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Nato-Übung Torgelow : Üben wie im Kalten Krieg

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In Jägerbrück bei Torgelowbereiten Soldaten aus den Niederlanden und Deutschland derzeit eine größere Nato-Übung vor.

svz.de von
erstellt am 17.Jan.2017 | 20:45 Uhr

Mit ohrenbetäubendem Dröhnen rast ein Panzer zwischen Häuserattrappen hindurch. Viel Schnee wirbelt auf, Sand fliegt umher - geschossen wird auf dem militärischen Übungsplatz Jägerbrück bei Torgelow (Kreis Vorpommern-Greifswald) aber nicht. „Wir üben das erste Mal zusammen mit Niederländern, mit denen wir seit 2015 eine gemeinsame Einheit bilden“, erläutert Sven Hoffmann, Hauptmann der Panzereinheit aus Niedersachsen gestern. Mehr als 600 Soldaten trainieren in Jägerbrück die Landesverteidigung und haben dafür schweres Gerät aufgefahren. „Wir üben jetzt wieder, was wir im Kalten Krieg schon geübt haben“, sagt Hauptmann Wytze Walta, einer der niederländischen Befehlshaber.

Früher habe es viele „friedenserhaltende Einsätze, wie in Mali und Afghanistan“ gegeben. Das habe sich geändert. Die Vorpommern-Übung steht im internationalen Zusammenhang. „Das hat mit der Verstärkung der Nato-Präsenz in Polen und dem Baltikum zu tun“, erklärt Roland Vogler-Wander als Sprecher des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern. Das Verteidigungsbündnis reagiere auf gestiegene Sicherheitsbedürfnisse der östlichen Bündnispartner, die sich wegen des andauernden Konflikts in der Ukraine um die eigene Sicherheit sorgen.

 

Vor wenigen Tagen hatte die polnische Regierung die ersten US-Soldaten in Polen begrüßt. Dort wollen Hoffmann und „Kollege“ Walta auch hin. Da die Niederländer vor Jahren ihre Panzer abgeschafft hatten, wurde eine gemeinsame Einheit mit deutschen Panzern gebildet. „Wir üben hier  gemeinsames Bewegen und Verlegen, koordinieren unsere Fernmelder und müssen Befehle abstimmen“, sagt der zur Tarnung dunkel geschminkte Panzerkommandant Hoffmann. Militärbefehle seien in beiden Ländern zwar ähnlich, „aber nicht kongruent“ - also nicht deckungsgleich. Nach einer Woche Übung gehe es nach Polen. Die niederländisch-deutsche Truppe nimmt ab Ende Januar an der Nato-Übung „Bison Drawsko“ in Polen nahe Dramburg (Drawsko Pomorskie) teil. Dort werden bis zu 6000 Soldaten erwartet, die in größerem Maßstab die Verteidigung eines Landes üben und auch aus den USA, Belgien, Estland und Polen kommen.

Einer der wenigen Niederländer auf Panzern ist Richtschütze Robin van Horen. Der 25-Jährige steht mit zwei grünen und roten Flaggen bei einer Rast an der Straßenseite gegenüber den Panzern. Wenn Fahrzeuge kommen, muss er die Durchfahrt regeln, während Kameraden die Technik kontrollieren. Auf die Frage eines Reporters, ob er Angst habe, dass es wirklich zum Ernstfall mit Russland kommen könnte, will er lieber nichts sagen. „Aber gut ist, dass so viele Nationen zusammenstehen“, sagt van Horen.  Kurz danach sind die PS-starken Panzer in ihrem „Verfügungsraum“ angekommen. Hier werden sie zwei Tage in der Kälte üben und dann die Koordinierung mit der schweren Technik der Niederländer. In Jägerbrück, wo in der DDR-Zeit Tausende Panzersoldaten trainierten, darf derzeit aber nicht mit schwerem Kaliber geschossen werden. Das Übungsgelände war im Zuge von Sparmaßnahmen heruntergestuft worden. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte im Sommer 2016 zwar zugesagt, Jägerbrück wieder zum Truppenübungsplatz auszubauen. Das dauert aber noch und so fehlt unter anderem die nötige Berufsfeuerwehr, um den Brandfall abzusichern.Echte Geheimnisse gibt es bei den Übungen in Jägerbrück und Polen aber nicht, betont Vogler-Wander. „Im Rahmen der OSZE kann jeder Staat Beobachter entsenden, auch Russland.“ Das sei zwar noch nicht passiert, aber das russische Fernsehen habe sich mit dem Sender „Russia today“ in Torgelow für die nächsten Tage angekündigt.

Winfried Wagner

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