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Flüchtlinge in MV : Über 1000 Asylbewerber abgeschoben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Doppelt so viele Menschen wie 2014 zurückgeschickt / Differenz zwischen MV- und Bundeszahlen

Als Reaktion auf den großen Flüchtlingszustrom in diesem Jahr hat Mecklenburg-Vorpommern Menschen ohne Asylanspruch konsequenter in ihre Heimatländer abgeschoben als in den Vorjahren. Wie ein Sprecher des Innenministeriums gestern in Schwerin mitteilte, wurden bis Mitte Dezember 1034 Flüchtlinge zurückgeschickt. Das seien mehr als doppelt so viele gewesen wie im Jahr 2014 und viermal so viele wie 2012.

Auch bundesweit stieg die Zahl der Abschiebungen aus Deutschland deutlich. Bis Ende November wurden bundesweit 18 363 Fälle gezählt, wie aus einer Aufstellung des Bundesinnenministeriums hervorgeht. Im gesamten Jahr 2014 hatte es demnach 10 884 Abschiebungen gegeben. Bayern schickte demnach von Anfang Januar bis Ende November mehr als drei Mal so viele abgelehnte Asylbewerber (3643) aus dem Land wie im gesamten Vorjahr (1007). Auch in Hessen verdreifachte sich die Zahl nahezu – auf 2306, nach 829 im vergangenen Jahr. In Baden-Württemberg verdoppelten sich die Abschiebezahlen im gleichen Zeitraum knapp: von 1080 auf 2140. In anderen Bundesländern stiegen die Zahlen weniger stark an, einige verbuchten kaum eine Erhöhung. Thüringen ist das einzige Bundesland, in dem die Zahl laut Aufstellung des Bundesinnenministeriums (BMI) nach unten ging: Dort wurden demnach im laufenden Jahr 152 Abschiebungen gezählt, im vergangenen Jahr waren es 234 gewesen.

Allerdings weist die Liste aus Berlin für Mecklenburg-Vorpommern nur 604 Abschiebungen für das laufende Jahr aus. Zu der erheblichen Differenz zu der vom Land genannten Zahl gab es keine Erklärung.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hatte mehrfach betont, dass möglichst viele abgelehnte Asylbewerber zur freiwilligen Ausreise bewegt werden sollen. Wer nicht freiwillig ausreise, müsse aber mit schnellerer Abschiebung rechnen. „Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern die schnellsten Asylverfahren und das beste Flüchtlingsmanagement aller Bundesländer. Und dazu gehört selbstverständlich auch ein effektives Rückführungsmanagement“, so Caffier.

Kritiker wie etwa Grüne und Linke im Landtag mahnten eine humanere Abschiebepraxis mit Verzicht auf unangekündigte, nächtliche Abschiebungen und Familientrennungen an.

 

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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