters Glauben zu schenken. Auch wenn sie es nicht mit eigenen Augen gesehen hatte, so wusste sie, dass er einmal einen Hund erdrosselt hatte. Seine Frau habe gesagt, „der muss weg, weil er überall hin macht“, versuchte er sich zu rechtfertigen, nachdem er es anfangs noch geleugnet hatte. Ob er das tote Tier wirklich in einem Ofen verbrannte, wie die Staatsanwaltschaft es in den Raum gestellt hatte, wollte er nicht sagen. Für die Höhe der Strafe, die er wegen Vergewaltigung, schweren sexuellen Missbrauchs und Missbrauchs eines schutzbefohlenen Kindes bekam, spielte dieses Detail keine Rolle.

Mindestens zwölf Mal verging sich der massige Mann mit dem kleinen Ring im Ohr im vergangenen Jahr an dem Mädchen, das er als „Hausmann“ mit großgezogen hatte. Die Mutter, seine Lebensgefährtin, arbeitete im Schichtdienst in der Gastronomie. Meistens war er angetrunken, wenn das Kind ihm zu Willen sein musste. Er habe „das mal ausprobieren“ wollen, gab er vor Gericht als Motiv für seine Übergriffe an. Pädophil ist er wohl nicht. Er hat vier Kinder mit zwei anderen Frauen.

Zweifelhaft ist noch, welche Rolle zwei Bekannte des Mannes spielten, mit denen er häufiger bei Bier und Schnaps zusammen saß. Die Staatsanwaltschaft prüft den Verdacht des Kindesmissbrauchs an dem selben Mädchen. Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Einen der Kumpane soll der 43-Jährige sogar selbst angezeigt haben, sexuell übergriffig geworden zu sein – und das zu einem Zeitpunkt, als er selbst damit noch nicht aufgehört hatte. Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft auch die Mutter wegen unterlassener Hilfe für ihre Tochter angeklagt. Das Gericht hat aber noch nicht entschieden, ob die Anklage stichhaltig genug ist, um sie in einem öffentlichen Prozess zu verhandeln.

Durch sein Geständnis ersparte der Angeklagte seiner Stieftochter, vor Gericht all das wiederholen zu müssen, was sie bei der Polizei berichtet hatte. Deshalb milderten die Richter das Strafmaß. Ohne das Geständnis wäre eine Verurteilung sehr viel schwieriger geworden.

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